https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/issue/feed Francia 2026-01-08T16:08:44+01:00 Francia-Redaktion francia@maxweberstiftung.de Open Journal Systems <p>Die Zeitschrift »<a href="https://www.dhi-paris.fr/publikationen/francia.html">Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte</a>« erscheint einmal jährlich in einem Band von ca. 500 Seiten in gedruckter Form und seit Band 39 (2012) auch als E-Book. Sie enthält Beiträge in deutscher, französischer oder englischer Sprache. Für den Aufsatzteil gibt es zudem dreisprachige Resümees. Über die Annahme der Beiträge entscheidet ein <a href="/index.php/fr/about/editorialPolicies#custom-0">internationales Gutachtergremium</a> im Peer-Review-Verfahren. Die Rezensionen werden seit Band 35 (2008) in vier Ausgaben pro Jahr online als <a href="/index.php/frrec/">Francia-Recensio</a> veröffentlicht.</p> <p>Die seit 1973 erschienenen Bände der »Francia« sind mit einer Moving Wall von einem Jahr retrodigitalisiert hier und über&nbsp;<a href="http://www.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-retro">perspectivia.net</a>&nbsp;kostenfrei zugänglich.&nbsp;Weitere Informationen zur Geschichte der Zeitschrift finden Sie [<a href="http://www.perspectivia.net/publikationen/discussions/3-2010/grosse_francia" target="_blank" rel="noopener">hier</a>].</p> https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/114558 Titelei 2025-12-08T17:42:50+01:00 Die Redaktion francia@dhi-paris.fr 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113900 »Natio«, Gemeinschaft, Kult und Nation 2025-11-06T18:29:28+01:00 Adelheid Krah adelheid.krah@univie.ac.at <p>Der zweite Teil meiner Studie setzt zeitlich nach der Periode der gentilen Rechtsverschriftlichung und der Neustrukturierung des Frankenreiches ein, somit in einer Phase von Gemeinschaftsbildungen mit Sprachdifferenz und Rombezug; aus ihnen sollten sich die europäischen Nationen entwickeln. Entsprechend den in der Forschung für das 10.&nbsp;Jahrhundert konstatierten Entwicklungssträngen kann man wohl schon von »national ausgerichteten« Gemeinschaftskonzepten sprechen; ebenso dient der inzwischen in der Wissenschaftsterminologie etablierte Begriff »Religionssoziologie« dem Verständnis dieser neuen Formen von Gemeinschaft. Die Erneuerung des karolingischen Imperiums durch die Kaiser der Ottonen war ein Gemeinschaftskonzept für ein imperiales Großreich, aber auch für ein Ausgrenzungsmodell. In anderer Weise wurde Ausgrenzung in theologischen und militärischen Gemeinschaftskonzepten umgesetzt. Exemplarisch wird dies einerseits anhand des spirituellen Konzepts der mozarabischen Märtyrergemeinde von Cordoba (850–859) gezeigt und andererseits durch zwei Schnittstellen im Verlauf der karolingischen Bruderkriege (840–843). In beiden Gemeinschaftskonzepten waren Gemeinschaftsbewusstsein, Kult und die Frage nach der eigenen Identität die Parameter für »nationale« Abgrenzung. Die politischen Erfolge des militärischen Gemeinschaftskonzeptes dienten der Gestaltung Europas, der Tod der mozarabischen Märtyrer gab den Impuls für die großen abendländischen Martyrologien.