Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak <div style="margin-top: 1.5em;"><a title="zur aktuellen Ausgabe" href="/index.php/ak/issue/current"><img id="titleImg" src="/public/journals/98/cover_issue_3146_de_DE.jpg" alt="" /></a> Das Archäologische Korrespondenzblatt, das vom <a href="http://web.rgzm.de/">Römisch-Germanischen Zentralmuseum </a>herausgegeben wird, erscheint vierteljährlich und informiert die Fachwelt in kurzen Beiträgen über neue Ergebnisse der archäologischen Forschung. Es versteht sich als aktuelle wissenschaftliche Zeitschrift zu Themen der vor- und frühgeschichtlichen sowie provinzialrömischen Archäologie und ihrer Nachbarwissenschaften in Europa. Neben der Forschungsdiskussion finden hier Neufunde und kurze Analysen von überregionalem Interesse ihren Platz.<br />Der Umfang der Artikel beträgt bis zu 20 Druckseiten; Beiträge auf Englisch und Französisch werden ebenfalls angenommen.<p>Unabhängige Redaktoren begutachten die eingereichten Artikel (peer review).</p><p>Das Archäologische Korrespondenzblatt wird zukünftig zeitverzögert mit einem Jahrgang Abstand über die Universitätsbibliothek Heidelberg digital erscheinen.</p><p>Alle Zeitschriftenbeiträge erhalten einen digitalen Objektbezeichner (Digital Object Identifier, doi), der das Zitieren und Verlinken der Artikel vereinfacht. Das Hosting für das Archäologische Korrespondenzblatt online übernimmt die Universität Heidelberg, die Kooperationspartner in diesem Projekt ist und die Langzeitarchivierung der Beiträge garantiert.</p></div> de-DE nickel@rgzm.de (Dr. Claudia Nickel) effinger@ub.uni-heidelberg.de (Dr. Maria Effinger / Universitätsbibliothek Heidelberg) Wed, 15 Jun 2022 08:41:46 +0200 OJS 3.2.1.4 http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss 60 Nachts vor dem Lager? Ein außergewöhnlicher Depotfund aus Vindonissa (Kt. Aargau / CH) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90669 <p><strong>Nachts vor dem Lager? Ein außergewöhnlicher Depotfund aus Vindonissa (Kt. Aargau / CH)</strong></p> <p>Vor der südwestlichen Umwehrung des Legionslagers Vindonissa wurde 2016 eine Grube mit rätselhaftem Inhalt geborgen: Neben einer vollständigen Keramikschüssel und drei weiteren Gefäßen barg sie 22 vollständige Öllampen, 21 Bronzemünzen und Brandschutt mit verbrannten Knochen von 22 Oberschenkeln von Schaf / Ziege. Eine der Münzen, sonst überwiegend Prägungen des Nero, weist einen Gegenstempel auf, der im Vierkaiserjahr 68/69 n. Chr. eingeschlagen wurde. Das Ausheben der Grube und die Deponierung ihres ungewöhnlichen Inhalts fallen demnach sehr wahrscheinlich in die Zeit des Wechsels von der legio XXI Rapax zur legio XI Claudia Pia Fidelis. Der Fundkontext lässt auf den ersten Blick keinen klaren architektonischen oder topographischen Bezug zu einem sakralen Ort erkennen. Der bislang ohne Parallelen dastehende Fundkomplex erweitert das Bild von der Sakraltopographie Vindonissas um eine ungewöhnliche Komponente.</p> Jürgen Trumm, Regine Fellmann Brogli, Andrew Lawrence, Sabine Deschler-Erb, Michael Nick Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90669 Mon, 12 Sep 2022 00:00:00 +0200 Étude anthropologique du dolmen du Bronze ancien du Pala 2 à Chauzon (dép. Ardèche / F) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90667 <p><strong>Anthropologische Untersuchungen von Dolmen der frühen Bronzezeit aus Pala 2 in Chauzon (dép. Ardèche / F)</strong></p> <p>Die Dolmen von Pala 2 im südfranzösischen Chauzon wurden 1985 archäologisch untersucht und durch die Ausgräber in die frühe Bronzezeit datiert. Es handelt sich um einen kollektiven Bestattungsplatz mit Resten von mind. 40&nbsp;Individuen, inklusive 14 ungeborener Individuen. Die Analyse der sterblichen Überreste ergab ein Fehlen von Individuen im Alter von 14-19 Jahren. Die Untersuchung von Karies, Zahnbelägen und Zahnabnutzung trug zur Bestimmung der Zahngesundheit dieser Bevölkerung bei. Die angewandten neuen Methoden ermöglichten eine komplette anthropo logische Studie für diesen Dolmen, dessen Resultate mit denen aus anderen megalithischen Monumenten der Gegend verglichen werden.</p> Nausicaa Jean, Olivier Lemercier, Virginie Durand, Mélie Le Roy, Bernard Gély Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90667 Mon, 12 Sep 2022 00:00:00 +0200 Der römische Wendeltreppenschacht im territorium metallorum Tresminas / Jales (freg. Tresminas; distr. Vila Real / P) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90663 <p><strong>Der römische Wendeltreppenschacht im <em>territorium metallorum</em> Tresminas / Jales (freg. Tresminas; distr. Vila Real / P)</strong></p> <p>Im römischen Goldbergwerksbezirk von Tresminas, Gralheira und Campo de Jales im nördlichen Portugal sind dank des anstehenden festen Gesteins und in der Folgezeit weitgehend ausgebliebener Zerstörungen zahlreiche Prospektionsbaue erhalten geblieben. Unter den Stollen und Schächten stellt ein mehrfach rechtwinklig abgeknickter Wendeltreppenschacht in der Corta da Ribeirinha eine Besonderheit dar. Dessen auffällige Architektur lässt sich als Ergebnis aus situationsbedingten technischen und bergbaulichen Notwendigkeiten erschließen. Zahlreiche Planungsänderungen während seiner Errichtung deuten darauf hin, dass dessen endgültige Architektur das Resultat von sich während des Baus mehrfach ändernden Zielsetzungen und Vorgehen ist, die beim Bergbau nur als Reaktion auf erschlossene Edelmetallkonzentrationen interpretiert werden können. Die gewählte Bauweise des Abstieges, in der über Winkel der Treppen, Länge der geraden Abschnitte und Abknickwinkel der Schächte bzw. der Stollen der Verlauf und das Ende des Bauwerkes nahezu zu jeder Zeit während des Bauverlaufes neu bestimmt werden konnten, ermöglichte ohne umfangreichere Neuvermessungen ein direktes Reagieren auf die örtlichen Prospektionsergebnisse.</p> Regula Wahl-Clerici, Klaus Mechelke, Maren Lindstaedt, Thomas Schierl, Markus Helfert Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90663 Mon, 12 Sep 2022 00:00:00 +0200 Anmerkungen zum Magdalénien und Spätpaläolithikum in Thüringen https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90658 <p><strong>Anmerkungen zum Magdalénien und Spätpaläolithikum in Thüringen</strong></p> <p>Von den über 50 archäologischen Fundstellen des Weichsel-Spätglazials in Thüringen wurden 14 Lokalitäten einer erneuten Prüfung unterzogen. Es handelt sich um Einzelfunde, fundarme Inventare sowie um Komplexe mit vermischten Funden unterschiedlicher Zeitstellung. Mit Hummelshain, Großpürschütz und Gorsleben sind kleine, aber für das Spätmagdalénien typische Inventare, in Renthendorf wahrscheinlich ein Spätpaläolithikum belegt. Weiterhin wird die bisherige Annahme diskutiert, das Vorkommen eines einzigen Stichels als Beleg für ein spätjungpaläolithisches Gerät zu sehen.</p> Clemens Pasda, Sebastian Pfeifer, Roland Roa Romero, Juliane Weiß Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90658 Mon, 12 Sep 2022 00:00:00 +0200 Cooking in Pestenacker – Evidence from Organic Residues in Vessels from one Household in a Late Neolithic Wetland Settlement in Bavaria (3496-3410 BC) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90655 <p><strong>Kochen in spätneolithischen Töpfen – Ergebnisse einer Analyse organischer Rückstände aus Gefäßen eines Hauses der Feuchtbodensiedlung Pestenacker in Bayern (3496-3410 v. Chr.)</strong></p> <p>Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit organischen Anhaftungen aus der jungneolithischen Feuchtbodensiedlung Pestenacker, wobei Trichtertöpfe und Ösenflaschen aus Haus 1 betrachtet wurden. Die Anhaftungen wurden auf botanische Makroreste, chemische Rückstände sowie deren Verteilung innerhalb des Gebäudes hin untersucht. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf die Gefäßnutzung sowie auf verschiedene Tätigkeitsbereiche im Haus. Es konnten drei unterschiedliche Gruppen von Rückständen identifiziert werden. Die Ösenflaschen enthielten leicht verkohlte Rückstände, wohl Milch oder Milchprodukte von Wiederkäuern, die Trichtertöpfe ein stark verkohltes Gemisch. Dabei handelt es sich um einen stärkehaltigen Brei – teils mit Emmer – versetzt mit etwas Milch oder Fleisch. Daneben wurde Birkenrindenteer für mehrere Gefäßreparaturen beobachtet. Die Verteilung der unterschiedlichen Anhaftungen in Haus 1 bestätigt zwei Aktivitätszonen: ein Wohn-Schlafbereich sowie ein Kochbereich.</p> Tania F. M. Oudemans, Barbara Limmer, Lucy Kubiak-Martens, Laura I. Kooistra Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90655 Mon, 12 Sep 2022 00:00:00 +0200 Minimalinvasive Direct-push-Erkundung in der Feuchtboden(geo)archäologie am Beispiel des Karlsgrabens (Fossa Carolina) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90652 <p><strong>Minimalinvasive <em>Direct-push</em>-Erkundung in der Feuchtboden(geo)archäologie am Beispiel des Karlsgrabens (<em>Fossa Carolina</em>)</strong></p> <p>Archäologische Grabungen in Flussauen, Feuchtböden und feuchtbodenarchäologischen Fundstätten sind aufgrund von Grundwasserzustrom und instabilem Untergrund oft teuer und schwer durchführbar. Dennoch bieten diese Standorte sehr wichtige Fundstellen und Bodenarchive. Alternativ kommen Rammkernsondierungen zum Einsatz, bei denen jedoch Kompressionseffekte in den organischen Schichten zu ungenauen Tiefenangaben führen. In dieser Studie wird der Einsatz von tiefengenauen, minimalinvasiven In-situ Direct-push-Methoden zur hochaufgelösten Erkundung von Bodendenkmälern im grundwassergesättigten Bereich vorgestellt. Exemplarisch wurde dazu die Grabenfüllung der frühmittelalterlichen Fossa Carolina (Karlsgraben) untersucht. Die Fossa Carolina repräsentiert den ersten Versuch, eine durchgehende Schiffsverbindung vom Rhein zur Donau zu schaffen, und gilt als eines der bedeutendsten frühmittelalterlichen Bodendenkmäler in Europa. Mithilfe der hochauflösenden und tiefengenauen In-situ Direct-push-Sondierungen (elektrische Leitfähigkeit und Sedimentfarbe) wurden die räumlichen Dimensionen und anhand der dokumentierten Stratigraphie die Verlandungsgeschichte der ehemaligen Kanalrinne höhengenau rekonstruiert.</p> Johannes Völlmer, Christoph Zielhofer, Johannes Schmidt, Peter Dietrich, Jörg Hausmann, Ulrike Werban, Lukas Werther , Stefanie Berg Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90652 Mon, 12 Sep 2022 00:00:00 +0200 South Cadbury: the last of the bronze shields? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90638 <p><strong>South Cadbury: der letzte der Bronzeschilde?</strong></p> <p>In bisherigen Publikationen über den im Jahre 1997 ausgegrabenen Bronzeschild vom Typ Yetholm vom Milsom’s Corner in South Cadbury (Somerset) wurde der Aussagekraft der Metallanalysen und dem stratigraphischen Fundkon- text hinsichtlich der Fragen zum Ursprung und Umlauf der bronzenen Schilde kaum Beachtung geschenkt. Unveröffentlichte Analysen für mehrere britische Schilde werden vorgestellt und ihre metallographischen Eigenschaften diskutiert, auch in Bezug auf die immer noch strittige Frage nach der Nutzbarkeit der Blechschilde. Die Zusammensetzungen des Metalls belegen, dass die Bronzeschilde hauptsächlich in der britischen Phase Penard (ca.1300-1125 v.Chr.) vorkommen. Vorhandene Radiokarbondatierungen, darunter einige neue, von bronzenen (bzw. deren organischen Bestandteilen) und organischen Stücken belegen, dass sie damit ebenso früh wie die ältesten Schilde in Europa datieren. Seltsamerweise ist der Schild von South Cadbury zwar in der Penard-Periode hergestellt worden, aber erst später vermutlich rituell zerstört und deponiert worden, wohl zu einer Zeit, zu der solche Paraderüstungen nicht mehr in Gebrauch waren. Dies vermag vielleicht den bisher einzigartigen Fundkontext in trockenem Boden zu erklären.</p> Stuart P. Needham, Peter Northover, Marion Uckelmann, Richard Tabor Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90638 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 Augustan campaigns in the initial phase of the Cantabrian War and Roman artillery projectiles from the Monte Bernorio oppidum (Villarén, prov. Palencia) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90637 <p><strong>Die augusteischen Feldzüge der Anfangsphase der Kantabrischen Kriege und römische Artillerieprojektile vom Oppidum auf dem Monte Bernorio (Villarén, prov. Palencia)</strong></p> <p>Die vom Kaiser Octavian Augustus geführten Kantabrischen und Asturischen Kriege bleiben trotz ihrer damaligen großen politischen Bedeutung bisher weitgehend unbekannt. Insbesondere das Oppidum auf dem Monte Bernorio stellt den Ort eines entscheidenden Sieges in diesem Feldzug dar, wie neue archäologische Ausgrabungen belegen. Dieser Aufsatz präsentiert neue Erkenntnisse über den Angriff der römischen Legionen, u.a. Funde von Waffen wie Geschossspitzen aus den Ausgrabungen, die bei der Offensive verwendet worden waren. Kleinkalibrige Artilleriegeschosse belegen den Einsatz derartiger Waffen in der frühen römischen Kaiserzeit.</p> Jesús F. Torres-Martínez, Cristina Pérez Farraces, Antxoka Martínez Velasco Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90637 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 On a fragment of a ceramic beaked flagon from the Late Hallstatt to Early La Tène settlement in Tuněchody (okr. Chrudim) in Eastern Bohemia https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90636 <p><strong>Zum Fragment einer tönernen Schnabelkanne aus der späthallstatt- und frühlatènezeitlichen Siedlung von Tuněchody (okr. Chrudim) in Ostböhmen</strong></p> <p>In diesem Beitrag wird ein bisher einzigartiger Fund einer Scherbe vom Ausguss einer tönernen Schnabelkanne vorgestellt, die während einer Rettungsausgrabung an einem mehrperiodigen Fundort zutage kam. Die Ausgrabun gen fanden 2008 im Bereich der Lehmgrube einer modernen Ziegelbrennerei an der Grenze der Gemeindegebiete von Úhřetice und Tuněchody im östlichen Böhmen statt. Die stilistische Einordnung des Stückes macht deutlich, dass es viel besser zu den originalen bronzenen Schnabelkannen passt, als zu ihren keramischen Imitationen. Charakteristische Details der Mündung und besonders der schmale Grat zeigen eher gewisse Beziehungen zu den keltischen Bronze - schnabelkannen (Dürrnberg, Glauberg) als zu den etruskischen bzw. italischen Exemplaren. Die Ergebnisse einer geo - chemischen Untersuchung des Tons lassen vermuten, dass das Stück lokal in Böhmen gefertigt wurde. Das Fragment kann also als indirekter Nachweis für richtige keltische Bronzeschnabelkannen in Böhmen verstanden werden.</p> Martin Trefný, Richard Thér, Radomír Tichý, Hana Dohnálková Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90636 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 Bemerkungen zu Vorkommen, Verbreitung und Bedeutung überdimensionierter Lanzen der europäischen Eisenzeit https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90635 <p><strong>Bemerkungen zu Vorkommen, Verbreitung und Bedeutung überdimensionierter Lanzen der europäischen Eisenzeit</strong></p> <p>Anhand einer Lanzenspitze aus Angermünde (Lkr. Uckermark), deren Zeitstellung sich typologisch und typometrisch eingrenzen lässt, werden Herkunft, Funktion und Bedeutung einer Gruppe von Lanzenspitzen der späten Eisenzeit diskutiert. Vergleichbare Lanzen kommen seit der späten Hallstattzeit in teilweise sehr reichen Gräbern, aber auch in Kontexten, die eine tatsächliche Nutzung suggerieren, vor. Ein Teil kann als spezialisierte Angriffswaffe oder Feldzeichen gedeutet werden; eine weitere Gruppe ist jedoch im Kampf kaum sinnvoll einzusetzen und fehlt auch in diesbezüg- lichen Kontexten. Zuletzt wird die Rolle derartiger Waffen in Austauschbeziehungen besprochen und die Lanzen als wichtiges Element in der sozialen Reproduktion und bei der Etablierung weitreichender Kontakte herausgestellt.</p> Florian Klimscha, Wolfgang Blaschke, Eva Thiele Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90635 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 Eine kaiserzeitliche Rinderfigur aus Kupferlegierung von einem Siedlungsplatz der Przeworsk-Kultur https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90634 <p><strong>Eine kaiserzeitliche Rinderfigur aus Kupferlegierung von einem Siedlungsplatz der Przeworsk-Kultur</strong></p> <p>Auf dem Gelände einer Siedlungsstelle der Przeworsk-Kultur in Südpolen wurde eine rindergestaltige Kleinplastik aus Kupferlegierung aufgelesen. Obwohl ohne Fundkontext, kann sie mit der spätkaiserzeitlichen Besiedlungsphase in Verbindung gebracht werden. Es handelt sich um den ersten Nachweis einer derartigen Figur in Polen, deren engste Parallelen in den Rinderplastiken der sogenannten Hundisburger Gruppe Nordostdeutschlands zu suchen sind.</p> Przemysław Dulęba, Jan Schuster Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90634 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 Ernährung und Mobilität im frühmittelalterlichen Bayern anhand einer Analyse stabiler Kohlenstoff- und Stickstoffisotope – Studien zu Mobilität und Exogamie https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90633 <p><strong>Ernährung und Mobilität im frühmittelalterlichen Bayern anhand einer Analyse stabiler Kohlenstoff- und Stickstoffisotope – Studien zu Mobilität und Exogamie</strong></p> <p>In diesem Beitrag wird die Mobilität von Individuen im frühmittelalterlichen Bayern mithilfe einer kombinierten Analyse von Ernährung und Bestattungsbrauch untersucht. Dabei wurden die Verhältnisse von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen in Skelettproben aus dem spätkaiserzeitlichen Gräberfeld Klettham und den merowingerzeitlichen Gräberfeldern Altenerding und Straubing-Bajuwarenstraße analysiert. Zum Vergleich wurden zusätzlich Proben von Tierknochen aus einer spätrömischen und drei frühmittelalterlichen Siedlungen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Ernährung der Individuen in den drei Gräberfeldern in das zu erwartende Muster für Mitteleuropa passt, bei begrenzter Verfügbarkeit von Süßwasser- oder Meeresressourcen. Von der späten Kaiserzeit bis ins frühe Mittelalter scheint sich die Ernährung generell nicht wesentlich verändert zu haben. Es gibt allerdings signifikante Unterschiede in der Ernährung von Männern und Frauen. Darüber hinaus stimmen statistische »Ausreißer« häufig mit ortsfremden Grabbeigaben und anderen Auffälligkeiten überein, z.B. mit künstlicher Schädeldeformation. Die Studie zeigt das Potenzial der Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopenanalyse für die Untersuchung von Migration und Mobilität auf.