Von der Zeitung zur Nachricht: Überlegungen zu zukünftigen Aufgaben von Zeitungssammlungen und -abteilungen in Bibliotheken vor dem Hintergrund der Entwicklung des Mediums

Andreas Steinsieck

Abstract


Zeitungssammlungen und -abteilungen wissenschaftlicher Bibliotheken definieren ihren Sammlungsgegenstand traditionell materialgebunden: sie sammeln gedruckte, mindestens wöchentlich erscheinende Periodika. Retrodigitalisierung und die Veränderung des Mediums selbst verlangen nun entweder eine Ausweitung des Sammelauftrags auf digitales Material oder stellen die Existenz dieser Abteilungen in Frage.

In diesem Aufsatz wird gezeigt, dass auch die Geschichte des Mediums nahelegt, den Fokus nicht auf das Material zu richten, sondern auf den Inhalt. Denn bereits beim Übergang von geschriebenen zu gedruckten Zeitung im frühen 17. Jahrhundert war das bestimmende Element die Nachrichtenakquise und Redaktionstätigkeit. Es sind die Akteure hinter den Zeitungen, die Novellanten, Korrespondenten, Redakteure oder Herausgeber, die das Medium absetzen von Belletristik oder wissenschaftlicher Literatur. Verlagerte man den Fokus auf das Nachrichtensammeln, kämen auch andere, für die Forschung zentrale Materialien in den Blick, wie etwa Archivalien aus Zeitungsredaktionen oder Material von Nachrichtenagenturen. Diese Quellengattungen werden in Deutschland bislang leider kaum gesammelt. Für Geschichtswissenschaft und Historische Publizistik wäre es ein großer Gewinn, wenn Bibliotheken hier tätig werden würden.

Hier wird vorgeschlagen, Zeitungssammlungen auf andere Materialisierungsformen auszudehnen, den Sammlungsauftrag also von der Manifestationsebene auf zumindest die der Expression, wenn nicht gar auf die Werkebene zu verlagern, und sie so zu Abteilungen für Kommunikationsforschung, Kommunikationsgeschichte oder Nachrichtenforschung zu machen.

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DOI: https://doi.org/10.11588/pb.2013.1.10348

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-pb-103483