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113901 Aux marges des diocèses de Laon et de Noyon 2025-11-06T18:38:04+01:00 Paul Chaffenet paul.chaffenet@gmail.com <p>Dieser Artikel bietet die kritische Edition einer Urkunde vom 7. September 978, mit der Albert der Fromme, Graf von Vermandois und Laienabt der Stiftskirche Saint-Quentin, und seine Frau, Gräfin Gerberga, der Benediktinerabtei Saint-Vincent in Laon Eigentum in Sénancourt schenkten. Die vorgelegte Textausgabe basiert auf vier modernen Abschriften, die von unterschiedlichem Wert sind. Ihnen allen ist gemein, dass sie ihre Vorlage nicht eindeutig angeben. Eine sorgfältige Prüfung der handschriftlichen Überlieferung und der systematische Rückgriff auf andere diplomatische Quellen zu Saint-Vincent erlauben die Feststellung, dass das »kleine« Chartular und das <em>Cartularium parvum</em>, auf denen drei der vier Abschriften beruhen, von einer Handschrift zu unterscheiden sind, die allzu oft als das einzige »kleine« Chartular von Saint-Vincent angesehen wird. Von ihr sind nur noch zwei Blätter erhalten (Paris, BnF, NAL 231). Die Urkunde ist in zweifacher Hinsicht von historischem Wert: Zum einen bezeugt sie die fortschreitende Besitzerweiterung von Saint-Vincent in der zweiten Hälfte des 10.&nbsp;Jahrhunderts, insbesondere in der Gegend nordwestlich von Laon, entlang der Ufer der Oise und in unmittelbarer Nähe der Grafschaft Vermandois. Relativ weit vom Einflussgebiet der Bischöfe von Laon entfernt war das soziale Umfeld der Mönche dort vielfältiger. Zum anderen markierten die großzügigen Schenkungen in Sénancourt den Beginn der privilegierten Beziehung zwischen Saint-Vincent und dem Grafenpaar. Dadurch kam der Abtei eine führende Rolle bei der Entstehung einer ersten Kirche der Grafen von Vermandois zu, die das adlige Erbe von Laon aufnahm. Es handelte sich dabei allerdings um eine Konstruktion von kurzer Dauer, die ab den 980er-Jahren einer anderen Grafenkirche weichen musste, an der nur noch religiöse Einrichtungen aus Saint-Quentin und Umgebung beteiligt waren.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113902 Der Papst als Konsekrator 2025-11-06T18:41:35+01:00 Francesco Massetti framass88@hotmail.com <p>Bis zur »papstgeschichtlichen Wende« im 11. Jahrhundert spielten die römischen Bischöfe keine Sonderrolle in der Geschichte der heiligen Räume innerhalb der <em>christianitas</em>. Eine epochale Zäsur stellte der Pontifikat Leos IX. (1049–1054) dar: Dem elsässischen Reformpapst sind insgesamt über sechzig Weihen von Kirchen, Altären und Friedhöfen zugeschrieben worden, die bis auf eine einzige Ausnahme alle außerhalb Roms stattgefunden haben sollen. Resultat der intensiven Weihetätigkeit, die im Kontext der rastlosen Reisetätigkeit dieses Papstes stattfand, war die beispiellose Einflussnahme des Nachfolgers Petri auf die Liturgie der peripheren Kirchen. Hier genannt seien vor allem die von Leo IX. verliehenen Altarprivilegien, die den besuchten Kirchen die römische Liturgie als maßgebliches Vorbild boten und eine besondere, mit der <em>persona papae</em> verbundene Sakralität zum Ausdruck brachten. Außerdem erfolgten einige Konsekrationen im Zusammenhang mit Elevationen von Heiligenreliquien, bei denen der Papst als oberste Instanz im Bereich der Heiligsprechung auftrat. Angesicht der historischen Tragweite der Weihetätigkeit Leos IX., die sich nicht nur aus der Ausübung des petrinischen Amts, sondern auch aus den verwandtschaftlichen und kirchenpolitischen Beziehungen des Papstes in seiner elsässischen Heimat und im oberlothringischen Raum erklärt, erscheint die Erstellung eines ausführlichen Weihekatalogs, in dem die entsprechenden Quellen, Regesten und Literatur verzeichnet werden, mehr als angebracht.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113903 Bishops, Canons, Counts, and the Writing of History in Angoulême, c. 1040–1160 2025-11-06T18:44:27+01:00 Rowan Watson rowanchwatson@gmail.com <p>Die »Historia Pontificum et Comitum Engolismensium« (HPCE) wurde – vor 1159 – im 12.