</p> Susanne Hakenbeck, Hans Geisler, Gisela Grupe, Tamsin C. O’Connell Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90633 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 L'analyse spatiale des nécropoles révisitée https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90632 <p><strong>Zur räumlichen Analyse von Gräberfeldern – ein neuer Ansatz</strong></p> <p>Das Beispiel der späteisenzeitlichen und frührömischen Nekropole von Lamadelaine (Großherzogtum Luxemburg) Gräberfelder zeigen selten zufällig angelegte und verteilte Grabstrukturen. Die Gräber selbst entstehen normalerweise in einem spontanen Prozess; in ihnen werden meist vollständig erhaltene Grabbeigaben absichtlich deponiert. Aus diesem Grund eignet sich diese Gattung archäologischer Befunde gut für eine quantitative und räumliche Analyse, die erlaubt, Informationen über die räumliche Organisation, den zeitlichen Ablauf und über sozio-ökonomische Aspekte des Friedhofes zu erhalten. Dieser Artikel bewertet die wichtigsten Methoden der räumlichen Analyse eines Fundplatzes, angepasst an Gräberfelder, auf Basis der vorgeschichtlichen und römischen Nekropole von Lamadelaine; weiterhin liefert er neue Vorschläge zur räumlichen Anlage dieses Gräberfeldes des Oppidums Titelberg.</p> Jean Bourgeois, Eline Deweirdt , Philippe De Maeyer, Christophe Petit, Patrice Méniel, Jeannot Metzler Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90632 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 Zwei hochmittelalterliche Schreibgriffel aus Aschaffenburg https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90631 <p><strong>Zwei hochmittelalterliche Schreibgriffel aus Aschaffenburg</strong></p> <p>Zwei Funde von hochmittelalterlichen Schreibgriffeln aus Aschaffenburg waren Anlass dafür, diese Fundgattung näher zu untersuchen. Für den einen Stilus aus dem Fundament eines um 1180 erbauten steinernen Kanonikerhauses lassen sich nur wenige Vergleichsstücke benennen. Der zweite Fund vom Hang des Stiftsberges gehört zu einem eigenen Typus, dessen Fundzahl sich durch die Recherche nahezu verdoppelt hat. Diese Schreibgriffel treten im Umfeld kirch- licher Großbaustellen des 12.-14. Jahrhunderts von der Schweiz bis nach Lettland auf. Sie legen die Vermutung nahe, dass sie neben ihrer Funktion als Schreibgerät auch als Markenzeichen bestimmter Steinmetze und Baumeister aus Norditalien gedient haben könnten, die für viele dieser Bauwerke archivarisch als Baumeister und Bildhauer überliefert sind.</p> Jérémie Gnaedig, Markus Marquart Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90631 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 The Salt Men of Iran: the salt mine of Douzlākh, Chehrābād https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90630 <p><strong>Die Salzmänner aus Iran: das Salzbergwerk von Douzlākh, Chehrābād</strong></p> <p>Die vorläufigen Ergebnisse der Grabungen aus den Jahren 2004, 2005 und 2010 deuten darauf hin, dass das Salzbergwerk von Douzlākh während der späten Eisenzeit/achämenidischen Zeit eine intensive Nutzung erfuhr. Ob während der arsakidischen Zeit ein Abbau stattfand, ist bislang nicht hinreichend geklärt. Wie 14C-Analysen zeigen, wurde das Bergwerk in sassanidischer Zeit wieder aufgefahren und eventuell bis in die frühislamische Zeit hinein genutzt. Der Abbau scheint den Befunden nach als Pfeiler-Kammer-Bau stattgefunden zu haben, der ohne jeglichen Holzausbau unternommen wurde, obwohl die mumifizierten Leichen von Bergleuten und der sie umgebende Kontext beredtes Zeugnis von der Instabilität der Grube ablegen. Die ersten beiden Kampagnen wurden von der iranischen Kulturerbebehörde/Miras Farhangi unter der Leitung von Abolfazl Aali durchgeführt. Im Jahr 2010 wurde das Projekt auf eine internationale Basis gestellt, in dem nun Forschungseinrichtungen aus dem Iran, aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und aus der Schweiz gemeinsam an der wissenschaftlichen Untersuchung des Bergwerks arbeiten.</p> Abolfazl Aali, Frank Rühli, Aydin Abar, Thomas Stöllner Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90630 Fri, 09 Sep 2022 00:00:00 +0200 Die lithische Technologie der Gravettien-Fundstelle Aze-Camping de Rizerolles (dep. Saöne-et-Loire) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90225 <p><strong>Die lithische Technologie der Gravettien-Fundstelle Aze-Camping de Rizerolles (dep. Saöne-et-Loire)</strong></p> <p>Sowohl die typologischen Untersuchungen als auch die Analyse der lithischen Technologie zeigen, dass sich das Steinartefaktinventar der Gravettien-Freilandfundstelle Aze-Camping de Rizerolles im ostfranzösischen Burgund sehr gut in die europäische Fundplatzlandschaft des Gravettien einfügt. Der Werkzeugfundus wird dominiert von rückengestumpften Formen, darunter vielen Gravettespitzen, die sich in drei unterschiedliche Größenklassen einteilen lassen (Gravetten, Mikrogravetten, Nanogravetten). Darüber hinaus findet man unter den Werkzeugen knapp doppelt so viele Stichel wie Kratzer. Fragmente zweier Font-Robert-Spitzen sowie neun Elements tronques sprechen für eine Einordnung in das ältere Gravettien. Die lithische Technologie war auf die Gewinnung von Klingen und, noch häufiger, Lamellen ausgerichtet. Gerade letztere Grundformen spielen eine wichtige Rolle bei der Herstellung der das Gravettien charakterisierenden rückengestumpften Projektilspitzen. Der Abbau fand überwiegend unipolar statt, und die Lamellenproduktion wurde in der Kontinuität der Klingengewinnung vorgenommen. Einige Stichel dienten ebenfalls als Lamellenkerne. Im Inventar tritt eine nicht unerhebliche Abschlagkomponente auf.</p> Andreas Taller, Harald Floss Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90225 Fri, 12 Aug 2022 00:00:00 +0200 Phosphatanalysen in einem frühmittelalterlichen Haus in Schalkstetten (Gde. Amstetten, Alb-Donau-Kreis) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90224 <p><strong>Phosphatanalysen in einem frühmittelalterlichen Haus in Schalkstetten (Gde. Amstetten, Alb-Donau-Kreis)</strong></p> <p>Die Phosphatanalysen an einem frühmittelalterlichen Hausgrundriss aus Schalkstetten liefern ein weiteres Beispiel für die Differenzierung verschiedener Aktivitätszonen, wie sie in frühmittelalterlichen Gebäuden in Nord- und Süddeutschland schon festgestellt wurden. Die Phosphateinträge im Stallteil, an der Feuerstelle sowie unter dem Dachvorsprung entsprechen dem gängigen Muster. Darüber hinaus bildet das Phosphat aber auch einen Indikator für die Stoffkreisläufe innerhalb einer Siedlung und ermöglicht Überlegungen zum »Dorfökosystem« des Mittelalters. Hier ergeben sich neue Fragen zur Wirtschaftsweise und insbesondere zu den Dung- und Landnutzungsstrategien.</p> Rainer Schreg, Sonja Behrendt Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90224 Fri, 12 Aug 2022 00:00:00 +0200 Late Bronze Age graves with weighing equipment from eastern France: the example of Migennes »Le Petit Moulin« (dep. Yonne), burial no. 298 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90223 <p><strong>Spätbronzezeitliche Gräber mit Wiegeausstattung aus Ostfrankreich: das Beispiel aus Migennes »Le Petit Moulin« (dep. Yonne), Grab 298</strong></p> <p>Die Nekropole von Migennes (Burgund) mit ihren 60 Bestattungen liefert herausragendes archäologisches Fundgut für die Spätbronzezeit (Stufe Bz D). Eines der Gräber (Grab 298) beinhaltete eine kleine »Schachtel« mit einer Ausstattung zum Wiegen (Balken und Gewichte) zusammen mit Geräten zur Bronzebearbeitung. Diese Art von Beigabe ist im südöstlichen Bereich des Pariser Beckens aus einigen Gräbern mit besonderem Zubehör bekannt.</p> Mafalda Roscio, Fabrice Muller, Jean-Paul Delor Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90223 Fri, 12 Aug 2022 00:00:00 +0200 Ein Steinbeil mit magischer Inschrift aus der Sammlung des Prinzen Christian August von Waldeck https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90222 <p><strong>Ein Steinbeil mit magischer Inschrift aus der Sammlung des Prinzen Christian August von Waldeck</strong></p> <p>Es gibt eine kleine Gruppe neolithischer Steinbeile, die in römischer Zeit mit eingeschnittenen Inschriften im Stil der magischen Gemmen des 2./3. Jahrhunderts versehen wurden. Das Material und die Färbung der Steine werden sicherlich ihren Reiz auf den antiken Bearbeiter oder Auftraggeber gehabt haben; wichtiger war aber, dass es sich in römischer Zeit bereits um ein exotisches Objekt handelte, das daher schon über magische Kräfte verfügte. Bereits Plinius beschreibt die Beilen ähnlichen ceraunia, die bei den Magiern sehr begehrt seien, da man sie nur an den Stellen finde, an denen der Blitz eingeschlagen habe. Es ist die Besonderheit des Materials, das den Stein nach seiner Weihung durch eingeschnittene Inschriften, Bilder und Zeichen so geeignet macht, um in Kontakt mit Gottheiten und Dämonen zu treten.</p> Dieter Quast Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90222 Fri, 12 Aug 2022 00:00:00 +0200 Archäologische und archäometallurgische Untersuchungen an einer karolingerzeitlichen Flügellanzenspitze aus dem Längsee in Kärnten/Österreich https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90221 <p><strong>Archäologische und archäometallurgische Untersuchungen an einer karolingerzeitlichen Flügellanzenspitze aus dem Längsee in Kärnten/Österreich</strong></p> <p>In den Jahren um 1987 konnte aus dem Längsee in Kärnten eine Flügellanzenspitze geborgen werden, die nun archäologisch und metallographisch untersucht wurde. Sie ist mehrteilig und sehr aufwendig gearbeitet, mit Furnierdamast versehen und äußerst gut erhalten. Typenchronologisch kann sie als entwickelte Flügellanze der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts angesprochen werden. Ihr Verwendungszweck war vermutlich militärisch, es gibt allerdings auch Hinweise auf die Nutzung als Fahnenlanze. Die Frage nach der Herkunft - Import oder lokal - muss vorerst offen bleiben. Die Fundlage in einem stehenden Gewässer lässt sich vielleicht über einen kultischen Hintergrund erklären. Insgesamt ordnet sich die Lanze gut in das typische Ausstattungsmuster Karantaniens - fränkische Waffen in Kombination mit awarischer Tracht - ein.</p> Stefan Eichert, Mathias Mehofer, Robert Baier Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90221 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 An Iron Age gold torc from Heerlen (prov. Limburg/NL) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90220 <p><strong>Ein eisenzeitlicher Goldhalsring aus Heerlen (prov. Limburg/NL)</strong></p> <p>Ein Zufallsfund im Jahre 1999 in Heerlen vergrößerte die ziemlich kurze Liste frühlatenezeitlicher Goldschmiedearbeiten aus den Niederlanden um einen Goldhalsring. Nach einer kurzen Beschreibung der Fundumstände werden die Ergebnisse der materialwissenschaftlichen Untersuchungen dargelegt und die sich daraus ergebenden Vergleiche mit anderen Goldhalsringen ähnlicher Zeitstellung in Europa gezogen. Ergänzende typologische Vergleiche zeigen Parallelen in Mittel- und Ostfrankreich, im Mittelrheingebiet und den Ardennen auf. Ein präzises Herkunftsgebiet ist daher nicht anzugeben. Materialwissenschaftliche, typologische und stilistische Argumente bestätigen indes den Goldhalsring von Heerlen als ein Erzeugnis des frühlatenezeitlichen Goldschmiedehandwerks, wie es in den Lt A/B1-Elitegräbern anzutreffen ist.</p> Rudolf Echt, Michael Marx, Wolf-Rüdiger Thiele, John V. S. Megaw, Luc Van Impe, Leo B. M. Verhart Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90220 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 Eine römische Dolabra mit Inschrift aus dem Umfeld des Schlachtfeldes am Harzhorn (Lkr. Northeim) in Niedersachsen https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90219 <p><strong>Eine römische Dolabra mit Inschrift aus dem Umfeld des Schlachtfeldes am Harzhorn (Lkr. Northeim) in Niedersachsen</strong></p> <p>Im Landkreis Northeim wurde in der Fundregion »Harzhorn« ein römisch-germanischer Kampfplatz entdeckt. Aufgrund von AMS-Datierungen, wenigen Kleinfunden und der Münzreihe kann das Schlachtfeld in das dritte Jahrzehnt des 3. Jahrhunderts eingeordnet werden. Im Zuge der laufenden Untersuchungen wurde bei Prospektionen eine Dolabra mit Ritzinschriften geborgen. Mit ihnen kann die Beteiligung einer legio IIII, aller Wahrscheinlichkeit nach der legio IIII Flavia, an den Kämpfen belegt werden. Die Inschriften stammen von verschiedenen Händen und weisen Korrekturspuren auf. Vorgeschlagen wird u.a., die Schriftzeichen aufgrund der unstrittigen Erwähnung der leg(io) IIII auf dem Schneideblatt der Dolabra zu S(everiana) A(lexandriana) aufzulösen; auf der Gegenseite dürfte die legio IIII mit<br>ihrem Beinamen F(l)av(ia) genannt gewesen sein.</p> Rainer Wiegels, Günther Moosbauer, Michael Meyer, Petra Lönne, Thorsten Schwarz, Michael Geschwinde, Michael Brangs Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90219 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 Aktuelle Analysemethoden an Bernsteinperlen https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90218 <p><strong>Aktuelle Analysemethoden an Bernsteinperlen. Zwei Neufunde aus dem spätneolithischen Galeriegrab II von Erwitte-Schmerlecke (Kr. Soest)</strong></p> <p>2009 wurden bei Ausgrabungen in einem spätneolithischen Galeriegrab bei Erwitte-Schmerlecke neben Menschenknochen, Tierzahnanhängern sowie einigen Flint- und Kupferobjekten auch zwei scheibenförmige Bern steinperlen geborgen. Diese typologisch unspezifischen Schmuckstücke konnten mit modernen Analyseverfahren genauer betrachtet werden. Die infrarotspektroskopische Untersuchung hat bestätigt, dass es sich bei ihnen um die in Nordeuropa am weitesten verbreitete Bernsteinvarietät, den sogenannten baltischen Bernstein, handelt. Eine Computertomographie der am stärksten oxidierten Perle erbrachte eine 3D-Simulation ihres Aufbaus und ihrer Verwitterungsschäden. Damit wurde dieses zerstörungsfreie Analyseverfahren erstmals auf ein neolithisches Bernsteinobjekt angewandt.</p> Gisela Woltermann, Kerstin Schierhold Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90218 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 Armatures and the question of forager-farmer contact along the north-western fringe of the LBK: the site of Verrebroek-»Aven Ackers« (East Flanders, Belgium) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90217 <p><strong>Pfeilbewehrungen und die Frage nach den Kontakten zwischen Wildbeutern und Ackerbauern am nordwestlichen Rand der Linearbandkeramik: die Fundstelle von Verrebroek-»Aven Ackers« (Ostflandern, Belgien)</strong></p> <p>Ein zentrales Problem bei der Frage, ob es zum Austausch von Pfeiltechnologien zwischen den spätmesolithischen Wildbeutern und den frühneolithischen Bauern gekommen ist, stellt das Fehlen einer absoluten Chronologie dar, die unser Wissen über den Ursprung besonderer technischer Merkmale absichert. Jüngere Ausgrabungen an der spätmesolithischen Fundstelle Verrebroek-»Aven Ackers« haben ein präzise datiertes Fundensemble von Pfeilbewehrungen zutage gebracht, das die Wissenschaft zu einer Neuinterpretation der Frage nach den Pfeilbewehrungen als Nachweis für eine Kulturübertragung zwischen Jägern/Sammlern und den frühesten Ackerbauern in Nordwesteuropa zwingt. Dieser Aufsatz untersucht die Rolle dieses bedeutenden Fundplatzes im weiteren Kontext und vergleicht die Pfeilbewehrungen des Spät- und Endmesolithikums und der Linearbandkeramik in Belgien und den südlichen Niederlanden.</p> Erick Robinson, Lien Lombaert, Joris Sergant, Philippe Crombé Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90217 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 The topography of Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa and the first centuriation in Dacia https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90216 <p><strong>Die Topographie der Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa und die erste Centuriation in Dakien</strong></p> <p>Die vorliegende Untersuchung behandelt aktuelle topographische Arbeiten und Studien zur antiken Landschaft in der Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa, der Hauptstadt der römischen Provinz Dakien. Obwohl dort bereits seit dem 16. und 18. Jahrhundert Vermessungen durchgeführt wurden, haben Ausgrabungen erst im 19. Jahrhundert begonnen. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts fanden wissenschaftliche Forschungen statt. So wurden topographische Pläne ausgearbeitet und in den 1970er- und 1990er-Jahren publiziert. Die jüngsten topographischen Untersuchungen mit modernem Gerät wurden von den Autoren dieses Beitrages zwischen 2008 und 2010 durchgeführt, wo bei durch den Abgleich von topographischen Daten und Satellitenbildern interessante Relikte einer alten Landschaft und eines Katastersystems ans Tageslicht kamen. Diese sind nun die ersten Spuren einer römischen Centuriation in der Provinz Dakien.