Bronzelanzenspitzen zwischen Karpatenbecken und Apenninhalbinsel am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit

Untersuchungen zu Kulturkontakten im Adriaraum

  • Sabine Pabst (Autor/in)
  • Molly Tate (Übersetzer/in)
  • Paul Larsen (Übersetzer/in)

Abstract

In der Studie werden die Kulturbeziehungen zwischen dem Karpatenbecken und der Apenninhalbinsel anhand eines bislang in diesem Kontext weniger beachteten Bewaffnungselementes untersucht, den Lanzenspitzen. Verschiedene Bronzelanzenspitzenformen waren während der späten Bronzezeit und der älteren Eisenzeit sowohl im Karpatenbecken als auch auf der Apenninhalbinsel sowie gegebenenfalls in weiteren Kulturräumen der Balkanhalbinsel und der Ägäis verbreitet. Das sind vor allem Lanzenspitzen mit einem glatten flammenförmigen Blatt und Ausführungen mit facettierter oder rippenverzierter Tülle. Am Beginn des Beitrages stehen feintypologische Untersuchungen zu den einzelnen Bronzelanzenformen. Zusammen mit chronologischen, chorologischen und typengeschichtlichen Analysen bilden sie die Basis für die Beantwortung offener Fragen zur Entstehung bzw. Herkunft und Ausbreitung verschiedener Lanzenformen resp. Lanzentypen.


Einen breiten Raum nehmen darüber hinaus Untersuchungen zur Lanzendeponierung in den verschiedenen Quellenkategorien sowie zur Lanzenausstattung der Grab- und Hortfunde zwischen Karpatenbecken und Apenninhalbinsel ein. Sie ermöglichen die Präzisierung kulturgeschichtlicher Zusammenhänge und der dahinterstehenden sozialen Prozesse am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit. Daran schließen weitergehende Ausführungen zur Kontinuität früheisenzeitlicher Bronzelanzenspitzen in den Grabausstattungen bzw. in der Kriegerrepräsentation der orientalisierenden Periode auf der Apenninhalbinsel an.


Unter Hinzuziehung weiterer Fundgruppen (und ihrer Deponierungskontexte) wie auch historiographisch-literarischer Quellen wird am Ende der Studie versucht, ein Gesamtbild der kulturellen sowie gesellschaftlichen Beziehungen zwischen dem karpatenländisch-nordwestbalkanischen Raum und der Apenninhalbinsel am Übergang von der Endbronze- zur Früheisenzeit zu zeichnen. Im Ergebnis sind vor allem in Mittelitalien vielfältige karpatenländisch-nordwestbalkanische Einflüsse in der endbronze- bis früheisenzeitlichen Bewaffnung und Tracht zu konstatieren, die auf der Apenninhalbinsel einhergehen mit weitreichenden Veränderungen der Deponierungs- und Bestattungssitten. Die wahrscheinlichste Erklärung für den herausgestellten kulturellen und sozialen Wandel ist in der Abwanderung größerer karpatenländischnordbalkanischer Bevölkerungsteile zu sehen, die im 11. / 10. Jahrhundert v. Chr. in Teile des italischen Raumes gelangten und hier an der Bildung sowie Konsolidierung neuer früheisenzeitlicher Gemeinschaften mitwirkten.

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Veröffentlicht
2026-06-16
Sprache
de
Akademisches Fachgebiet und Untergebiete
Archäologie
Schlagworte
Lanzenspitzen, Späte Bronzezeit, Frühe Eisenzeit, Karpatenbecken, Apenninhalbinsel, Adria, Kulturkontakte