&nbsp;Jahrhundert von Kanonikern der Kathedrale von Angoulême zusammengestellt. Wegen ihres panegyrischen Charakters muss sie mit größerer Vorsicht verwendet werden, als es viele Historiker bisher getan haben. Die vorliegende Studie untersucht den Entstehungskontext der Chronik und die Erfahrungen der Kanoniker ab der Mitte des 11. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit verkehrten die Bischöfe am Hof der Herzöge von Aquitanien, und entgegen der Behauptung der HPCE pflegten auch die Grafen von Angoulême Beziehungen zu den Herzögen und unterstützten ähnlich wie Herzog Guy-Geoffrey (1058–1086) die Kirchenreform. Unter den Bischöfen Wilhelm (1043–1075) und Ademar (1075–1101), die beide aus der Grafenfamilie stammten, erlangten die Kanoniker in Angoulême eine starke Stellung. Obwohl sie in Urkunden eine flammende gregorianische Rhetorik verwendeten, bestand ihr Interesse vor allem darin, die materiellen Ressourcen der Kirche effizient zu kontrollieren – die HPCE liefert Belege für Unstimmigkeiten mit Bischof Ademar, die auch in anderen Quellen zu finden sind. Es gibt Hinweise darauf, dass die Kanoniker Gerhard 1101/1104 zum Bischof wählten; sie unterstützten maßgeblich seine Arbeit als modernisierender Legat und Jurist. Das Schweigen der HPCE zu den von Robert d’Arbrissel initiierten Reforminitiativen, die Angoulême betrafen, bestärkt die Ansicht, dass die Kanoniker konservativ waren.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113904 Murder as »Good Lordship« 2025-11-06T18:48:53+01:00 Jelle Haemers jelle.haemers@kuleuven.be Frederik Buylaert frederik.buylaert@ugent.be <p>Anlass für diesen Artikel ist die kürzlich entdeckte Apologie, durch die der Adlige Frederick van Horn (1451–1487) der Strafverfolgung wegen Mordes an John van Dadizele (1432–1481) entgehen konnte. Dieses Begnadigungsgesuch, das im Anhang als Edition beigegeben ist, wurde an Erzherzog Maximilian von Österreich, den Ehemann der Herzogin Maria von Burgund, gesandt. Es verdient aus mehreren Gründen wissenschaftliche Beachtung. Erstens liefert das Dokument ein zufriedenstellendes Ende dieses akademischen »Krimis«. Die Ermordung von John van Dadizele fasziniert die historische Forschung seit dem 19.&nbsp;Jahrhundert, denn sie war der Ausgangspunkt für einen zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg, den so genannten Flämischen Aufstand (1482–1492). Zweitens – und das ist noch wichtiger – ist es Historikerinnen und Historikern durch Friedrichs Verteidigungsrede möglich, den Einsatz von Ideologie bei Adligen im Spätmittelalter zu untersuchen, wenn es darum geht, etwas Unverzeihliches zu erklären, nämlich den Mord an einem treuen Diener des regierenden Fürsten und wie dieser auf die verbrecherische Tat reagiert. Drittens deutet unsere Studie darauf hin, dass mittelalterliche Fürsten von Adligen in schwierige Situationen gebracht werden konnten und ihnen fast der Kontrollverlust drohte, wenn die Adligen keinen Konflikt zwischen zwei ihrer ideologischen Grundprinzipien sahen – einerseits dem herrscherlichen Recht, unabhängig zu handeln (Mord eingeschlossen), und andererseits dem Diskurs über den loyalen Dienst am Fürsten und am Gemeinwohl.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113905 Verstehen, Vermitteln, Verteilen 2025-11-06T18:52:47+01:00 Isabelle Schübel isabelle.schuebel@gmx.de <p>In der zweiten Hälfte des 17.