</p> Felix Marcu, George Cupcea Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90216 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 Gamla Uppsala – structural development of a centre in Middle Sweden https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90215 <p><strong>Gamla Uppsala – strukturelle Entwicklungen eines Zentrums in Mittelschweden</strong></p> <p>Dieser Artikel ist das Ergebnis von siedlungsarchäologischen Forschungen in Gamla (»Alt-«) Uppsala, die in den letzten 20 Jahren durchgeführt wurden. In den Randbereichen des historischen Dorfes wurden seit einigen Jahren mehrere Siedlungsstellen hauptsächlich aus der frühen Eisenzeit untersucht. Zahlreiche, allerdings räumlich sehr begrenzte Ausgrabungen fanden statt. Fasst man diese große Zahl kleinerer und größerer Grabungen der letzten Zeit zusammen, erhält man ein klares Bild von der Siedlungsentwicklung in Gamla Uppsala von der Bronzezeit bis in das frühe Mittelalter. Die Errichtung von monumentalen Strukturen, wie den Grabhügeln von Uppsala, den großen Hallengebäuden auf künstlich angelegten Terrassierungen und der Kathedrale des 12. Jahrhunderts, kann mit Veränderungen in der Siedlungsstruktur verknüpft werden. Weiter lassen sich immer mehr Hinweise auf Metallverarbeitung beobachten – und dies auf immer größeren Flächen. Gamla Uppsala wird immer stärker als Kultort erkennbar, aber auch als ein zentraler Bauernhof mit königlichen Verbindungen und als großes Dorf. Die Siedlung entwickelt sich nun rasch zu etwas, was man in der Wikingerzeit als Urbanität bezeichnen kann. Jedoch ist es bemerkenswert, dass sich die Fundstelle in völlig anderen geographischen Verhältnissen befindet als frühe Küsten städte wie Birka und Sigtuna. Mit Sicherheit kann man sagen, dass sich die Gesellschaft der späten Eisenzeit in Gamla Uppsala von der des Dorfes unterscheidet, dem wir in spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Karten begegnen.</p> John Ljungkvist, Daniel Löwenborg, Per Frölund, Hans Göthberg Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90215 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 Les tombelles de l’âge du Bronze en Flandre sablonneuse (nord-ouest de la Belgique): un status quaestionis https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90197 <p><strong>Grabhügel der Bronzezeit in den Sandgebieten Flanderns (Nordwest-Belgien): zum Stand der Forschungen</strong></p> <p>Seit nunmehr 30 Jahren sind die Sandgebiete Flanderns das Ziel von systematischen und intensiven Befliegungen im Rahmen der Luftbildarchäologie. Eines der wichtigsten Ergebnisse betrifft die Grabhügelforschung der Bronzezeit – mehrere Hunderte von Monumenten dieser Zeit kamen nämlich zutage. Daran anschließend wurden zahlreiche Grabhügel nekropolen durch Ausgrabungen weiter erforscht. In den letzten Jahren waren diese Daten systematisch und vollständig erfasst worden, wodurch insgesamt 1105 bronzezeitliche Grabmonumente identifiziert und genau lokalisiert werden konnten. Dieses detaillierte Inventar ist die Grundlage für eine umfassende Analyse des Phänomens bronzezeitlicher Grabhügel im nordwestlichen Belgien mittels GIS und Statistik. Durch diese auf dem GIS beruhenden Forschungen konnten neue Erkenntnisse zur Verbreitung und Lokalisierung der Grabhügel in der Landschaft sowie zu Wechselwirkungen zwischen diesen Denkmälern gewonnen werden.</p> Jeroen De Reu, Eline Deweirdt, Philippe Crombé, Machteld Bats, Jean Bourgeois, Marc Antrop, Philippe De Maeyer, Peter Finke, Jacques Verniers, Ann Zwertvaegher, Philippe De Smedt, Marc Van Meirvenne Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90197 Thu, 11 Aug 2022 00:00:00 +0200 Prähistorische Siedlungsdynamik und Landschaft in einer inneralpinen Siedlungskammer – archäologische, geoarchäologische, archäometallurgische und archäobotanische Untersuchungen im Montafon in Vorarlberg (Österreich) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90176 <p><strong>Prähistorische Siedlungsdynamik und Landschaft in einer inneralpinen Siedlungskammer – archäologische, geoarchäologische, archäometallurgische und archäobotanische Untersuchungen im Montafon in Vorarlberg (Österreich)</strong></p> <p>Seit dem Jahr 2000 werden am Bartholomäberg im Montafon interdisziplinäre Forschungen mit dem Ziel durchgeführt, die Besiedlungsgeschichte dieser inneralpinen Tallandschaft zu rekonstruieren. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach Beginn und Dynamik der Besiedlung sowie zur Motivation der prähistorischen Menschen, solche inneralpinen Lebensräume aufzusuchen. Vor dem Hintergrund der reichen Kupfer- und Eisenerzlagerstätten am Bartholomäberg wird untersucht, inwieweit diese mit dem Beginn der Besiedlung in Zusammenhang stehen und ausgebeutet wurden. Bisher wurden drei Siedlungsplätze am Bartholomäberg entdeckt, prospektiert und durch Ausgrabungen frei gelegt, deren topografische Lage und bronzezeitliche sowie eisenzeitliche Siedlungsphasen ein enges räumliches und zeitliches Verhältnis vermuten lassen.</p> Franziska Würfel, Astrid Röpke, Rüdiger Krause, Joachim Lutz Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90176 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Ein primipilus der 18. Legion aus Aquileia https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90175 <p><strong>Ein primipilus der 18. Legion aus Aquileia</strong></p> <p>Eine in Aquileia gefundene Grabinschrift aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr. nennt mit dem primipilus Sextus Cloatius den bislang fünften namentlich bekannten Angehörigen der 18. Legion. Durch die Angabe der tribus Maecia und aufgrund seines Gentilizes ist die Herkunft des Sextus Cloatius aus Süditalien erwiesen. Für die aus einer Sammlung des 18. Jahrhunderts stammende Inschrift ist der Fundort Aquileia aufgrund der bis ins 20. Jahrhundert rekonstruierbaren Geschichte der Sammlung Cassini gesichert.</p> Maurizio Buora, Christof Flügel Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90175 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Neue Daten für alte Grabungen – ein Beitrag zur spätglazialen Archäologie und Faunengeschichte Norddeutschlands https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90174 <p><strong>Neue Daten für alte Grabungen – ein Beitrag zur spätglazialen Archäologie und Faunengeschichte Norddeutschlands</strong></p> <p>Stratifizierte archäologische Fundstellen aus dem Spätglazial sind in der Nordeuropäischen Tiefebene äußerst selten. Daher stellt die naturwissenschaftliche Datierung siedlungshistorisch relevanter Funde eine gute Möglichkeit dar, chronologische Rahmenbedingungen für eine demographische und archäologische Auswertung des Fundmaterials, insbesondere von Altgrabungen, zu schaffen. Die im Laufe der letzten 50 Jahre stetig verbesserte Methodik der 14C-Messungen<br>erlaubt heute genauere Datierungen sowie eine gezielte Auswahl von Proben. Neue Datierungen von Großsäugerresten der wichtigen spätglazialen Fundstellen Borneck und Klein Nordende werden hier zum Anlass einer Diskussion der Besiedlungsgeschichte des norddeutschen Flachlands genommen.</p> Felix Riede, Mara-Julia Weber, Sonja B. Grimm, Julia M. Fahlke Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90174 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Die Rolle des Hundes in Siedlungen des Endmesolithikums und Neolithikums im norddeutschen Raum – Vorbericht https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90173 <p><strong>Die Rolle des Hundes in Siedlungen des Endmesolithikums und Neolithikums im norddeutschen Raum – Vorbericht</strong></p> <p>Schnittspuren an Knochen des Haushunds aus 16 steinzeitlichen Siedlungen Norddeutschlands weisen auf regional unterschiedliche wirtschaftliche Bedeutungen dieser Tiere hin. In den küstennahen Siedlungen entlang der Ost- und Nordsee kann aufgrund der Analyse von Schnittspuren belegt werden, dass Hunde häufig als Fleisch- und Fellnutztiere Verwendung fanden, wogegen die Knochen aus binnenländischen Siedlungen zeigen, dass Hunde dort weitaus seltener abgehäutet und zerlegt wurden. Der vergleichsweise hohe Anteil an Jagdwildknochen auf diesen Plätzen lässt hingegen den Schluss zu, dass Hunde dort vermutlich eher als Jagdbegleiter des Menschen gehalten wurden, wenngleich ein gelegentlicher Verzehr der Hunde auch dort nicht auszuschließen ist.</p> Jörg Ewersen, Britta Ramminger Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90173 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 New data on ornamented artefacts from the Mesolithic site Pobiel 10, Lower Silesia, Poland https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90172 <p><strong>Neue Untersuchungen zu den dekorierten Artefakten des mesolithischen Fundplatzes Pobiel 10, Niederschlesien, Polen</strong></p> <p>Die Ergebnisse einer Neuuntersuchung der drei dekorierten Artefakte aus Rothirschgeweih vom mesolithischen Fundplatz Pobiel 10 in Südwestpolen werden hier vorgestellt. Die Stücke fanden sich in der sog. Fundlage 1 als Teil von Altarmablagerungen der Orla, die generell in das jüngere Boreal datiert wird. Unsere Untersuchungen betrafen die technischen Abläufe, die zu den gravierten Darstellungen führten, unter Hinzuziehung von vergleichbaren Objekten des nordeuropäischen Mesolithikums. Dabei offenbarten die drei Gravierungen von Pobiel 10 zwar Ähnlichkeiten zu diesen Beispielen, aber auch spezielle, vielleicht regionale Besonderheiten. Ein neues Radiokarbonalter für das Geweihstück mit Tierdarstellung sowie die früheren Daten erlauben nun, die Objekte an das Ende des Boreals bzw. den Beginn des Atlantikums einzuordnen.</p> Marcin Diakowski, Tomasz Płonka Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90172 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Ein spätantikes Zepter aus dem Childerichgrab https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90170 <p><strong>Ein spätantikes Zepter aus dem Childerichgrab</strong></p> <p>Ein während der Ausgrabungen auf dem Palatin in Rom entdeckter Hortfund des 4. Jahrhunderts enthielt u.a. drei Zepter. Vergleichbare Objekte waren aus den Bildquellen bekannt, doch lieferten die Objekte aus dem Hortfund erstmals Hinweise auf das Material und die Befestigung der oberen kugeligen Abschlüsse der Stäbe. Aufgrund dieser Befunde ist es möglich, eine Bergkristallkugel aus dem Grab des fränkischen Königs Childerich († 482) als oberen Abschluss eines spätantiken Zepters zu interpretieren, das dieser dann – zusammen mit weiteren Auszeichnungen – von der spätrömischen Reichsadministration bekommen haben müsste. Auf die Bedeutung des salfränkischen Kleinkönigs wirft dieser Aspekt ein neues Licht. Auffälligerweise überliefert eine kurze Notiz auch aus den während der französischen Revolution geplünderten Königsgräbern Bergkristallkugeln. Eventuell wird hier das Weiterleben römischer Herrschaftszeichen greifbar.</p> Dieter Quast Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90170 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Der figürliche Fries der tönernen Urne aus Châtres (dép. Aube) – Zeugnis religiöser und astronomischer Vorstellungen der Kelten im 3. Jahrhundert v. Chr.? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90169 <p><strong>Der figürliche Fries der tönernen Urne aus Châtres (dép. Aube) – Zeugnis religiöser und astronomischer Vorstellungen der Kelten im 3. Jahrhundert v. Chr.?</strong></p> <p>Die Ausgrabungen in der Gemeinde von Châtres durch die Grabungsfirma Archéosphère im Frühjahr/Sommer 2009 lieferten eine bedeutende Neuentdeckung. Es handelt sich um eine zum Teil scheibengedrehte tönerne Urne mit figürlichem Fries aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Die einzige Beigabe ist eine eiserne Fibel, deren Typenzugehörigkeit erst nach vollständiger Restaurierung geklärt werden kann. Der vorliegende Artikel soll in erster Linie eine ausführliche Beschreibung des Objekts selbst als auch des darauf Dargestellten liefern. Die außergewöhnliche Komposition des Frieses aus Tieren, Fabelwesen und menschlicher Gestalt sowie deren Realisierung scheinen unter den bekannten keltischen Kunstwerken einzigartig zu sein; dennoch liefern einige Vergleiche eventuelle Hinweise zu Deutungsansätzen.</p> Katinka Zipper, Bénoit Dupéré Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90169 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Der Rest eines jüngerkaiserzeitlichen Fürstengrabs aus Wolfshagen an der Stepenitz (Gde. Groß Pankow, Lkr. Prignitz)? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90168 <p><strong>Der Rest eines jüngerkaiserzeitlichen Fürstengrabs aus Wolfshagen an der Stepenitz (Gde. Groß Pankow, Lkr. Prignitz)?</strong></p> <p>Im Sommer des Jahres 1836 wurde gut 3 km südlich von Wolfshagen beim »Vorwerk Dannhof« auf einem Acker ein gerade gebogener Goldring gefunden, der bislang als singulärer Armring galt. Er konnte anhand alter Publikationen als Spiralfingerring mit verbreitertem Mittelteil der Form 37 nach Ch. Beckmann identifiziert werden. Vergleichbare Goldfingerringe sind nur aus jüngerkaiserzeitlichen Prunkgräbern (Stufe C2) männlicher Individuen bekannt (Haßleben Grab 4, Gommern, Emersleben Grab 2). Unklar bleibt leider, ob der Wolfshagener Fingerring als Einzel-, Hort- oder Grabfund zu werten ist.</p> Dieter Quast Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90168 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Eine frühmittelalterliche Pferdebestattung und eine pannonische Gürtelschnalle aus Neuenkirchen bei Neubrandenburg (Lkr. Mecklenburg-Strelitz) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90167 <p><strong>Eine frühmittelalterliche Pferdebestattung und eine pannonische Gürtelschnalle aus Neuenkirchen bei Neubrandenburg (Lkr. Mecklenburg-Strelitz)</strong></p> <p>Bei einer Notgrabung in Neuenkirchen bei Neubrandenburg wurde bereits vor Jahren ein Pferdeskelett (14C-Datum 685-975 AD) freigelegt, in dessen unmittelbarer Nähe frühslawische Keramik des 8. Jahrhunderts und eine reliefverzierte Bronzeschnalle der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts aus dem Umkreis der sog. pannonischen Schnallen ans Licht kamen. Obwohl die Fundsituation unklar ist, könnte es sich um einen ursprünglich geschlossenen Grabfund handeln, nämlich um ein Reitergrab mit Pferdebestattung, das erst rezent gestört wurde. Totenbrauch und Kleidungszubehör weisen Bezüge zur awarenzeitlichen Kultur an der mittleren Donau auf.</p> Felix Biermann, Christoph Eger, Rainer Szczesiak Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90167 Tue, 09 Aug 2022 00:00:00 +0200 Schmuck aus dem Aurignacien von der Schwäbischen Alb im Vergleich mit Inventaren aus dem Lahntal und dem Rheinland https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90147 <p><strong>Schmuck aus dem Aurignacien von der Schwäbischen Alb im Vergleich mit Inventaren aus dem Lahntal und dem Rheinland</strong></p> <p>Aus sechs Höhlen der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg, Deutschland) sind Schmuckstücke des frühen anatomisch modernen Menschen (Aurignacien) bekannt. Diese sechs Höhlen befinden sich in zwei unterschiedlichen Flusstälern. Im Achtal zwischen Blaubeuren und Schelklingen liegen die Sirgenstein-Höhle, das Geißenklösterle und der Hohle Fels. Im Lonetal zwischen Niederstotzigen und Rammingen finden sich die Vogelherdhöhle, die Stadelhöhle im Hohlenstein und das Bockstein-Törle. Die genannten Höhlen im Lonetal wie im Achtal liegen jeweils nur knapp 2 km Luftlinie voneinander entfernt. Die Schmuckinventare dieser Höhlen sowie der Schmuck aus der Wildscheuer-Höhle bei Steeden in Hessen und aus Lommersum bei Euskirchen werden vorgestellt und in ihrem Kontext behandelt. Dabei werden die verschiedenen Perlentypen aus den Fundplätzen sowie deren Produktionsweise untersucht. Die vorliegenden Funde beleuchten den kulturellen Hintergrund der Menschen im Aurignacien und können Rückschlüsse auf Verbindungen innerhalb und zwischen den Regionen sowie auf die jeweilige Höhlennutzung aufzeigen.</p> Sibylle Wolf, Nicholas J. Conard, Claus-Joachim Kind Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90147 Thu, 04 Aug 2022 00:00:00 +0200 Palaeolithic/Mesolithic stratigraphic sequences at Údolí samoty and Janova zátoka rock shelters (Northern Bohemia) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90146 <p><strong>Paläolithische/Mesolithische stratigraphische Abfolgen in den Abris Údolí samoty und Janova zátoka (Nordböhmen)</strong></p> <p>Dieser Beitrag ergänzt die Reihe von Veröffentlichungen zu den mesolithischen Forschungen unter Sandsteinabris in Nordböhmen (Tschechische Republik). Während der letzten Grabungen von 2007 bis 2011 wurden an zwei Stellen unter mesolithischen Horizonten erstmals auch (spät)paläolithische Fundschichten erreicht, die hier kurz vorgestellt werden. Unter dem Abri Údolí samoty kam eine mächtige und komplexe Sedimentfolge zutage, während das Abri Janova zátoka nur eine geringmächtige Sedimentüberlieferung aufwies. Trotz des Übergangs vom Spätglazial zum Holozän, der hier für diese Region erstmals innerhalb einer kontinuierlichen Sedimentfolge überliefert wurde, sind für die spätpaläolithischen und mesolithischen Fundhorizonte keine signifikanten Veränderungen in Siedlungsweise und Landschaftsnutzung feststellbar. Die Jäger und Sammlerinnen waren jeweils gut an die abwechslungsreiche Umwelt der Sandsteinplateaus und Canyons angepasst und nutzten die sich leicht verändernde Flora und Fauna optimal aus.</p> Jiří Svoboda, Martin Novák, Sandra Sázelová, Šárka Hladilová, Vladimír Peša Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90146 Thu, 04 Aug 2022 00:00:00 +0200 Ein Kamm mit Runeninschrift aus Frienstedt (Stadt Erfurt) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90145 <p><strong>Ein Kamm mit Runeninschrift aus Frienstedt (Stadt Erfurt)</strong></p> <p>Auf einer kaiserzeitlichen Fundstelle bei Erfurt-Frienstedt, bestehend aus einer Siedlung mit nachgewiesener Bronzeverarbeitung, einer Grabgruppe und vermutlich einem Kultplatz, wurde bereits im Jahr 2000 ein Kamm aus Geweih geborgen, auf welchem nun eine Runeninschrift entdeckt wurde. Der Kamm war wahrscheinlich intentionell in einem Schacht deponiert worden. Die Inschrift Ka(m)ba (»Kamm«) ist zu der kleinen Gruppe der objektbezeichnenden Inschriften zu zählen. Die Endung -a lässt die Zugehörigkeit zum westgermanischen Sprachraum erkennen. Aus dem Fundzusammenhang werden Kamm und Inschrift in Phase C2 der jüngeren römischen Kaiserzeit datiert. Damit liegt hier – neben einer womöglich ebenfalls westgermanischen Inschrift aus dem dänischen Illerup – der älteste sichere Nachweis der westgermanischen Sprache vor. Diskutiert werden ferner die Funktion der objektbezeichnenden Inschriften, die Bedeutung von Kämmen über die reine Funktionalität hinaus und die Chronologie der dreieckigen Dreilagenkämme.