Rapprochement et réconciliation en Europe
Retours sur les expériences franco-allemandes au XXe siècle
Identifier (Artikel)
Abstract
Seit den 1960er Jahren haben deutsche und französische Regierungen und die beiden Gesellschaften die Erzählung von der deutsch-französischen Versöhnung entwickelt: Die »Erbfeinde« seien zu »Erbfreunden« geworden, und diese Aussöhnung sei das wertvollste Erbe der deutsch-französischen Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Begriff ist inzwischen allgegenwärtig, so dass manche den »Versöhnungskitsch« anprangern. Die Begriffe und Ideen der Annäherung und Versöhnung haben jedoch eine Geschichte. Auch wenn sie beide auf die wiederhergestellte Koexistenz zwischen ehemaligen »Feinden« verweisen, unterscheidet sie ihr Verhältnis zur Zeit. Während die Annäherung zukunftsorientiert ist, muss die Versöhnung erst die in der Vergangenheit verwickelten Fäden entwirren. Die Erinnerung und die Anerkennung der Opfer stehen heute im Mittelpunkt dieses Prozesses, und das Vergessen wird als moralisches Vergehen verurteilt. Das war nicht immer so. Der Artikel analysiert die Narrative der bilateralen Annäherung und Versöhnung, um die Beziehung der beiden Gesellschaften zur Vergangenheit zu verstehen, zwischen dem vom Westfälischen Frieden inspirierten Modell des Vergessens und dem aktuellen, von Hypermnesie charakterisierten Modell. Die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte bedeutet, ihre Herausforderungen zu verstehen: die bilaterale, europäische und globale Ebene in einer bipolaren Welt, die den deutsch-französischen Beziehungen (BRD, DDR) eine doppelte Ausrichtung gab; das Zusammenspiel und die Komplementarität offizieller und gesellschaftlicher Akteure; die verschiedenen Zeitlichkeiten mit Blick auf die Komplexität der kritischen Aufarbeitung der Vergangenheit.
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