&nbsp;Jahrhunderts fanden aufgrund der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen kontinuierlich Grenzverschiebungen zwischen französischen und spanischen Besitzungen statt. Systematisch wurden nach jedem Friedensschluss Grenzkommissionen eingesetzt und mit der Klärung der konfliktbehafteten Frage des Grenzverlaufes beauftragt. Bei den hier vorgestellten Konferenzen von Céret und Llívia 1660, in Saint-Omer, Arras, Mons und Metz 1660–1662, am Fluss Bidassoa 1663–1667, in Lille 1668–1672, in Courtrai 1679–1682 und erneut in Lille 1698–1699 verhandelten pro Seite zwischen ein und drei Kommissare. Sie waren damit beauftragt, Informationen zu beschaffen und so zum Verständnis der Grenze beizutragen, zwischen den Verhandlungsseiten zu vermitteln und letztendlich Besitzungen zuzuweisen oder zumindest ihre Empfehlung diesbezüglich abzugeben. Durch dieses breit gefächerte Aufgabenspektrum (verstehen, vermitteln, verteilen) kam den Grenzkommissionen eine wichtige Funktion im Prozess sich territorial konstituierender Staatlichkeit zu.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113906 À la croisée des doctrines gallicanes et de l’État 2025-11-06T20:05:38+01:00 Isabelle Brancourt isabelle.brancourt@sfr.fr <p>Henri François d’Aguesseau (1668–1751) ist eine Schlüsselfigur seiner Zeit. Seinen Zeitgenossen weder bekannt noch unbekannt, war er ein angesehener und respektierter Staatsdiener, der als Untersuchungsgegenstand den Vorteil hat, sowohl als Theoretiker Zeit zum Schreiben gefunden zu haben, als auch als Diener des französischen Königs, in der Funktion des Ministers und Siegelbewahrers, mit der Realität der Regierung von Menschen konfrontiert zu sein. Folgt man den beiden großen Etappen seiner Karriere, als Anwalt und Generalprokurator des Königs im Pariser Parlament (1690–1717) und dann als Kanzler von Frankreich (1717–1750), so zeigt sich, dass d’Aguesseau ein unerschütterlicher Verteidiger der Souveränität des Königs war; letzteren setzte er mit dem Staat gleich und stellte sodann den Begriff des »Staates« in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Seine Ideen und sein Handeln wurden dabei vor allem von drei Faktoren beeinflusst: der erneuten Opposition der souveränen Gerichtshöfe und insbesondere des Pariser Parlaments, aus dem er selbst stammte; dem konfliktreichen Hintergrund der gallikanischen und jansenistischen Doktrinen und der Beziehungen zwischen Kirche und Staat sowie zwischen Rom und Frankreich; der zunehmenden Infragestellung der Monarchie durch den aufkommenden »liberalen« Geist. Viele seiner Zeitgenossen hielten d’Aguesseau für einen schwachen, wankelmütigen und widersprüchlichen Mann. Eine genaue Betrachtung seines politischen Beitrags zur Herrschaft Ludwigs XV. zeigt jedoch, dass d’Aguesseau, obwohl er es ablehnte, in seinem politischen Handeln doktrinär zu sein, wesentlich zur Weiterentwicklung wichtiger Konzepte wie Staat, Recht und Souveränität beitrug.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113907 Voltaire à propos de la médaille 2025-11-06T20:09:45+01:00 Torsten Fried torsten.fried@uni-greifswald.de <p>Voltaires Briefe bieten eine unerschöpfliche Quelle, um sich seiner Gedankenwelt zu nähern. Mit seinen fürstlichen Briefpartnerinnen und -partnern im Alten Reich und in Russland tauschte er sich dabei über die unterschiedlichsten Themen aus – dazu zählte auch der Einsatz von Medaillen als ein nicht zu unterschätzendes Mittel der Herrschaftsrepräsentation. Der Philosoph wusste um die Wirkung solcher Stücke; er empfahl seinen hochadeligen Vertrauten Medaillen zu nutzen, um ihrem Ruhm Ausdruck zu verleihen. Der intellektuelle Austausch im Zeichen der Aufklärung ließ eben auch Platz für das geprägte Herrscherlob. Daneben erfährt man in den Briefen, dass mit Hilfe von Medaillen in tagespolitische Auseinandersetzungen eingegriffen werden konnte, indem man gezielt auf propagandistische Effekte setzte. Es ist bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit Voltaire in seiner Korrespondenz dem Medium der Medaille begegnet. Er konnte sogar überzeugend vermitteln, dass solche Erinnerungsstücke für die Ewigkeit gemacht und in dankbarer Verehrung aufbewahrt wurden.