</p> Christoph G. Schmidt, Robert Nedoma, Klaus Düwel Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90145 Thu, 04 Aug 2022 00:00:00 +0200 Prospektion von Bodendenkmälern mithilfe Digitaler Geländemodelle https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90065 <p>Die Anwendung des Digitalen Geländemodells (DGM) im Gelände hat zahlreiche neue Entdeckungen erbracht: Die Milseburg verfügt über ein wesentlich komplexeres und ausgedehnteres Wallsystem als bisher angenommen. Es umfasst den gesamten Berg. Eine Sichtfeldanalyse innerhalb der Befestigungsanlagen zeigt markante Lagebezüge zwischen den Toren auf. Bemerkenswert ist das Konzept des Hauptwalls und seiner drei Durchlässe, bei dem der Ab stand zwischen den Toren so gestaltet wurde, dass auf halber Strecke zwischen jeweils zwei Toren beide gerade noch vom Hauptwall aus einsehbar waren.</p> Christoph Salzmann, Ulrike Söder, Manuel Zeiler Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90065 Thu, 28 Jul 2022 00:00:00 +0200 Ein neuer Hausgrundriss der Trichterbecher-Westgruppe aus Visbek (Lkr. Vechta) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90064 <p>In Visbek-Uhlenkamp II wurde bei baubegleitenden Ausgrabungen der Firma denkmal3D eine neolithische Mikroregion – bestehend aus Siedlung und Grablegen – entdeckt, wie sie aus dem nordwestdeutschen Raum bisher nur aus Flögeln bekannt war. Zu ihren Bestandteilen gehören neben den beiden bekannten und schon ausgegrabenen Megalithgräbern »Pastors Kamp« und »Stippers Höhe« zwei Flachgräber und ein Hausgrundriss der Trichterbecherkultur. Bei den beiden Flachgräbern handelt es sich um Steinpflastergräber, wie sie für diesen Raum typisch sind. Der Hausgrundriss lässt sich typologisch den Wandgräbchenbauten vom Typ Flögeln der Trichterbecher-Westgruppe zuordnen. Anhand der Keramik können das Gebäude und die Flachgräber in die Phase Brindley 4 datiert werden. Zudem weist eine starke Ähnlichkeit zwischen einigen Gefäßen darauf hin, dass die Gräber und das Haus zeitgleich bzw. in der gleichen Siedlungsphase entstanden sind.</p> Moritz Mennenga, Hauke Jöns, Daniela Behrens, Andreas Hummel Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90064 Thu, 28 Jul 2022 00:00:00 +0200 Black-gloss (»Campanian«) pottery in the Late La Tène Central Europe – preliminary archaeological and archaeometric studies https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90042 <p><strong>Glanztonware (»Campana«) aus dem latènezeitlichen Mitteleuropa – vorläufige archäologische und archäometrische Untersuchungen</strong></p> <p>Der Artikel stellt die späteisenzeitlichen Funde einer besonderen Art mediterraner Feinkeramik (Glanztonkeramik) aus dem nordalpinen, hauptsächlich mitteleuropäischen Bereich vor. Die Stücke aus Bayern, Böhmen und dem mittleren Donauraum werden aus Sicht der archäologischen Keramikbearbeitung und anhand der chemischen Zusammensetzung einiger Proben analysiert. Diese Untersuchungen zeigen zwei Verbreitungswege in Mitteleuropa: einen westlichen mit Erzeugnissen aus Cales in Kampanien, der über Gallien Bayern erreicht, sowie einen südöstlichen aus Arrezzo, der die Ostalpen überquert und die Gebiete im mittleren Donauraum versorgt. Außerdem konnten einige Stücke aus unserem Fundkatalog ausgesondert werden, da es sich bei ihnen um falsche Zuweisungen oder »Verdoppelungen« aus Scherben eines einzigen Gefäßes handelt.</p> Jan Kysela, Marino Maggetti, Gerwulf Schneider Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90042 Fri, 22 Jul 2022 00:00:00 +0200 Vom Burgberg zur Donau: neue Untersuchungen zur Heuneburg (2008-2012) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90041 <p><strong>Vom Burgberg zur Donau: neue Untersuchungen zur Heuneburg (2008-2012)</strong></p> <p>Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat sich das Bild der späthallstattzeitlichen Heuneburg grundlegend verändert. Während sich die Forschungen des DFG-Schwerpunktprogramms »Frühkeltische Fürstensitze« auf den Bereich der Vorburg und die Außensiedlung konzentrierten, rückte seit 2008 der eigentliche Burgberg wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Gleichzeitig konnten auf der Ostterrasse und im Bereich des Donautals unmittelbar unterhalb der Heuneburg aufsehenerregende Entdeckungen gemacht werden, die vollkommen neue, unerwartete Fragen zu Aspekten wie Kulthandlungen, Bestattungswesen und Chronologie aufwerfen. Im Rahmen des vorliegenden Beitrages sollen die ersten Ergebnisse von fünf Jahren Feldforschungen zwischen Burgberg und Donau vorgestellt werden, von den Grabungschnitten auf dem Plateau bis hin zu den menschlichen Skelettfunden von der Ostterrasse und den frühlatènezeitlichen Fibeln aus der Donau.</p> Dirk Krausse, Manuel Fernández-Götz, Christoph Steffen, Joachim Wahl, Petra Otte-Scheschkewitz Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90041 Fri, 22 Jul 2022 00:00:00 +0200 Die erste Steinsalzgewinnung Europas und der Tauschhandel als wirtschaftlicher Dynamisierer der mittleren Jungsteinzeit in Katalonien https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90040 <p><strong>Die erste Steinsalzgewinnung Europas und der Tauschhandel als wirtschaftlicher Dynamisierer der mittleren Jungsteinzeit in Katalonien. Das Vall Salina von Cardona (Katalonien, Spanien)</strong></p> <p>Wir möchten in diesem Artikel Bilanz aus den Untersuchungen zur ältesten europäischen Minensalzgewinnung, die sich im Gebiet der Muntanya de Sal in Cardona, dem einzigen Steinsalzgebirgsstock Westeuropas, abgespielt hat, ziehen. Unsere Absicht ist es jedoch nicht, sich ausschließlich auf das Vall Salina zu konzentrieren, sondern die Rolle des Salzes innerhalb des Kreislaufs bestimmter Materialien und Güter für die mittlere Jungsteinzeit Kataloniens zu erörtern. Darum vergleichen wir gleichzeitig die Hypothese über die Herkunft der benutzten Gesteinsarten, die als Werkzeug zum Abbau und zur Bearbeitung des Salzes gebraucht wurden, mit den Informationen über die Zirkulation von Prestigegütern (Perlen aus grünem Variszit, Muschelarmbänder etc.) und anderen exogenen Materialien wie z. B. Silex aus dem Vaucluse oder alpinem Jadeit. In einer Zusammenschau der Informationen war es uns möglich, die sozioökonomische Rolle des Salzes innerhalb des interkommunitären Tauschhandels zu bewerten und bevorzugte Zirkulierungsachsen zu bestimmen.</p> Olivier Weller, Alfons Fíguls i Alonso Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90040 Fri, 22 Jul 2022 00:00:00 +0200 An Augustan settlement in Venlo (prov. Limburg): a military distribution centre in the Meuse area? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90039 <p><strong>Augusteische Besiedlung in Venlo (prov. Limburg): ein militärisches Verteilungszentrum im Maasgebiet?</strong></p> <p>Thema dieses Artikels sind die augusteischen Funde (Münzen, Keramik und Metallgegenstände) aus der Zeit ab 16/15 v.Chr. von Ausgrabungen in Venlo (prov. Limburg/NL). Die Fundstelle liegt im Maastal; der artiges Fundmaterial ist hier hinsichtlich Anzahl und Charakter in ländlichen Siedlungen unbekannt. Obwohl Siedlungsspuren fehlen, deuten diese Funde auf eine militärische Anwesenheit im heutigen Stadtzentrum hin. Ihre Existenz lässt den römischen Willen, die Nachschubkette für die Germanienfeldzüge abzusichern, erkennen. Die militärische Fundstelle von Venlo diente vermutlich als Verteilungszentrum, bei dem Waren aus dem Maastal für die Garnisonen entlang des Rheins umgeschlagen wurden.</p> Henk van der Velde, Frederique Reigersman-van Lidth de Jeude, Anouk Veldman, Fleur Kemmers, Ester van der Linden Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90039 Fri, 22 Jul 2022 00:00:00 +0200 Hilfe für einen Fußlahmen – zum Fund einer orthopädischen Fußschiene des frühen Mittelalters aus Markt Einersheim (Lkr. Kitzingen) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90036 <p><strong>Hilfe für einen Fußlahmen – zum Fund einer orthopädischen Fußschiene des frühen Mittelalters aus Markt Einersheim (Lkr. Kitzingen)</strong></p> <p>Im Grab eines Verstorbenen der jüngeren Merowingerzeit aus dem Gräberfeld von Markt Einersheim in Unterfranken fand sich u. a. ein bandförmiges Eisenobjekt im Fußbereich, dessen Konstruktion und Lage zu einer Interpretation als Fußschiene im Sinne einer orthopädischen Gehhilfe verleitete. Obgleich aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Skelettknochen keine direkten Aussagen bezüglich des infrage kommenden Leidens getroffen werden konnten, lässt die Funktionsweise der Schiene doch die Diskussion möglicher Krankheitsbilder zu. Da es sich bei der Schiene um eine massive Konstruktion handelte, ist durchaus von einem chronischen Gebrechen auszugehen, bei dem sich verschiedene Formen von Bewegungseinschränkung durch entzündliche und arthrotische Prozesse im Gelenk ebenso denken lassen, wie chronische Bandinstabilität(en) oder Nerven- bzw. Muskellähmungen unterschiedlicher ursächlicher Auslöser.</p> Beate Herbold, Anja Pütz, Heiko Trentzsch, Christian Oberpriller Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90036 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Radiocarbon dating of the »Anthropolithen« from the fissure fillings of Bad Köstritz (Thuringia) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90019 <p><strong>Radiokarbondatierungen der »Anthropolithen« aus den Spaltenfüllungen von Bad Köstritz (Thüringen)</strong></p> <p>Der Beitrag diskutiert die Entstehung und die Funde einer Karstspalte im Winter’schen Gipsbruch bei Bad Köstritz (Lkr. Greiz), die im frühen 19. Jahrhundert entdeckt wurde. Die aus der Spaltenfüllung geborgenen eiszeitlichen Tierknochen und menschlichen Überreste (»Anthropolithen«) spielten eine Rolle in der Debatte um den frühen Menschen. Neue Radiokarbondatierungen von diesen im Museum für Naturkunde in Berlin aufbewahrten Menschenresten (Sammlung von Schlotheim) stützen mit einem frühmittelalterlichen und einem neolithischen Alter (4. Jt. v. Chr.) die These, dass sich die Karstbildung im Holozän fortsetzte und so pleistozäne und holozäne Sedimente mit Knochen resten zur Ablagerung kamen. Abschließend wird die Bedeutung von Höhlen und Spalten für die prähistorische Deponierung/Bestattung von Menschenresten diskutiert.</p> Gottfried Böhme, Oliver Hampe, Thomas Terberger Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90019 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Scythian akinakes or medieval kidney-dagger? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90018 <p><strong>Skythischer akinakes oder mittelalterlicher Nierendolch? Archäometrische Untersuchungen an einem Fund bei Legnica (Südwestpolen)</strong></p> <p>Der Artikel beschäftigt sich mit einem eisernen Dolch, der vor 50 Jahren nahe der Stadt Legnica im südwestlichen Polen als Einzelfund zutage kam und zunächst als mittelalterlicher Nierendolch aus dem 13. Jahrhundert gedeutet wurde. Nach der Analyse stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei diesem Objekt um ein skythisches akinakes handelt. Somit gehört der Fund zu einer kleinen Gruppe von in Polen entdeckten Dolchen skythischer Herkunft, die bislang nur fünf Exemplare umfasst. Neben der typologischen Einordnung des Dolches wurden auch metallographische Untersuchungen und Härteprüfungen durchgeführt, die eine einfache Herstellungstechnik belegen.</p> Justyna Baron, Beata Miazga Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90018 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 At Home with Herigar: a Magnate’s Residence from the Vendel- to Viking Period at Korshamn, Birka (Uppland / S) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90017 <p><strong>Zu Hause bei Herigar: Ein Magnatensitz der Merowinger- und Wikingerzeit in Korshamn, Birka (Uppland / S )</strong></p> <p>Im September 2016 wurden in Korshamn, einem der Haupthäfen der Insel Björkö, gelegen außerhalb des Halbkreiswalles der wikingerzeitlichen Frühstadt Birka, geophysikalische Prospektionen durchgeführt. Die Untersuchungen eines solitären Hausplateaus auf Erik Steffanssons hemland belegen einen bedeutenden merowingerzeitlichen Hausgrundriss. Zusammen mit weiteren Anomalien im Bereich einer einseitigen Terrasse bei Kalvhagen könnte dieser zu einem größeren Hofmilieu gehören, das die wikingerzeitlichen Siedlungsaktivitäten auf der Insel vordatiert. Letztere werdenvon einer imposanten wikingerzeitlichen Halle überlagert, die an eine »fenced special area« wie z. B. in Lejre und Tissø anschließt und mit Kulthandlungen in Verbindung gebracht wird. Die Strukturen sowie deren chronologische Tiefe scheinen mit der hereditas des praefectus vici Herigar zu korrelieren, die in Rimberts Vita Anskarii Erwähnung findet. Sollte sich diese Verbindung bewahrheiten, so wäre Skandinaviens erster Kirchenbau in unmittelbarer Nähe zu suchen. Die Relevanz der Identifikation kann nicht überschätzt werden: für die Entstehung der wikingerzeitlichen Frühstadt selbst, deren königliche Verwaltung und die früheste christliche Missionierung Skandinaviens.</p> Sven Kalmring, Andreas Viberg, Johan Runer Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90017 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 A New Discovery of a Celtic Coin Hoard from Western Lesser Poland https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90016 <p><strong>Neuentdeckung eines keltischen Münzhorts aus dem westlichen Kleinpolen</strong></p> <p>Der hier vorgestellte Hort wurde von einem Hobbyarchäologen gefunden. Er kam höchstwahrscheinlich 2011 in Czechy (pow. Kraków, woj. małopolskie / PL) zutage. 2013 und 2014 wurden dort Oberflächensurveys durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen, dass es sich um eine vorher unbekannte Siedlung handelt, die mit der Przeworsk-Kultur der jüngeren vorrömischen Eisenzeit bis zur Völkerwanderungszeit in Verbindung gebracht wird. Die Silbermünzen aus der Deponierung können aufgrund ihrer Charakteristika der Münzprägung des keltischen Stammes der Eravisker zugeordnet wer-den. Eine andere Goldmünze, die in der nahen Umgebung&nbsp; des Horts gefunden wurde, gehört zu einer lokalen Emission von Stateren des krakauischen Typs, der mit der Münzprägung des keltischen Stammes der Boier verbunden wird. Eine relativ große Anzahl gut datierter Funde ermöglicht es, genaue Zeitfenster zu bestimmen, innerhalb derer der Fundort von Gruppen der Przeworsk-Kultur besetzt war. Der Hort von Czechy belegt, dass es in der Endphase der Latènezeit sehr starke Verbindungen zwischen dem westlichen Kleinpolen und dem Karpatenbecken gegeben hat.</p> Przemysław Dulęba, Piotr Wysocki Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90016 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Silexartefakte des Magdaléniens aus der Teufelsbrücke in Thüringen https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90014 <p><strong>Silexartefakte des Magdaléniens aus der Teufelsbrücke in Thüringen</strong></p> <p>Von der Teufelsbrücke, einer der fundreichsten Magdalénien-Stationen in Mitteldeutschland, werden Silexartefakte aus der Sammlung des Stadtmuseums Saalfeld vorgestellt. Sie zeigen für das Spätmagdalénien dieser Region typische Merkmale. Diskutiert wird, ob in der Teufelsbrücke nicht ein einziger 16 100-15 000 Jahre alter Spätmagdalénien-Fundhorizont vorlag, der durch viele Einzelbegehungen von Menschen in einer durch Felsen geprägten Steppen- / Tundralandschaft zustande kam.</p> Clemens Bock, Christoph Brückner, Anna Dehen, Clemens Pasda, Roland Roa Romero Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90014 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Characterising Terra Nigra Foot-Vessels of the Late Roman Period (4th-5th Century) from Germany, the Netherlands and Belgium https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90011 <p><strong>Charakterisierung von Terra Nigra-Fußschalen der spätrömischen Zeit (4.-5. Jh.) aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien</strong></p> <p>In der nördlichen Grenzregion des Römischen Reiches und der Germania magna ist an spätrömischen Fundorten (4. und 5. Jh.) häufig graue oder schwarze Drehscheibenkeramik zu finden. Charakteristisch für diese sind die Gefäßtypen Chenet 342 sowie Gellep 273/274. Trotz der Gemeinsamkeiten der Fußschalen dieser spätrömischen Terra Nigra-Gruppe ist wenig über deren Produktion, Verwendung und soziokulturelle Bedeutung bekannt. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Forschungsgeschichte führt die vorliegende Studie eine erste überregionale und umfassende Beschreibung dieser Keramikgruppe durch. Die Schwerpunkte liegen dabei vor allem in der Betrachtung von Ähnlichkeiten und Unterschieden der geochemischen und mineralogischen Eigenschaften der Funde aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Mithilfe der portablen RFA sowie petrographischer Dünnschliffanalysen konnte die Existenz mehrerer kleinerer Töpfereien sowie mindestens zwei verschiedener größerer Töpfereien in Westfalen und den Niederlanden wahrscheinlich gemacht werden. Auf Grundlage der überregionalen Studie werden neue Deutungsansätze zum Ursprung, der Funktion und dem symbolischen Wert der Fußschalen im Hinblick auf die zunehmende Hybridisierung der Gesellschaft zu beiden Seiten der niederrheinischen Grenze des Römischen Reiches vorgeschlagen.</p> Vince Van Thienen, Ole Stilborg, Clarissa Agricola, Stijn Heeren Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90011 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Outillage et quincaillerie antique de Bourbousson à Crest (dép. Drôme / F) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90010 <p><strong>Werkzeuge und Kleinfunde der Antike aus Bourbousson bei Crest (dép. Drôme / F)</strong></p> <p>Ausgrabungen an der Fundstelle Bourbousson in der Gemeinde Crest erbrachten eine lange, allerdings teilweise unterbrochene Kontinuität (Ha D3 bis Mittelalter) an einem Kreuzungspunkt verschiedener Straßen. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts wurde nahe der Straße ein Gebäude (Gehöft oder Herberge) erbaut. Ein zweites Gebäude wurde während des 4. und 5. Jahrhunderts für Handel und Gewerbe genutzt; allerdings befindet es sich am Grabungsrand. Jede chronologische Siedlungsphase ergab ganze Reihen von manchmal spektakulären Metallfunden. Ihre Aufarbeitung trägt zur Diskussion der Siedlungsfunktion bei (Handel, vor allem aber Landwirtschaft und Gewerbe).</p> Michel Feugère, Amaury Gilles Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90010 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Eine Reevaluation artifiziell deformierter Schädel des Frühen Mittelalters aus Bayern https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90009 <p><strong>Eine Reevaluation artifiziell deformierter Schädel des Frühen Mittelalters aus Bayern</strong></p> <p>Im Rahmen eines Projektes wurden 122 Individuen aus altbayerischen Gräberfeldern einer umfassenden Reevaluation unterzogen. Unter diesen befanden sich auch 26 Individuen, denen aufgrund visueller Begutachtung ein artifiziell deformierter Schädel und damit eine mögliche fremde Herkunft zugeschrieben wurde. Die Neuuntersuchung mit metrischen Analysen zeigte, dass lediglich zwölf der Individuen tatsächlich einen künstlich deformierten Schädel aufwiesen. Bei diesen handelt es sich mit einer Ausnahme ausschließlich um Frauen, die mindestens adult waren und keine weiteren Auffälligkeiten zeigten. Unter archäologischen Gesichtspunkten ergeben diese keine einheitlich definierbare Gruppe, da die Grabbeigaben auf unterschiedliche soziale Stellungen und diverse regionale Bezüge dieser Frauen hindeuten. Allein die neu durchgeführten 14C-Datierungen weisen alle Frauen mit deformiertem Schädel allesamt noch als mögliche Zeitzeugen Attilas aus, wogegen der einzige Mann, der einen deformierten Schädel besaß, deutlich früher gelebt zu haben scheint als die Frauen. Die vorgelegten Daten zeigen auch, dass sämtliche als künstlich deformiert klassifizierte Schädel Europas einer umfassenden Reevaluation, vor allem mit metrischen Analysen, bedürfen, will man dieses Phänomen auf überregionaler Ebene vergleichen.</p> Bernd Trautmann, Andreas Rott, Michaela Harbeck, Brigitte Haas-Gebhard, Andreas Boos, Melanie Groß, Joachim Burger Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/90009 Thu, 21 Jul 2022 00:00:00 +0200 Human Remains from Maszycka Cave (woj. małopolskie / PL): the Treatment of Human Bodies in the Magdalenian https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89984 <p><strong>Die Menschenreste aus der Maszycka-Höhle (woj. małopolskie / PL): zur Totenbehandlung im Magdalénien</strong></p> <p>Menschliche Skelettreste sind aus dem mitteleuropäischen Magdalénien eher selten erhalten. In Mittel- und Westeuropa liegen menschliche Gebeine zumeist stark fragmentiert vor und zeigen mitunter auch Manipulationsspuren. Die 1884 und in den 1960er Jahren untersuchte Maszycka-Höhle liegt ca. 20 km nördlich von Krakau und gehört zu den bedeutenden Magdalénien-Fundstellen Mitteleuropas. Besonders hervorzuheben sind 50 Menschenreste, die in der Höhle und auf ihrem Vorplatz in der späteiszeitlichen Fundschicht entdeckt wurden. Es liegen vor allem Schädelfragmente und nur wenige postkraniale Skelettelemente vor, an denen bei einer neuen Untersuchung z. T . Schnittspuren zweifelsfrei bestätigt werden konnten. AMS -Daten stellen die Fundschicht mit den Menschenresten in die Zeit um ca. 16 200 cal BC. Gemeinsamkeiten mit der Totenbehandlung dieser Zeit in Westeuropa sprechen ebenso wie typologische Argumente für eine Wiederbesiedlung Zentraleuropas nach dem letzten Kältemaximum von Westeuropa aus.</p> Jörg Orschiedt, Tim Schüler, Marta Połtowicz-Bobak, Dariusz Bobak, Stefan Karol Kozłowski, Thomas Terberger Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89984 Tue, 19 Jul 2022 00:00:00 +0200 Zwei Magnetometerprospektionen auf ukrainischen Fundstellen des Cucuteni-Tripolje-Komplexes an Dnjestr und Südlichem Bug https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89983 <p><strong>Zwei Magnetometerprospektionen auf ukrainischen Fundstellen des Cucuteni-Tripolje-Komplexes an Dnjestr und Südlichem Bug</strong></p> <p>Während verschiedener Geländearbeiten zur Bandkeramik in der Ukraine wurden auf zwei Fundstellen auch Strukturen und Funde des Cucuteni-Tripolje-Komplexes angetroffen. Bilshivci, am oberen Lauf des Dnjestr gelegen, war vorwiegend in den Stufen Tripolje B1-B2 und C2 besiedelt. In der Magnetometerprospektion geben sich einerseits drei Zonen intensiver Siedlungsaktivität zu erkennen; andererseits sind nur geringe Spuren verbrannter Häuser nachzuweisen. In Kamyane befindet sich am rechten Ufer des Südlichen Bug auf einem flachen Geländevorsprung eine in die Stufe Tripolje B1 datierte Siedlung. Das besiedelte Gelände wurde an seiner flachsten Stelle von zwei bogenförmig im Abstand von etwa 8 m parallel verlaufenden Abschnittsgräben begrenzt. Bemerkenswert ist ein befundfreier Streifen, der parallel zum inneren Graben auf dessen Innenseite verläuft. Hier darf eine Wallaufschüttung angenommen werden. Westlich des Dnjestr wurde für etwa 40 Tripolje-B1-Siedlungen ein fortifikatorischer Aspekt wahrscheinlich gemacht. Kamyane ist derzeit die östlichste befestigte Tripolje-B1-Siedlung und die einzige, die östlich des Dnjestr gelegen ist.</p> Thomas Saile, Martin Posselt, Maciej Dębiec, Dmytro Kiosak, Taras Tkachuk Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89983 Tue, 19 Jul 2022 00:00:00 +0200 Neanderthals or Early Modern Humans? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89982 <p><strong>Neandertaler oder frühe moderne Menschen? Ein neues 14C-Altersmodell und geoarchäologische Ergebnisse für die Schichtenabfolge des Szeletien in der Szeleta-Höhle (Kom. Borsod-Abaúj-Zemplén) in Ungarn</strong></p> <p>Die Szeleta-Höhle nahe Miskolc ist der namengebende Fundort für das Szeletien. Dieser Technokomplex erscheint zur Zeit der letzten Neandertaler in Mitteleuropa und wird oft als »Übergangsindustrie« bezeichnet, da die Artefaktinventare eine Kombination mittelpaläolithischer und jungpaläolithischer Elemente aufweisen. Aus diesem Grund ist ein verlässliches Altersmodell für das Szeletien entscheidend für das Verständnis der Zeit des Verschwindens der Neandertaler und des Aufkommens anatomisch moderner Menschen und ihre mögliche Gleichzeitigkeit in Mitteleuropa. Bisher erschwerten Ungenauigkeiten in der Datierungsmethodik und das Fehlen stratigraphischer Kontrolle bei der Probenentnahme eine genauere Altersbestimmung für das Szeletien in der Szeleta-Höhle. Aus diesem Grund blieb auch die Positionierung dieser wichtigen archäologischen Sequenz in Modellen, die den Übergang vom Neandertaler zum frühen modernen Menschen beschreiben, unklar. Wir erstellten deshalb ein neues Altersmodell für die Schichtenabfolge des Szeletien in Kombination mit geoarchäologischen Untersuchungen. Die neue Chronologie auf Basis von AMS 14C-Daten, gemessen an in situ gefundenen Höhlenbärenknochen und Holzkohlen, zeigt, dass das Szeletien nicht an den Übergang zum frühen Jungpaläolithikum zu stellen ist, sondern gleichzeitig zu diesem existierte. Das Szeletien datiert in den gleichen Zeitraum wie das frühe Aurignacien in der Region. Während das Aurignacien dem frühen anatomisch modernen Menschen zugeschrieben wird, verbinden wir die Blattspitzen des Szeletien, die als wichtige kulturelle Erzeugnisse am Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum gelten, mit den späten Neandertalern.</p> Thomas C. Hauck, Jürgen Richter, Wei Chu, Oliver Vogels, Philipp Schulte, Frank Lehmkuhl, Janet Rethemeyer, Stefan Heinze, Philippe Rentzel, Arpad Ringer Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89982 Tue, 19 Jul 2022 00:00:00 +0200 Ein Steinfragment mit doppelseitiger hallstatt- und latènezeitlicher Ritzzeichnung aus Brouch (Kt. Grevenmacher / L) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89981 <p><strong>Ein Steinfragment mit doppelseitiger hallstatt- und latènezeitlicher Ritzzeichnung aus Brouch (Kt. Grevenmacher / L)</strong></p> <p>Vorgestellt wird ein Lesefund aus Luxemburg – ein Geröllbruchstück aus schwarzem Kieselschiefer –, dem auf beiden Flachseiten lineare Figuren eingeritzt sind. Seite A trägt eine Figur aus Dreieck, Kreis und Zickzacklinien, die sich als schematisierte Menschengestalt im Stil der Kalenderberggruppe lesen lässt. Seite B ist mit einem asymmetrisch angeordneten, in sich symmetrisch gestalteten Keulen-, Dreiwirbel- und Wellenrankenmuster verziert, das dem Waldalgesheimstil zugeordnet wird. Eine Untersuchung der Gesteinsoberflächen am Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken erbrachte mittels Rasterelektronenmikroskopie für Seite A den Nachweis von Abrieb einer Goldlegierung mit der mittleren Zusammensetzung Au75Ag12Cu13, deren hoher Kupfergehalt für hallstatt- und latènezeitliches Gold ungewöhnlich ist.</p> André Grisse, Marcus Koch, Rudolf Echt Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89981 Tue, 19 Jul 2022 00:00:00 +0200 Ein hallstattzeitliches Schwert aus Möhrendorf (Lkr. Erlangen-Höchstadt)? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89980 <p>Ein hallstattzeitliches Schwert aus Möhrendorf (Lkr. Erlangen-Höchstadt)? Neue Erkenntnisse zu einem alten Fund</p> <p>Ein 1958 in Möhrendorf gefundenes eisernes Antennenschwert war trotz unterschiedlicher Beurteilungen letztendlich als hallstattzeitlich eingeordnet worden. Da es sowohl typologisch als auch herstellungstechnisch einige Besonderheiten aufweist, blieb die Einordnung nach Ha D problematisch. Eine im Rahmen einer Bachelorarbeit 2013 erfolgte Neuuntersuchung des Stücks erbrachte hauptsächlich durch die metallkundlichen Untersuchungen neue Ergebnisse: Das homogene Metallgefüge und vor allem die Zusammensetzung der nichtmetallischen Einschlüsse belegen eine Produktion im indirekten Verfahren, also dem Hochofen. Es handelt sich somit um modernen Stahl des späten 19. oder 20. Jahrhunderts, wodurch das Schwert von Möhrendorf eindeutig als nicht vorgeschichtlich angesprochen werden kann.</p> Sarah Wolff, Roland Schwab Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89980 Tue, 19 Jul 2022 00:00:00 +0200 Gletscherfunde am Langgrubenjoch (Gde. Mals und Gde. Schnals) in Südtirol https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89979 <p><strong>Gletscherfunde am Langgrubenjoch (Gde. Mals und Gde. Schnals) in Südtirol. Vorbericht</strong></p> <p>Am Langgrubenjoch (3017 m ü. NN), zwischen Matscher- und Schnalstal in den südlichen Ötztaler Alpen gelegen, wurden aus Firn- und Eisfeldern ausapernde Funde entdeckt. Es handelt sich überwiegend um Holzteile, meist Brettstücke mit Bearbeitungsspuren. Erste Radiokarbon- und Dendro-Daten belegen sowohl kupferzeitliche als auch mittel- bis spätbronzezeitliche und römerzeitliche Artefakte. Nach den Bearbeitungsspuren und Vergleichsstücken ist anzunehmen, dass es sich bei den Brettteilen, jeweils aus Lärche (Larix decidua) gearbeitet, um Reste von Dachschindeln einer spätbronzezeitlichen Hütte handelt. Das Langgrubenjoch selbst, obwohl kein leicht zu begehender Übergang, ermöglicht die kürzeste Route zwischen dem Oberen Vinschgau im Bereich von Mals und dem Schnalstal bzw. den Gebieten nördlich des Alpenhauptkammes. Die mit den Funden bisher erfassten Zeitperioden, ausgehendes 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. und Römerzeit, sind bekannt als Perioden vergleichsweise geringer Gletscherausdehnung bzw. als Warmphasen. In solchen Zeitabschnitten scheint das Langgrubenjoch leichter begehbar gewesen zu sein und wurde entsprechend stärker genutzt.</p> Hubert Steiner, Kurt Nicolussi, Thomas Pichler, Alessandro Bezzi, Rupert Gietl, Giuseppe Naponiello Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89979 Tue, 19 Jul 2022 00:00:00 +0200 Spätmesolithischer Bergkristallabbau auf 2800 m Höhe nahe der Fuorcla da Strem Sut (Kt. Uri / Graubünden / CH) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89924 <p><strong>Spätmesolithischer Bergkristallabbau auf 2800 m Höhe nahe der Fuorcla da Strem Sut (Kt. Uri / Graubünden / CH)</strong></p> <p>Im Schweizer Zentralalpengebiet wurden in den letzten Jahrzehnten wiederholt Fundplätze entdeckt, deren lithisches Material eine prähistorische Gewinnung von lokalem Bergkristall bezeugt. Primäre Abbaustellen dieses Kluftminerals waren im hochalpinen Raum für die Urgeschichte allerdings bislang unbekannt. Im Herbst 2013 entdeckte der Strahler H. Infanger im Bereich der Fuorcla da Strem Sut (2831 m ü. NN) eine Gesteinskluft mit sehr reichem und qualitätsvollem Bergkristallvorkommen. Die Fundstelle war noch bis vor Kurzem vom Gletscher überdeckt. Beim Freischmelzen und Ausräumen der Kluft legte der Strahler zwei Geweihartefakte und Holzfragmente aus dem frühen 6. Jahrtausend v. Chr. frei. In Kombination mit dem Auffindungsort lassen die Funde auf einen bereits in spätmesolithischer Zeit ausgebeuteten Abbauplatz für Bergkristall schließen. Die Objekte sind die derzeit ältesten im Eis konservierten Artefakte in den Alpen.</p> Thomas Reitmaier, Mathias Seifert, Christoph Walser, Christian Auf der Maur, Leandra Reitmaier-Naef Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89924 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Using Pollen Analysis to Detect Microscopical Traces of the Original Contents of an Etruscan Beaked Flagon from Ostrov u Stříbra (okr. Tachov / CZ) near Pilsen https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89922 <p><strong>Die Verwendung von Pollenanalytik zum Aufdecken von Mikrospuren des originalen Inhalts einer etruskischen Schnabelkanne aus Ostrov u Stříbra (okr. Tachov / CZ) bei Pilsen</strong></p> <p>2013 wurde bei Rettungsgrabungen in Ostrov u Stříbra ein Brandgrab mit einer etruskischen Schnabelkanne aus der Späthallstatt- / Frühlatènezeit entdeckt. Abgesehen von der kostbaren Kanne war das Grabinventar im Vergleich zu den außergewöhnlichen reichen archäologischen Fundkontexten sowohl aus der Tschechischen Republik als auch dem sonstigen nordalpinen Europa eher ärmlich ausgestattet. Die Kanne von Ostrov u Stříbra war umgefallen, zerbrochen und<br>mit Sediment verfüllt aufgefunden worden. Im Inneren wurden keine makroskopisch bestimmbaren Reste des Inhalts entdeckt, jedoch verwendeten wir Pollenanalysen, um mikroskopische Spuren des ehemaligen Inhalts zu bestimmen. Mehrere Sedimentproben im engsten Kontakt mit der bronzenen Oberfläche wurden genommen, weil dort Pollenkörner durch die toxischen Kupferoxide erhalten sein können. Dabei wurden 14 Proben von der äußeren und inneren Oberfläche der Kanne analysiert. Drei Proben vom oberen Teil der Kanne besaßen ein auffallend anderes Pollenspektrum mit einem extrem hohen Anteil an Tilia-Pollen. Andere Pollentypen, die ausschließlich in diesen Proben vorhanden waren, stammen von Hypericum und Mentha. Alle erwähnten Arten werden durch Insekten verbreitet und mit Honig in Verbindung gebracht. Tilia-Pollen stammen sehr häufig aus den noch erhaltenen Überresten von Getränken aus verschiedenen Gefäßen in anderen Gräbern. Diese Analogien zusammen mit dem Fehlen einer alternativen Interpretation führen zu dem Schluss, dass die Kanne aus dem Grab von Ostrov bei Pilsen mit einem honighaltigen Getränk gefüllt war.</p> Radka Kozáková, Martin Trefný, Kateřina Postránecká Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89922 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 New Results in the Topographic Research on the Early Iron Age Tumulus Cemetery at Érd-Százhalombatta (Kom. Pest / H) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89919 <p><strong>Neue Ergebnisse bei topographischen Untersuchungen am früheisenzeitlichen Hügelgräberfeld von Érd-Százhalombatta (Kom. Pest / H)</strong></p> <p>Am östlichen Rand der Osthallstattkultur gelegen, stellt das Hügelgräberfeld bei Érd-Százhalombatta einen der am frühesten identifizierten archäologischen Fundplätze in Ungarn dar. Ein erster Plan wurde 1847 gezeichnet; die Anzahl der Hügel, die zu dieser Zeit verzeichnet wurden (123), hat sich bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nicht wesentlich verändert. Luftbildarchäologie begann 2001, und ab 2012 erlaubten geomagnetische Prospektionen die Identifizierung von 103 Kreisgräben, die vermutlich die bisher unbeobachteten früheisenzeitlichen Bestattungen markieren. Die Prospektionen zeigen, dass die Ausmaße des Gräberfeldes mind. 70 ha betragen (statt ehemals angenommener 50 ha) und dass sich die Anlage in ihrer Binnengliederung von der einst vermuteten unterscheidet. Früher war man der Meinung, dass das Gräberfeld aus zwei großen Gruppen von Hügeln bestand; diese Ansicht muss nun dahin gehend revidiert werden, dass dicht aneinander Kreisgräben zwischen den bekannten Hügeln liegen. Diese Kreisgräben scheinen Grabanlagen unterschiedlicher Größe einzufassen – wobei die Möglichkeit auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie kleine Nekropolen umfasst haben.</p> Zoltán Czajlik, Balázs Holl, Gabriella T. Németh, Magdolna Vicze, Sándor Puszta Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89919 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Licht für die Toten – Feuerzeuge in den spätneolithischen Großsteingräbern von Erwitte-Schmerlecke (Kr. Soest) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89918 <p><strong>Licht für die Toten – Feuerzeuge in den spätneolithischen Großsteingräbern von Erwitte-Schmerlecke (Kr. Soest)</strong></p> <p>Hier wird erstmals eine größere Serie von neolithischen Feuerschlagsteinen aus einem gesicherten, geschlossenen Kontext vorgestellt. In den beiden vollständig untersuchten, spätneolithischen Galeriegräbern von Erwitte-Schmerlecke in der westfälischen Hellwegzone sind zwischen 2009 und 2013 insgesamt 206 Feuerschlagsteine geborgen worden. Sie bestehen vor allem aus zumeist nur wenig zugerichteten Baltischen Feuerstein-Fragmenten; daneben sind auch Geräte aus Westeuropäischem Feuerstein genutzt worden. Besonders zwei Beilklingenfragmente aus Lousberg-Feuerstein sind hierbei zu nennen. Ebenso müssen zwei Feuerschlagsteine mit anhaftenden kugeligen Resten der zugehörigen Schwefelkiesknolle Erwähnung finden. Aufgrund von archäologischen Vergleichsbefunden und der Zahl der in den Schmerlecker Gräbern beigesetzten Personen kann vermutet werden, dass nur männlichen Personen jeweils ein derartiges Perkussionsfeuerzeug – vielleicht als Teil der Alltagsausstattung / Tracht – mitgegeben wurde.</p> Michael Baales, Ingrid Koch, Kerstin Schierhold, Daniel Schyle Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89918 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Der Kaiser auf der Mantelschließe: Zum Deckel der frühmittelalterlichen Dose von Sorpe (prov. Lérida / E) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89915 <p><strong>Der Kaiser auf der Mantelschließe: Zum Deckel der frühmittelalterlichen Dose von Sorpe (prov. Lérida / E)</strong></p> <p>In Tinnye, westlich von Budapest, wurde vor wenigen Jahren ein Schnallenbeschlagfragment aufgelesen, das den byzantinischen Kaiser im Profil zeigt. Dieses Motiv ist im spätawarischen Gürtelschmuck (2. Hälfte 8. Jh.) gut bekannt und wurde in der letzten Zeit mehrmals behandelt. Lediglich bei dem aus einem beraubten Grab stammenden Gürtelbeschlag von Szeged-Kiskundorozsma dürfte es sich wegen der höchst aufwendigen Komposittechnik um ein byzantinisches Original handeln. Den Kaiser im Profil zeigt auch der Deckel eines vergoldeten Silberdöschens, das in Sorpe gefunden worden ist. Da der fein ausgearbeitete ovale Deckel einen massiven Haken aufweist und die Seitenstreifen eine reduzierte Palmettenzier, wie sie ledglich bei spätawarischen Riemenzungen und Mantelschließen auftritt, dürfte es sich bei dem Deckel von Sorpe um den Teil einer derartigen awarischen Mantelschließe handeln. Es ist zu vermuten, dass sie im Zuge der Awarenkriege Karls des Großen als Beute in das Frankenreich und von dort in die Spanische Mark gelangt ist.</p> Péter Prohászka, Falko Daim Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89915 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Besiedlungs- und Kulturlandschaftsentwicklung im Umfeld der Heuneburg während der Hallstatt- und Frühlatènezeit – erste Ergebnisse https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89914 <p><strong>Besiedlungs- und Kulturlandschaftsentwicklung im Umfeld der Heuneburg während der Hallstatt- und Frühlatènezeit – erste Ergebnisse</strong></p> <p>Im Rahmen eines von der DFG finanzierten Langfristprojektes soll in den nächsten zwölf Jahren das weitere und das nähere Umfeld des späthallstattzeitlichen »Fürstensitzes« Heuneburg erforscht werden. Einen Schwerpunkt bildet in den ersten Jahren die Untersuchung mehrerer in einem Umkreis von 20 km um die Heuneburg liegender Höhensiedlungen. In den Jahren 2014 und 2015 fanden Grabungen auf der Alte Burg bei Langenenslingen statt. Es stellte sich heraus, dass der gesamte Bergsporn künstlich überprägt wurde. Der Plateaurand wurde verbreitert, indem zahlreiche aus Steinen aufgeschichtete Stützriegel mit dazwischen eingebrachten lockeren Steineinfüllungen errichtet wurden. Auf dem Plateau kam es zu großflächigen Planierungen, um das Gelände einzuebnen. Die Nordostspitze wurde durch mächtige, wohl bis zu 10 m hohe Trockenmauern abgeriegelt. Es gibt einige Indizien dafür, dass die Alte Burg in der Eisenzeit Kultplatzfunktionen ausgeübt haben könnte. Eine andere Grabung diente der Klärung der Funktion und Datierung einer etwa 1 ha großen Viereckanlage nahe dem hallstattzeitlichen Großgrabhügel Hohmichele. Den Ergebnissen zufolge handelte es sich dabei nicht um einen Kultplatz, sondern um eine spätlatènezeitliche Viereckschanze, die im Bereich eines älteren hallstattzeitlichen Gräberfeldes angelegt wurde. Dafür sprechen neben dem Lt D1-zeitlichen Fundmaterial Befunde in Form eines Brunnens, eines Ofens und von Siedlungsgruben. In der Heuneburgregion gibt es insgesamt sieben derartige Viereckschanzen. Die Anlage vom Hohmichele fügt sich problemlos in diese spätlatènezeitliche Siedlungslandschaft ein.</p> Leif Hansen, Dirk Krausse, Roberto Tarpini, Joachim Wahl Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89914 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Die mittel- und jungpaläolithische Freilandfundstelle Börslingen-Eisenberg (Alb-Donau-Kreis) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89913 <p><strong>Die mittel- und jungpaläolithische Freilandfundstelle Börslingen-Eisenberg (Alb-Donau-Kreis)</strong></p> <p>Die Freilandfundstelle Börslingen-Eisenberg wurde 2009 entdeckt. Die Fundstelle verdankt ihre Existenz einem lokalen Vorkommen von teils qualitativ hochwertigen Jurahornsteinen. Dieses spezifische Rohmaterial ist mittlerweile auch in bekannten Höhlenfundstellen des Lonetals, z. B. dem Bockstein oder dem Vogelherd, nachgewiesen. Von der Oberfläche des Fundplatzes liegen zahlreiche Artefakte sowohl aus dem Mittel- als auch dem Jungpaläolithikum vor. Bei Grabungen durch die Universität Tübingen zwischen 2011 und 2014 konnten Grubenbefunde und eine Feuerstelle aufgedeckt werden.</p> Harald Floss, Simon Fröhle, Stefan Wettengl, Hans-Walter Poenicke Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89913 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Reparierte Waffen der vorrömischen Eisenzeit in der Przeworsk- und Oksywie-Kultur https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89912 <p><strong>Reparierte Waffen der vorrömischen Eisenzeit in der Przeworsk- und Oksywie-Kultur</strong></p> <p>Unter der Bewaffnung der Przeworsk- und Oksywie-Kultur der vorrömischen Eisenzeit befindet sich eine relativ kleine Gruppe der Waffen mit Spuren, die als Reparaturen bzw. Umarbeitungen interpretiert werden können. Am häufigsten wurden die Griffplatten und Griffangeln der ein- und zweischneidigen Schwerter repariert, manchmal sind die Schwerter mit einer sekundär geformten Spitze versehen. Die metallenen Scheiden zweischneidiger Schwerter haben reparierte Schwertschlaufen, selten sind die Vorder- und Rückseitenblätter der Scheiden repariert. Manche Schildbuckel besitzen sekundär eingesetzte Stangen, andere Exemplare haben reparierte Kalotten und unregelmäßig angeordnete Nietlöcher. Die Mehrheit der Reparaturen an den zweischneidigen Schwerter und den Metallscheiden hat einen dilettantischen Charakter, deshalb sind diese Waffen kaum in hoch spezialisierten Werkstätten repariert worden. Das erlaubt zu vermuten, dass die Waffenbesitzer nicht mit spezialisierten Werkstätten direkt in Kontakt gekommen sind und die zweischneidigen Schwerter und die metallenen Schwertscheiden direkt importiert wurden.</p> Tomasz Bochnak, Przemysław Harasim Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89912 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Lower and Middle Pleistocene Sediment Sequence with Archaeological Finds in Horky nad Jizerou (okr. Mladá Boleslav / CZ) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89910 <p><strong>Eine alt- und mittelpleistozäne Sedimentfolge mit archäologischen Funden aus Horky nad Jizerou (okr. Mladá Boleslav / CZ)</strong></p> <p>Dank der neuen Kartierung und Untersuchung der Mikromorphologie an der neuen Ziegelei von Horky nad Jizerou war es möglich, die dort in den 1950er und 1960er Jahren nachgewiesene Sedimentfolge an der alten Ziegelei neu zu beleuchten. Die Folge von Horky nad Jizerou dokumentiert die Lösssedimentation mindestens von MIS 15 bis zum Höhepunkt der letzten Eiszeit (MIS 2). Die Entwicklung der Lössfolge war mehrfach unterbrochen, wie erodierte Oberflächen zeigen. Seit den 1950er Jahren wurden mehrere archäologische Komplexe an fünf verschiedenen Orten aufgesammelt. Dabei stammen die ältesten Fundensembles von der Fundstelle Horky III aus einem Lössbereich, der mindestens in MIS 14 datiert werden kann. Funde aus diesen Schichten wie ein Subspheroid und ein Schaber zeigen Merkmale, die genauso wie das Vorhandensein von Pferdeknochen auf diese Zeitstufe verweisen. Eine begrenzte Sammlung von klein dimensionierten Steingeräten altpaläolithischen Charakters aus Horky II ist etwas jünger und entspricht entweder MIS 13 oder MIS 11. Das größte Fundensemble aus Horky I stammt aus einer Erosionsrinne unter dem Löss von MIS 10, bedeckt von einem ausgeprägten Bodenkomplex, der mit MIS 9 korrespondiert. Die Sedimentverfüllung dieser Erosionsrinne scheint dem Beginn der Vereisung von MIS 10 zu entsprechen. Das Ensemble ist insofern charakteristisch, als es sich bei den Hauptformen um Kerne mit Präparationen handelt, die Hinweise sowohl auf die Kenntnis der Levalloistechnik als auch auf das zweiseitige Retouchieren geben. Zwei Abschläge von Horky IV waren in Löss eingebettet, der MIS 8 entspricht. Die jüngste Fundstelle Horky V befindet sich in einem Boden, der stark durch Solifluktion beeinflusst ist und mit MIS 7c korrespondiert. Hier ist das Fundensemble sehr klein und chronologisch nicht aussagekräftig.</p> Petr Šída, Sandra Sázelová, Pavel Havlíček, Libuše Smolíková, Jaroslav Hlaváč Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89910 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Soziale Binnengliederung im linearbandkeramischen Gräberfeld von Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89907 <p><strong>Soziale Binnengliederung im linearbandkeramischen Gräberfeld von Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis)</strong></p> <p>Die vorliegende Studie stellt den Versuch dar, anhand der hypervariablen Stirnhöhlenform mögliche Verwandtschaftsstrukturen und damit auch eventuelle Hinweise auf soziale Strukturen aus dem linearbandkeramischen Gräberfeld von Schwetzingen zu rekonstruieren. CT-Scans von 58 subadulten und adulten Individuen bilden die Basis der Untersuchung. Zur Beschreibung und Analyse wurde ein binäres Scoring-Schema entwickelt, in dem die verschiedenen Attribute der Stirnhöhlenmorphologie berücksichtigt werden. Vier verwandtschaftliche Gruppen konnten rekonstruiert werden, die im Vergleich mit den archäologischen Hinterlassenschaften ein durch Abstammungslinien oder Klanstrukturen geprägtes Sozialsystem wahrscheinlich machen. Innerhalb der unterschiedlichen sozialen Schichten existierten demnach nicht zwangsläufig direkte verwandtschaftliche Beziehungen, sondern die Ergebnisse deuten vielmehr auf eine hierarchische und erbliche Struktur innerhalb der einzelnen Familienverbände hin.</p> Michael Francken, Katerina Harvati, Joachim Wahl Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89907 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Revealing Extensive Protohistoric Field Systems through High Resolution LIDAR Data in the Northern Part of Belgium https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89893 <p><strong>Zu durch hoch aufgelöste LiDAR-Scans neu entdeckten, großflächigen prähistorischen Feldsystemen im nördlichen Belgien</strong></p> <p>Viele neue vorgeschichtliche Fundstellen, vor allem auch Celtic Fields, wurden aus der Luft in den Kempen entdeckt. Die Auswertung von LiDAR-Prospektionen mit einer mittleren Auflösung von 8 Messpunkten / m2 hat eine große Zahl bisher unbekannter Celtic Fields zutage gefördert, wobei sich nun Feldsysteme über mehrere Hundert Hektar erstrecken. Das Auftreten anderer archäologischer Funde und Fundstellen innerhalb oder am Rand der Begrenzungen lässt vermuten, dass die Feldsysteme im Kempenland hauptsächlich in der Hallstatt- (Ha C-D) und Frühlatènezeit verwendet wurden. Aus überregionaler Perspektive betrachtet scheint es, als wäre die Verbreitung von Celtic Fields in Flandern an Gebiete mit etwas fruchtbareren (lehmigen) Sandböden gekoppelt, wie sie vor allem im nördlichen Bereich der Kempen und in den Antwerpener Kempen auftreten. Diese neu entdeckte und weitreichend strukturierte Landschaft gibt einen wichtigen Rahmen für weitere landschaftsarchäologische Forschungen und Denkmalpflegemaßnahmen vor.</p> Erwin Meylemans, Guido Creemers, Marc de Bie, Joyce Paesen Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89893 Thu, 14 Jul 2022 00:00:00 +0200 Spatial Variations in the Preservation of Late Neolithic and Bronze Age Barrows in the Low Countries https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89892 <p><strong>Räumliche Unterschiede in der Erhaltung spätneolithischer und bronzezeitlicher Grabhügel in den Benelux-Ländern: Erklärungsmodelle anhand unterschiedlicher Bodenbildung, Abbauprozesse und historischer Landnutzung</strong></p> <p>Anhand eines mehrstufigen interdisziplinären Ansatzes werden in dieser Studie Prozesse zur Überlieferung von Grabhügeln im Gelände rekonstruiert. Die südlichen Niederlande und das nördliche bzw. zentrale Belgien sind hierbei das Pilotgebiet. Wir kommen zu drei regionalen »Skizzen«, die die wichtigsten Prozesse widerspiegeln, die dann weiter als Auftakt für eine Modellierung dienen können. Grabhügel in den Flugsandgebieten der niederländischen und belgischen Kempen (Skizze 1) sind hauptsächlich von Podsolierung, Bioturbation, Erosion und Landgewinnung betroffen. Erosion stellt den wichtigsten Prozess der Bodenbildung in dem zentralbelgischen Lößgürtel dar (Skizze 2); und schließlich hat die Sandzone im belgischen Flandern (Skizze 3) seit dem Mittelalter eine sehr intensive Bodenbearbeitung erfahren.</p> Ruben Vergauwe, Jean Bourgeois, Roy van Beek, Peter Finke Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89892 Tue, 12 Jul 2022 00:00:00 +0200 Ein bronzener Stabdreifuß aus Las Cogotas (Cardeñosa, prov. Ávila) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89891 <p><strong>Ein bronzener Stabdreifuß aus Las Cogotas (Cardeñosa, prov. Ávila). Übernahme technischer und formaler Vorbilder aus dem Mittelmeergebiet in die archaische Bronzekunst der Iberischen Halbinsel</strong></p> <p>Vor fast 100 Jahren wurde im vorgeschichtlichen Castro de Las Cogotas (prov. Ávila), im Zentrum der Iberischen Halbinsel, ein Fragment eines bronzenen Dreifußes entdeckt. Es handelt sich dabei um ein isoliertes Stück im westlichen Mittelmeergebiet, das hier zum ersten Mal ausführlich untersucht wird. Daneben werden morphologische und technische Details präsentiert, die die Besonderheiten sowie Vorbilder des Objekts darstellen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung und die Analogie zu anderen Bronzen ähnlicher Zeitstellung weisen auf die Existenz von Bronzewerkstätten auf der Iberischen Halbinsel hin, die während der archaischen Periode enge Verbindungen zu griechischen sowie etruskischen Werkstätten hatten. Dies scheint eine Kontinuität mit der einheimischen Toreutik der orientalisierenden Zeit zu belegen.</p> Raimon Graells i Fabregat, Giacomo Bardelli, Magdalena Barril Vicente Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89891 Tue, 12 Jul 2022 00:00:00 +0200 Les productions céramiques du site princier de Bourges (dép. Cher) entre la fin du 6e et le début du 4e siècle av. J.-C. https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89890 <p><strong>Die Keramikerzeugung im Fürstensitz von Bourges (dép. Cher) zwischen dem Ende des 6. und dem Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. Identifizierung der Herstellung auf der langsamen Töpferscheibe, petrographische Bestimmung und Interpretation der Herstellungsarten</strong></p> <p>Untersuchungen zur Keramik des Fürstensitzes von Bourges zwischen der späten Hallstattzeit und dem Beginn der Latènezeit beruhen auf typologischen und technischen Herangehensweisen, weiter auch auf der mineralogischen Bestimmung der Tonwaren. Diese Arbeit definiert den Anteil an lokaler Produktion und belegt die Verbreitung und Adaption einer neuen Technik: die Herstellung auf der Drehscheibe. Zudem sind mittels petrographischer Analyse für manche Epochen die Herkunftsorte des Tones bestimmbar. Diese Beobachtungen der Keramikanalyse und Archäometrie werden in den Kontext einer überregionalen Forschung gesetzt.</p> Laurence Augier, Sébastien Pauly Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89890 Tue, 12 Jul 2022 00:00:00 +0200 The metallurgists from Nižná Myšľa (okr. Košice-okolie/SK) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89887 <p><strong>Die Metallurgen von Nižná Myšľa (okr. Košice-okolie/SK). Ein Beitrag zur Diskussion der Metallurgie in den befestigten Siedlungen der Otomani-Füzesabony-Kultur</strong></p> <p>Nižná Myšľa ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Fundstellen der europäischen Bronzezeit. Die Ausgrabungen, die seit den 1970er Jahren vor Ort stattfinden, erbrachten Hunderte von Gräbern im Zusammenhang mit einer der befestigten Siedlungen der Otomani-Füzesabony-Kultur. Die in diesem Artikel präsentierte Diskussion beruht auf den jüngsten 14C-Datierungen der bekannten Metallurgengräber von Nižná Myšľa. Die Bestimmung des absoluten Alters dient als Grundlage für ein interpretatives Modell, das die Bedeutung der Bronzemetallurgie in den befestigten Siedlungen bewertet und gleichzeitig Voraussetzung für die Hypothese einer Spezialisierung im Handwerk innerhalb der Gemeinschaft der Otomani-Füzesabony-Kultur ist.</p> Mateusz Jaeger, Ladislav Olexa Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89887 Tue, 12 Jul 2022 00:00:00 +0200 La Tène glass armrings in Europe https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89886 <p><strong>Latène-Glasarmringe in Europa. Überregionale Verbindungen und lokale Identitäten</strong></p> <p>Dieser Artikel diskutiert die Herstellung, den Austausch und die gesellschaftliche Funktion von späteisenzeitlichen Glasarmringen in West- und Mitteleuropa. Jüngere Regionalstudien haben überzeugende Belege für eine dezentrale Produktion von Glasarmringen in den Oppida und in offenen Siedlungen erbracht. Trotzdem lassen erste chemische Untersuchungen vermuten, dass das gesamte Rohglas aus dem Mittelmeerraum importiert wurde. Hier werden die Ergebnisse eines umfangreichen chemischen Analyseprojektes vom Niederrhein vorgestellt und diskutiert. Zusammen mit bereits publizierten Glasanalysen aus anderen&nbsp; Regionen der Latènekultur kann gefolgert werden, dass die Glasarmringe aus Sodaglas, das aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammt, hergestellt wurden. Deshalb schlagen wir ein Modell von importiertem aufbereiteten Rohglas vor, aus dem in lokalen Werkstätten die Endprodukte gefertigt wurden. Weiter können zwei interessante kulturelle Schlüsse aus diesen neuen Ergebnissen gezogen werden. Zum einen ist zu vermuten, dass der umfangreiche Rohglasimport aus dem Mittelmeergebiet und der Zustrom von italischem Wein und den damit zusammenhängenden Bronzegefäßen über getrennte und unterschiedlich organisierte Austauschsysteme liefen. Zum anderen ist es überraschend, dass der exotische Ursprung des Rohglases nicht verhinderte, dass Glasschmuck ein sehr gewöhnliches Hilfsmittel beim Entstehen von einer Reihe lokaler Identitäten von Personen und Gruppen wurde, bei der der Schwerpunkt eher auf Gemeinsamkeit als auf elitärer Abgrenzung liegt.</p> Nico Roymans, Hans Huisman, Joas van der Laan, Bertil van Os Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89886 Tue, 12 Jul 2022 00:00:00 +0200 What have metal-detectorists ever done for us? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89852 <p><strong>Was haben die Sondengänger denn für uns getan? Entdeckungen von Gold der Bronzezeit in England und Wales</strong></p> <p>Dieser Artikel diskutiert den Einfluss der Sondengängerei und seiner rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Meldung von bronzezeitlichen Goldfunden in England und Wales zwischen 1740 und 2010. In dem nur 13 Jahre umfassenden Zeitabschnitt nach der Erlassung des Treasure Act (1996) ließ sich ein wesentlicher Anstieg an Fundmeldungen von Goldobjekten in England und Wales beobachten: Ein Drittel aller bekannten Gold führenden Fundstellen und Funde der Bronzezeit wurden in dieser kurzen Zeit entdeckt. Fast alle dieser Artefakte wurden von Mitgliedern der Öffentlichkeit geborgen: hauptsächlich von Sondengängern. Archäologische Fachleute haben weniger als 5 % der Gold führenden Fundstellen und Funde der Bronzezeit entdeckt – trotz des schnellen Anstiegs der Verursachergrabungen in England und Wales in demselben Zeitabschnitt. Wir glauben, dass die gesetzlichen Auflagen für die Sondengänger durch den Treasure Act (1996) eine pragmatische Lösung für die unterschiedlichen Ziele von Sondengängern und Archäologen sind, da u. a. auch wertvolle archäologische Funde und Informationen generiert werden, die ansonsten verloren wären. Eine weitere Konsequenz ist, dass nun ein viel höherer Anteil an Fundstellen durch Archäologen untersucht wird als in den Jahren vor der Anwendung des Treasure Act (1996). Die weitreichenden Ergebnisse für die Forschung werden erst langsam ausgeschöpft.</p> Alessia Murgia, Benjamin W. Roberts, Rob Wiseman Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89852 Fri, 08 Jul 2022 00:00:00 +0200 The ringfort by the sea: archaeological geophysical prospection and excavations at Sandby borg (Öland) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89851 <p><strong>Der Ringwall am Meer: archäologisch-geophysikalische Prospektionen und Ausgrabungen in Sandby borg (Öland)</strong></p> <p>Archäologische Untersuchungen und gute Luftbilder haben die Grundmauern von Häusern in mehreren Ringwällen auf der Insel Öland, östlich des schwedischen Festlandes gelegen, identifiziert. Eine der Fundstellen, Sandby borg, wurde für weitere Forschungen mittels Bodenradar und Geomagnetik ausgewählt. Anschließend wurde eine Ausgrabung durchgeführt, um die geophysikalischen Ergebnisse zu überprüfen. Die Messungen der Geophysik zeigen deutlich 36 oder 37 steinerne Fundamente von Häusern, die sich radial an die Mauer der Befestigung anlehnen, sowie 16 oder 17 ähnliche Steinfundamente in einem zentralen Bebauungsareal. Die geophysikalischen Untersuchungen geben auch Informationen über andere im Boden verborgene Strukturen innerhalb der Befestigung und bestätigen die Lokalisierung eines dritten Tores im nordwestlichen Bereich der Anlage. Soweit es sich belegen lässt, wurde der Ringwall für militärische Zwecke oder als Fluchtburg in unruhigen Zeiten während einer begrenzten Zeitspanne im späten 5. Jahrhundert genutzt.</p> Andreas Viberg, Kerstin Lidén, Helena Victor, Svante Fischer, Anders Andrén Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89851 Fri, 08 Jul 2022 00:00:00 +0200 Ein ungewöhnlicher salierzeitlicher Bernsteinfingerring aus Bissendorf (Lkr. Osnabrück) – Einblicke in die Fernhandelskontakte des Hochmittelalters https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89850 <p><strong>Ein ungewöhnlicher salierzeitlicher Bernsteinfingerring aus Bissendorf (Lkr. Osnabrück) – Einblicke in die Fernhandelskontakte des Hochmittelalters</strong></p> <p>Der Bernsteinfingerring aus einem steinfundamentierten Gebäude des 11. Jahrhunderts im niedersächsischen Bissendorf ist ein Unikat im mittelalterlichen Fundmaterial Nordwesteuropas. Das Material konnte mittels Fourier-Transform-Infrarot-Spektroskopie als baltischer Bernstein bestimmt werden. Bernsteinfingerringe treten vom späten 10. bis in das 12. Jahrhundert, eventuell noch bis in das 13. Jahrhundert, auf und datieren damit in den Höhepunkt der Bernsteinverarbeitung im Ostseeraum im 11. und 12. Jahrhundert. Die Verbreitung dieser originär slawischen Schmuckobjekte beschränkt sich auf Nordosteuropa, mit Ausnahme von Bissendorf, das den mit Abstand westlichsten Fundpunkt darstellt. Sie sind ausschließlich aus Siedlungskontexten bekannt; ihre Herstellung im Rahmen eines spezialisierten Handwerks ist in den polnischen Bernsteinwerkstätten von Opole-Ostrówek und Gdańsk nachgewiesen. Die Form der Bernsteinfingerringe orientiert sich an den spätrömisch-frühmittelalterlichen Siegelringen, die mit der beginnenden Christianisierung im Slawengebiet adaptiert werden. Anders als ihre christlichen Vorbilder tragen die Exemplare aus Bernstein jedoch keinerlei Inschriften oder Kreuzsymbole, sondern nur gelegentlich ornamentale Verzierung mit apotropäischem Charakter. Die exklusiven Funde aus dem spätottonisch-salierzeitlichen Haus in Bissendorf, zu denen u. a. auch mehrere Goldobjekte gehören, zeugen sowohl von dem Repräsentationswillen als auch von den weit verzweigten Handelsbeziehungen der adeligen Oberschicht von Bissendorf.</p> Gisela Woltermann, Daniel Lau Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89850 Fri, 08 Jul 2022 00:00:00 +0200 Ergebnisse einer Suche nach Aurignacien- und Magdalénien-Fundstellen in Nordrhein-Westfalen https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89845 <p><strong>Ergebnisse einer Suche nach Aurignacien- und Magdalénien-Fundstellen in Nordrhein-Westfalen</strong></p> <p>Untersuchungen im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 806 »Our Way to Europe: Culture-Environment Interaction and Human Mobility in the Late Quaternary« der Deutschen Forschungsgemeinschaft führten zu der Entdeckung neuer Fundstellen des Aurignaciens und Magdaléniens in Nordrhein-Westfalen. Die Arbeiten erfolgten in enger Kooperation mit der rheinischen und westfälischen Bodendenkmalpflege sowie zahlreichen Heimatforschern. Nach einer Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstands in der Region erfolgen eine ausführliche Beschreibung der neuen Fundstellen und Funde sowie deren Einordnung in den Kontext der aurignacien- und magdalénienzeitlichen Besiedlung des Arbeitsgebietes. Hier zeigt sich, dass die systematische Sichtung privater archäologischer Sammlungen innerhalb von drei Jahren die Zahl bekannter jungpaläolithischer Fundplätze in Nordrhein-Westfalen annähernd verdoppelt hat. Im Hinblick auf die hier näher betrachteten Perioden scheint das Potenzial für Neuentdeckungen im Aurignacien vergleichsweise groß, während sich das Bild im Magdalénien kaum ändert.</p> Jörg Holzkämper, Andreas Maier, Ingrid Koch Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89845 Thu, 07 Jul 2022 00:00:00 +0200 Apparition et adoption des matériaux de couverture romains chez les Eduens et chez les Lingons https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89843 <p><strong>Aufkommen und Übernahme römischer Dachmaterialien bei den Haeduern und den Lingonen</strong></p> <p>Römische Konstruktionstechniken und Baustoffe können als Anzeichen für Romanisierung gewertet werden. Sie legen Zeugnis von den veränderten Verhaltensweisen ab, wie die Haeduer und die Lingonen mit den natürlichen Ressourcen umgingen, um diese Materialien zu produzieren. Es können deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden gallischen Stämmen hinsichtlich des Einsatzes von Ziegel- und Steindächern beobachtet werden. Die Haeduer verwenden meistens Ziegel für ihre Dächer, selbst wenn die lokal verfügbaren natürlichen Ressourcen eine Produktion dieses Baustoffes nicht erlauben. Im Gegensatz dazu kommen bei den Lingonen Ziegel nur dann zum Einsatz, wenn die entsprechenden Ressourcen vorhanden sind; sie bevorzugen in den Kalkregionen Steindächer. Außerdem scheint die mehr oder weniger frühzeitige Übernahme von römischen Dachmaterialien mit den Beziehungen dieser beiden gallischen Stämme zusammenzuhängen, die diese mit Rom pflegen.</p> Florent Delencre, Jean-Pierre Garcia Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89843 Thu, 07 Jul 2022 00:00:00 +0200 Une fortification inédite de la résidence princière de Vix (dép. Côte-d’Or) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89841 <p><strong>Eine bisher unbekannte Befestigung am Fürstensitz von Vix (dép. Côte-d’Or)</strong></p> <p>Im Rahmen von paläoökologischen Untersuchungen am Fürstensitz von Vix wurde ein Schnitt am Fuße des Osthanges des Mont Lassois angelegt. Er erbrachte eine bisher unbekannte Befestigung des hallstattzeitlichen Verteidigungssystems. Geophysikalische Prospektionen haben gezeigt, dass sein Verlauf einen Teil des Ostabhanges begrenzt. Ebenso bedeutend ist der Nachweis einer bisher unbekannten Besiedlung in diesem Bereich der Anhöhe. Einige Indizien deuten auf einen Handwerkerbereich der Stufe Hallstatt D2/D3. Alles in allem verändern diese neuen Erkenntnisse grundlegend unser Verständnis von der Raumordnung des Fürstensitzes von Vix.</p> Frédéric Cruz, David Bardel, Christian Camerlynck, Gwénaël Hervé, Christophe Petit Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89841 Thu, 07 Jul 2022 00:00:00 +0200 Un oursin fossile sur le site celtique de Goincet en Forez (Poncins, dép. Loire) et la perspective de l’ovum anguinum https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89840 <p>Ein fossiler Seeigel von der keltischen Fundstelle Goincet im Forez (Poncins, dép. Loire) und ein Ausblick auf das ovum anguinum</p> <p>Dieser Artikel behandelt die neue Entdeckung eines versteinerten Seeigels in einem archäologischen Fundkontext. Das Exemplar weist die notwendigen Charakteristika auf, um seine Art und seine vermutete Herkunft genauer bestimmen zu können. Der fossile Seeigel wurde wahrscheinlich aus einer Entfernung von mehreren Hundert Kilometern herbeigebracht. Es wird auch sein archäologischer Kontext untersucht, der sich im Bereich einer Straße in einer protourbanen Besiedlung befindet. Die archäologische Schicht mit dem Seeigel wird an das Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Weiterhin wurde eine forschungsgeschichtliche Bilanz der Funde von versteinerten Seeigeln in ihrem vorkeltischen, keltischen und gallo-römischen Kontext in Westeuropa gezogen. Dies führt zu einem kosmologischen Verständnis dieser Art von Fossilien im keltischen Glauben nach den Berichten von Plinius dem Älteren. Dieser Überblick zeigt die Bedeutung des versteinerten Seeigels von Goincet, der nicht weit von Lugdunum, der Hauptstadt Galliens und Geburtsort des Kaisers Claudius, gefunden worden war. Die Kaiser Augustus, Tiberius und Claudius kämpften immer stärker gegen die religiöse Lehre der Druiden. Versteinerte Seeigel wurden aber weiterhin rituell verwendet.</p> Vincent Georges, Michel Philippe, Daniel Barthélemy Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89840 Thu, 07 Jul 2022 00:00:00 +0200 Eine neu gefundene Goldscheibe vom Typ Weiskirchen aus dem Gräberfeld Worms-Herrnsheim https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89836 <p><strong>Eine neu gefundene Goldscheibe vom Typ Weiskirchen aus dem Gräberfeld Worms-Herrnsheim</strong></p> <p>Im bronze- und eisenzeitlichen Gräberfeld von Worms-Herrnsheim wurde im Jahr 2012 ein unberaubtes reiches Grab der Frühlatènezeit entdeckt. Es enthielt neben Goldschmuck, etruskischer Schnabelkanne, Schwert und Schild auch eine kunstvoll gestaltete Goldscheibe vom Typ Weiskirchen, die hier vorgestellt wird. Mit deutlichen Parallelen zur bekannten Goldscheibe aus dem Kleinaspergle datiert sie das Grab in das letzte Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr.</p> Günter Brücken Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89836 Thu, 07 Jul 2022 00:00:00 +0200 Dendrochronologische Datierungen an Bauhölzern von Moorwegen Nordwestdeutschlands – Ergänzung, Korrektur und Neubewertung https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89835 <p><strong>Dendrochronologische Datierungen an Bauhölzern von Moorwegen Nordwestdeutschlands – Ergänzung, Korrektur und Neubewertung</strong></p> <p>Dendrochronologische Datierungen der Bauhölzer von Moorwegen ermöglichen zeitlich hochauflösende Aussagen zu Bau- und Nutzungsphasen der Wege. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren wurden daher bei Ausgrabungen an Moorwegen in Nordwestdeutschland einzelne Bauhölzer beprobt und dendrochronologisch datiert. Die Publikation eines Teils der Ergebnisse stand bisher noch aus bzw. weist Widersprüchlichkeiten auf. Mit der hier vorgelegten Arbeit werden die Datierungen nun vorgestellt sowie Widersprüche zwischen publizierten Daten und den vorhandenen Unterlagen diskutiert und teilweise korrigiert. Die Daten stammen von 17 Moorwegen (1874 Proben) und umfassen den Zeitraum von 1360 v. Chr. bis 334 n. Chr.</p> Andreas Bauerochse, Barbara Leuschner, Thomas Frank, Alf Metzler, Grete Höppel, Hanns Hubert Leuschner Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89835 Thu, 07 Jul 2022 00:00:00 +0200 Fünf neue Bronzesitulen aus der Eifel https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89298 <p>Von fünf Neufunden beleuchten besonders vier beigabenlose Bronzesitulen von einer isolierten Gräbergruppe in der Osteifel die schlichte Eingangsphase der mittelrheinischen Prunkgräber. Die Plazierung von vier tendenziell älteren Männern an einer markanten Verkehrspassage nimmt schon typische Merkmale jüngerer Prunkgräber vorweg. Die in Ha D3 einsetzende Aufnahme der aus dem westlichen Oberitalien stammenden Eimer wird in ihrem Schwerpunkt unweit der Moselmündung bestätigt. Für die Situlen als stark standardisiertes Importgut bieten sich erweiterte Einblicke zur Herstellungstechnik. Die Fertigungsmerkmale sind allerdings nur Bausteine einer künftigen Werkstattanalyse in Oberitalien, da im Rheinland keine Anregungen aus dieser Toreutiktradition übernommen werden.</p> Hans Nortmann, Birgit Grosskopf Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89298 Tue, 14 Jun 2022 00:00:00 +0200 Zwei Neufunde frühmittelalterlicher Glaskameen aus Trier und Bitburg https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89297 <p>Der Beitrag präsentiert eine bislang unpublizierte Glaskameofibel aus Trier und einen weiteren als Neufund zu vermeldenden Glaskameo aus Bitburg. Vergleichbare Stücke stammen aus frühmittelalterlichen Grabfunden, aber auch aus Siedlungskontexten. Hinzu kommen Exemplare ohne Fundortangaben aus Sammlungen sowie bis heute in Kirchenschätzen verwahrte Glaskameen. Der Verbreitungsschwerpunkt der Bodenfunde liegt im heutigen Westdeutschland, in Ostfrankreich und den Niederlanden. Gesichert ist, dass verschiedene Varianten von Glaskameen in Scheibenfibeln eingesetzt Verwendung fanden. Solche Fibeln gehörten wohl zum Frauenschmuck des späten 7. und 8. Jahrhunderts. Eine präzisere Einordnung ist derzeit mangels gut datierbarer Fundkontexte problematisch. Ein häufiger vertretener, deutlich späterer Datierungsschwerpunkt erst im 9. Jahrhundert ist dagegen kaum wahrscheinlich.</p> Ferdinand Heimerl, Bernd Päffgen Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89297 Tue, 14 Jun 2022 00:00:00 +0200 A Przeworsk Culture Inhumation Burial from Siechnice (Lower Silesia) and the Question of Biritualism in the Pre-Roman Iron Age https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89296 <p>Während Notgrabungen an einem multikulturellen Fundplatz in Siechnice (pow. Wrocław / PL) wurde ein isoliert liegendes Grab der jüngeren vorrömischen Przeworsk-Kultur entdeckt. Es barg die gut erhaltenen Reste eines ca. 30/35-jährigen Mannes. Ausweislich des Beigabenensembles stammt das Grab von der Wende des 2. zum 1. Jahrhundert v. Chr. Diese Datierung würde es zu einem der ältesten Fundkomplexe der Przeworsk-Kultur im südlichen Teil von Niederschlesien machen. Zu dieser Zeit herrschte in den germanischen Kulturen die Brandgrabsitte vor. Nur aus Niederschlesien, Kujawien und dem Westen Kleinpolens ist eine kleine Anzahl von Fundorten mit Körperbestattungen bekannt. Sie wurden lange Zeit dem Einfluss der Latènekultur auf die einheimische Bevölkerung zugeschrieben. Die Verfasser dieses Artikels argumentieren allerdings, dass sich untypische Bestattungssitten auch mit anderen Faktoren als mit ethnischen erklären lassen. Die naturwissenschaftliche Analyse des Bestatteten von Siechnice zeigte, dass er lokaler Herkunft war und in relativ gutem körperlichem Zustand verstarb. Ebenso waren die Fundstücke aus diesem Grab typisch für die Przeworsk-Kultur. </p> Przemysław Dulęba, Magdalena Konczewska, Paweł Konczewski, Jacek Szczurowski, Agnieszka Tomaszewska Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89296 Tue, 14 Jun 2022 00:00:00 +0200 New Evidence on the Late Viking-Age Burial Rituals in the Volga-Oka Region: Excavations at Shekshovo / RU https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89289 <p><strong>Neue Erkenntnisse zu den spätwikingerzeitlichen Bestattungsrituale im Wolga-Oka-Gebiet: Ausgrabungen in Šekšovo / RU</strong></p> <p>Die Bestattungssitten in der Rus’ des 10. bis 12. Jahrhunderts werden traditionell mit Grabhügeln bzw. mit Hügelgräberfeldern in Zusammenhang gebracht, doch lässt sich diese Vorstellung vor allem auf die Grabungsberichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückführen. In diesem Beitrag werden neue Erkenntnisse zu den spätwikingerzeitlichen Bestattungsritualen im Wolga-Oka-Gebiet vorgelegt. Diese Daten wurden durch jüngste Feldforschungen in einem der Gräberfelder des Gebiets – Gräberfeld Šekšovo – gewonnen, das bereits im Jahr 1852 ausgegraben worden war und als vollständig zerstört galt. Dank der geophysikalischen Untersuchungen im Rahmen der jüngsten Grabungskampagnen konnten auch Brandschüttungsgräber auf der Erdoberfläche mit verstreuten kalzinierten Knochen identifiziert sowie die Struktur des Gräberfeldes rekonstruiert werden. Im Lichte der jüngsten Ausgrabungen erweist sich das Gräberfeld nicht wie früher angenommen als reines Hügelgräberfeld, sondern als ein komplexes Ensemble aus Brandschüttungs- und Brandgrubengräbern sowie Grabhügeln. Die Vielfalt der Bestattungsrituale spiegelt einerseits die Instabilität und Variabilität kultureller Normen (besonders in der zweiten Hälfte des 10. und 11. Jahrhunderts) sowie andererseits den allgemeinen Wandel der Kultur der Rus’ im 11. Jahrhundert wider, die sich durch eine Abkehr von der Feuer- zur Körperbestattung und einen Rückgang in der Zahl der Grabbeigaben auszeichnet.</p> Nikolaj Makarov, Anna Krasnikova, Irina Zaytseva, Maria Dobrovolskaja Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89289 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Regional Patterns in Mortuary Practice in the Lower Danube Region in the 4th-6th Centuries https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89288 <p><strong>Regionale Muster der Bestattungssitten im unteren Donauraum im 4.-6. Jahrhundert</strong></p> <p>Im 4.-6. Jahrhundert n. Chr. war die Donau eine durchlässige Grenze. Umfangreiche Wanderungsbewegungen von Stammesvölkern in das Römische Reich fanden im Süden statt, während die Römer im Norden Enklaven hatten, die hauptsächlich für militärische Kampagnen genutzt wurden. Trotzdem wird seit Langem beobachtet, dass sich die archäologischen Funde und Befunde auf beiden Seiten des Flusses deutlich unterscheiden, und die weitgehende Abwesenheit von Zeugnissen für »Stammessignaturen« südlich der Donau blieb ein Rätsel. Basierend auf der Analyse von 1780 Gräbern von beiden Seiten der römischen Grenze untersucht dieser Aufsatz die Bandbreite und Variabilität der Bestattungssitten beiderseits dieser Grenze, um zu verstehen, ob und wie sich die Bestattungstraditionen gegenseitig beeinflussten. Unsere Daten zeigen, dass die Bestattungspraktiken wohl in vielen Fällen komplexer und vielschichtiger waren als bisher angenommen. Darüber hinaus könnten gemeinsame Elemente zwischen Römern und »Barbaren« eine Veränderung der bestehenden Traditionen erleichtert haben, und die Bestattungssitten stellten sich oft als eine Mischung von Merkmalen nördlich und südlich der Donau dar. An einigen Orten wurden Elemente der »barbarischen« Sitten relativ stark beibehalten, doch das Ausmaß der Vermischung von Traditionen zeigt lokale Variationen in Form und Ausprägung. Statt davon auszugehen, dass eine »barbarische Signatur« an den Fundorten im Römischen Reich fehlt, zeigt eine vergleichende Analyse der Daten von beiden Seiten der Donau Flexibilität, Komplexität und Variabilität.</p> Andrei D. Soficaru, Joanna Sofaer Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89288 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Ein römisches Silberplatten-Viertel mit griechischen Inschriften aus dem Raum Ternopil / UA https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89287 <p><strong>Ein römisches Silberplatten-Viertel mit griechischen Inschriften aus dem Raum Ternopil / UA</strong></p> <p>Im November 2019 wurde im Raum Ternopil / UA von einem Raubgräber ein mindestens elf Objekte zählender Hacksilberfund dem Boden entnommen, darunter das 880 g schwere Viertel einer Silberplatte der Form Drexel 1. Der Rand zeigt einen Fries mit dionysisch-jagdlichen Motiven. Auf der Rückseite befinden sich zwei Inschriften: Die erste lautet KΛ(αυδιου) • KEΛEPOC und nennt den Besitzer. Die zweite Inschrift lautet ΛΙ(τραι) Θ OY(γγιαι) IΓ : (γραμματα) Θ und bezeichnet eine Gewichtsangabe im Umfang von 9 Litren, 13 Unzen, 9 Grammata. Im Lateinischen entspricht dies 9 <em>librae</em>, 13 <em>unciae</em>, 9 <em>scripulae</em>. Das Gesamtgewicht der runden Silberplatte betrug demnach 3311,92 g.</p> Stefan F. Pfahl Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89287 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Die erste bildliche Darstellung eines römischen Warenetiketts https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89278 <p><strong>Die erste bildliche Darstellung eines römischen Warenetiketts</strong></p> <p>Auf einem Augsburger Pfeilergrabmal lässt sich erstmals eine bildliche Darstellung eines antiken Warenetiketts identifizieren. Angesichts dessen, dass Warenetiketten als solche zwar in großer Zahl aus römischer Zeit bekannt wurden, bislang aber in keinem Fall <em>in situ</em> an einem Artefakt befestigt gefunden wurden, erlaubt die Darstellung eine neue Perspektive auf die Frage, in welchen Zusammenhängen die Etiketten verwendet wurden.</p> Ulrike Ehmig, Rudolf Haensch Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89278 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Kein judäischer Vermessungsingenieur in Köln. Zum Senklot eines militärischen mensor / librator https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89277 <p>&nbsp;</p> <p><strong>Kein judäischer Vermessungsingenieur in Köln. Zum Senklot eines militärischen <em>mensor</em> / <em>librator</em></strong></p> <p>Auf einem in Köln gefundenen Senklot sollen in der eingepunzten Inschrift zwei Personen genannt sein, zum einen der Kommandeur einer <em>centuria</em>, zum anderen ein <em>mensor</em>. Aufgrund des Namens des <em>centurio</em> wurde für den <em>mensor</em> eine jüdische Herkunft erschlossen. Diese Interpretation ist per se wenig wahrscheinlich gewesen, weil nach unserem Wissen vom 1.-3. Jahrhundert Juden nicht im römischen Heer gedient haben. Doch eine Neulesung zeigt vor allem, dass auf dem Lot nur eine einzige Person genannt ist, die den Namen Maenius Leubo trug. Dieser Mann hat die <em>centuria</em> kommandiert, der das Senklot gehörte. Das <em>cognomen</em> des <em>centurio</em> verweist auf eine Herkunft aus der gallisch-germanischen Bevölkerung.</p> Werner Eck, Michael A. Speidel Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89277 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Ein punischer Holzsarkophag (?) im Römisch-Germanischen Zentralmuseum https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89276 <p><strong>Ein punischer Holzsarkophag (?) im Römisch-Germanischen Zentralmuseum</strong></p> <p>Für ein im Kunsthandel angekauftes Holzobjekt lässt sich die Händlerangabe zur Provenienz als plausibel begründen und auf das punische Leptis minor fokussieren. Das Bruchstück geht auf einen der v. a. aus spätklassisch-hellenistischem Kontext überlieferten Holzsarkophage bzw. Truhenmöbel zurück. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die am Relikt kenntlichen Holzverbindungstechniken. Sie tragen einerseits zur konstruktiven Verortung des Werkstücks, zu seiner Identifizierung und zur Rekonstruktion des Behältnisses bei. Andererseits verweist eines der nachgewiesenen Verfahren auf ein im ostmediterran-vorderorientalischen Raum des 3./2. Jahrtausends v. Chr. verwurzeltes handwerkliches Prinzip, das im westlichen Mittelmeergebiet nicht vor der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. auftaucht und gemäß republikanisch-römischer Rezeption als <em>Punicana coagmenta</em> bezeichnet wurde. Darin unterscheidet sich die den Gegenstand kennzeichnende Herstellungsweise von griechisch geprägter Techniktradition. Nähere Anhaltspunkte für dessen geographische Herkunft lassen sich daraus nicht ableiten, da das spezifische Know-how seit dem 5./4. Jahrhundert v. Chr. zu den holzbaulichen Standards der gesamten mediterranen Welt zählt.</p> Ronald Bockius Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89276 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Ein bronzener Brillenspiralanhänger von der Insel Aegna (Estland) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89275 <p><strong>Ein bronzener Brillenspiralanhänger von der Insel Aegna (Estland). Überlegungen zur Herkunft, Herstellung und zur Insel als Deponierungsort</strong></p> <p>Im Mittelpunkt der Überlegungen steht der Neufund eines bronzenen Brillenspiralanhängers von der Insel Aegna in der Tallinner Bucht (Estland). Diskutiert werden Fragen nach der Entstehung der Brillenspirale und ihrem möglichen Deponierungskontext (Vorrömische Eisenzeit, Grabfund?) – über ihre archäologisch-typenkundlichen und semiotischen Beziehungen im Ostseeraum und darüber hinaus. Angesichts der langen zeitlichen Tradition und geographisch weiten Streuung der Brillenspiralen weist der mutmaßliche Kopfschmuck (Frauentracht) regionale und chronologische Alleinstellungsmerkmale auf: die prägnante Gestaltung mit Dornen bzw. Tutuli. Weitere Auskünfte über die Herkunft und die relative Chronologie geben die archäotechnischen Beobachtungen zu diesem Bronzeschmucktyp und seiner Verarbeitung sowie Legierungszusammensetzung (Zinnbronze, ohne Zinkanteil). Der Brillenanhänger und weitere Neufunde (Spiralschmuck) machen auf die bislang unterschätzte kulturgeographische Bedeutung der Insel als Deponierungsort in Vorrömischer und Römischer Eisenzeit aufmerksam.</p> Uwe Sperling, Ülle Tamla, Frank Trommer, Jüri Vassiljev, Mart Viljus Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89275 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Das Bleigewicht aus dem Hofareal der Fürstin von Vix https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89274 <p><strong>Das Bleigewicht aus dem Hofareal der Fürstin von Vix</strong></p> <p>Der Mont Lassois bei Vix, Dép. Côte d’Or, zählt neben der Heuneburg zu den am besten erforschten Fürstensitzen im frühkeltischen Westhallstattkreis. 1953 wurde das späthallstattzeitliche Fürstinnengrab von Vix entdeckt. Im Rahmen des deutsch-französischen Forschungsprojektes »Keltische Fürstensitze westlich des Rheins« (1991-1997) und des französischen PCR-Projektes (Projet collectif de recherche) »Vix et son environnement« (seit 2002) mit Beteiligung der Universitäten Dijon, Kiel, Wien und Zürich wurden die Altgrabungen (1930-1974) wieder aufgenommen. Bei der Untersuchung des späthallstattzeitlichen Hofareals der Fürstin von Vix auf dem Hochplateau des Mont Lassois fand sich im nördlichen Palisadengraben ein 1862 g schweres, birnenförmiges Objekt aus Blei mit Standfläche, eiserner Aufhängeöse und Eisenhaken. In der verlorenen Form gegossen, war es offensichtlich als metrologisches Gewicht, d. h. Waag- oder Wiegegewicht, am Ende des Balkens einer Schnellwaage mit variablem Armlängenverhältnis befestigt. Aufgrund seiner Schwere eignete es sich jedoch nicht als Feingewicht für Edelmetall, sondern nur zum Abwiegen größerer Mengen im Bereich handwerklicher oder landwirtschaftlicher Produktion. Die Metrologie unterstreicht den Entwicklungs- und Organisationsstand, den die keltischen Fürstentümer am Ende der Hallstattzeit erreicht hatten. Die im Herrschaftsbereich der späthallstattzeitlichen Fürstensitze von Vix, Heuneburg und Bourges, Port Sec Sud, gefundenen Gewichte sprechen wohl für ein im Westhallstattkreis überregional gültiges Gewichtssystem mit 300 g als Grundeinheit. Dies scheint ein weiteres Argument dafür zu sein, dass diese drei Fürstensitze wohl schon in frühkeltischer Zeit ein Stadium städtischer Organisation erreicht hatten.</p> Bruno Chaume, Norbert Nieszery, Walter Reinhard Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89274 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Zürich-Parkhaus Opéra / CH: Erster direkter Nachweis für eine neolithische Bienenbehausung https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89273 <p><strong>Zürich-Parkhaus Opéra / CH: Erster direkter Nachweis für eine neolithische Bienenbehausung</strong></p> <p>Eine aus der spätneolithischen Feuchtbodensiedlung Zürich-Parkhaus Opéra / CH stammende Röhre aus Lindenborke (3176-3153 v. Chr.) erweckte den Verdacht, dass es sich um den Rest einer Bienenbehausung handelte. Die nachfolgenden gaschromatographischen Massenspektrometrie-Analysen an der ETH Zürich bestätigten dies: Ein für Bienenwachs typisches Substanzspektrum von Kohlenwasserstoffen, Alkoholen und freien Fettsäuren konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden. Es handelt sich damit vermutlich um den ältesten direkten Nachweis einer Bienenbehausung. Ein kurz nach 3400 v. Chr. datierender ausgehöhlter Baumstamm aus der Feuchtbodensiedlung Arbon-Bleiche 3 (Kt. Thurgau / CH) wurde bereits dahingehend interpretiert, der Nachweis durch eine Analyse war aber noch nicht möglich. Die Verwendung von Bienenprodukten im Neolithikum Europas wurde bereits mehrfach nachgewiesen. Die genauen Verarbeitungsprozesse sowie die Art der Verwendung von Bienenwachs und -honig sind aber noch unbekannt. Der reichhaltige Fundus auch organischer Funde aus den Feuchtbodensiedlungen nördlich der Alpen bietet sicher das Potential, künftig mehr über die Nutzung von Bienenprodukten herauszufinden.</p> Christian Harb, Niels Bleicher, Sonja Guber, Erwin Hildbrand, Nikita Kobert Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89273 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Middle Chalcolithic Copper Tools from Gülpınar in North-Western Anatolia – an Archaeometric Approach https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89272 <p><strong>Mittelchalkolithische Kupferwerkzeuge aus Gülpınar in Nordwestanatolien – ein archäometrischer Ansatz</strong></p> <p>Die prähistorische Fundstelle von Gülpınar, die unter den Überresten des griechisch-römischen Heiligtums des Apollon Smintheus (Smintheion) in der Küstenregion der Troas liegt, ist eine jener neu ausgegrabenen Stätten, die unser Wissen über die westanatolische Küstenregion und die angrenzenden ostägäischen Inseln im 5. Jahrtausend v. Chr. erweitern. Ein Beitrag der archäologischen Ausgrabungen an der Fundstelle stammt aus dem Bereich der Kupfermetallurgie, die im Mittelpunkt dieser Studie steht. Vier Kupferwerkzeuge (Ahlen und Nadeln), die zwischen 4930 und 4455/4300 v. Chr. datiert werden, kamen in Phase III von Gülpınar zutage. Sowohl die chemische Zusammensetzung als auch die mikrostrukturellen Merkmale dieser Werkzeuge wurden untersucht, um die metallurgischen Prozesse ihrer Herstellung und Ausformung zu verstehen. Analytische Techniken, tragbare Röntgenfluoreszenzanalyse (P-RFA), Metallographie (optische Mikroskopie), energiedispersive Röntgenspektroskopie (SEM-EDS)-Untersuchung und Mikrohärteprüfung wurden an den verfügbaren Proben der Objekte durchgeführt. Die Ergebnisse der archäometrischen Analysen zeigen, dass das zur Herstellung dieser Werkzeuge verwendete Kupfer durch Erhitzen und anschließendes Schmelzen der schwefelhaltigen polymetallischen Erze gewonnen wurde. In den chemischen Zusammensetzungen wurde ein Arsengehalt von ca. 1 % nachgewiesen. Obwohl der Arsengehalt die physikalischen Eigenschaften der Werkzeuge leicht verbesserte, wurde die Menge als zu niedrig angesehen, um einen intentionellen und kontrollierten Prozess für die Arsenlegierung nachzuweisen. Das Metall für die Werkzeuge könnte in halbfertiger Form nach Gülpınar gebracht worden sein, da bei den Ausgrabungen keine auf Kupfermetallurgie hindeutenden Funde (Schlacke, Tiegel oder Düsen) angetroffen wurden. Die Objekte wurden durch Zyklen von Erhitzen, Schmieden und Glühen geformt. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Härte der Werkzeuge durch einen abschließenden Kaltbearbeitungsprozess gesteigert wurde.</p> Ümit Güder, Turan Takaoğlu, Abdulkadir Özdemir Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/89272 Wed, 15 Jun 2022 00:00:00 +0200 Imitationen karolingisch-ottonischer Vorbilder? https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/87577 <p>Vom slawisch-skandinavischen Seehandelsplatz Rostock-Dierkow stammen zwei runde Bleianhänger mit Kreuzmotiv, die zur einer im Ostseeraum verbreiteten Gruppe vergleichbarer Bleianhänger mit Kreuzdarstellung gehören. Diese Fundgruppe tritt häufig an Plätzen auf, die in ein weitreichendes Kommunikations- und Innovationsnetzwerk eingebunden waren; höchstwahrscheinlich handelt es sich um skandinavische Imitationen von karolingisch-ottonischen Scheibenfibeln, die seit dem 9. Jahrhundert ebenfalls in großer Zahl aus dem Ostseeraum überliefert sind. Die Bleianhänger mit Kreuzmotiv gehören damit in eine Gruppe von skandinavischen Objekten (z. B. Zungenfibeln, Kleeblattfibeln, Bleianhänger mit Noppen- und Kreisverzierungen), die sich aus karolingischen Vorbildern entwickelt haben.</p> Sebastian Messal Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/87577 Mon, 14 Mar 2022 00:00:00 +0100 PRINCEPS SVEBORVM – Der »Neufund« einer römischen Grabinschrift aus Offenburg-Bühl (Ortenaukreis) https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/87576 <p>Im Jahr 1994 wurde in Offenburg-Bühl die Grabinschrift eines princeps Sueborum entdeckt, die dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg erst 2011 zur Kenntnis gelangte. Die 1,08 m breite, 0,31 m tiefe und noch 0,97 m hohe Inschriftenplatte datiert in den Zeitraum vom 1. bis in das frühe 2. Jahrhundert und stammt von einem nicht mehr sicher zu bestimmenden Grabbautyp. Die Inschrift, die bis auf den Namen des Verstorbenen rekonstruiert werden kann, liefert wichtige neue Erkenntnisse zur Frühzeit der römerzeitlichen Besiedlungs- und Verwaltungsstrukturen im rechten Oberrheingebiet. So siedelten in der Ortenau während der Okkupationsphase Suebi, die in gentilen Strukturen politisch organisiert waren und von einem princeps geführt wurden. Dieser princeps Sueborum gehörte der Elite der gens Sueborum an und war das Verbindungsglied zur römischen Administration.</p> Lars Blöck, Johannes Lauber, Florian Tränkle Copyright (c) 2022 Archäologisches Korrespondenzblatt https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ak/article/view/87576 Mon, 14 Mar 2022 00:00:00 +0100