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113908 Von Wien nach Versailles 2025-11-06T20:12:40+01:00 Joachim Brüser joachim.brueser@uni-tuebingen.de <p>Im April und Mai 1770 reiste Marie Antoinette mit einem Begleittross von über 200 Personen von Wien nach Versailles, um durch ihre Ehe mit dem französischen Dauphin das Bündnis zwischen Österreich und Frankreich zu bekräftigen. Die Reise als Ganze hat bisher wenig Aufmerksamkeit in der Forschung gefunden, ganz im Gegensatz zu den zahlreichen Einzelstationen, die oft gut erforscht sind. Die Reise wurde vor allem von Maria Theresia politisch eingesetzt, um außenpolitisches Einvernehmen sichtbar werden zu lassen, Herrschaft im weit entfernten Vorderösterreich auszuüben und treue Gefolgsleute als Gastgeber auszuzeichnen. Vor allem für kleinere Klöster oder mindermächtige Reichsfürsten, die auf der Route als Gastgeber ausgewählt worden waren, wurde der hohe Besuch zur Herausforderung, mussten doch über 200 Personen standesgemäß untergebracht, verköstigt und unterhalten werden. Die finanziellen Belastungen waren zum Teil enorm. Wegen einer engen Abstimmung zwischen Österreich und Frankreich unterschieden sich die Stationen in ihrer Organisation und in der Ausgestaltung des jeweiligen Abendprogramms nur wenig, gleichzeitig gab es aber auch Freiräume für regionale Besonderheiten. Eingerahmt wurde die Reise von großen Hochzeitsfeierlichkeiten in Wien, Versailles und Paris.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113910 Assimilation als Königsweg? 2025-11-06T22:55:09+01:00 Thomas Gräfe tgraefe77@yahoo.de <p>Der Beitrag vergleicht die Stellungnahmen deutscher und französischer Intellektueller in vier Umfragen zu Antisemitismus und »Judenfrage«, die zwischen 1893 und 1907 durchgeführt wurden. Viele deutsch-französische Vergleichsstudien laufen auf die These hinaus, dass die Dritte Republik aufgrund eines liberaleren und inklusiveren Nationskonzepts geringere Assimilationsforderungen an die Juden gestellt habe als das deutsche Kaiserreich. Deshalb seien die Voraussetzungen für eine Ächtung des Antisemitismus hier besser gewesen. Eine Analyse der Umfragen lässt Zweifel an dieser These aufkommen. Das französische Modell nationaler Identität führte nicht zu gemäßigten Assimilationsforderungen, denn auch die französischen Intellektuellen verlangten die integrationalistische Assimilation der Juden. In keinem der beiden Länder korrelierten hohe Assimilationsforderungen mit Antisemitismus. Im Gegenteil, die meisten französischen und deutschen Intellektuellen lehnten Antisemitismus ab, weil sie die Assimilation der Juden wünschten und befürchteten, dass Antisemiten diesen Prozess behindern könnten. Die Verbreitung des völkischen Antisemitismus unter deutschen Intellektuellen und im Bildungsbürgertum erklärt sich gerade aus der Abkehr vom Assimilationsparadigma und der Hinwendung zum ethnischen Pluralismus.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113911 Nation, région et confession dans les sermons de guerre en Allemagne du Sud-Ouest et en Alsace durant la Première Guerre mondiale 2025-11-06T22:58:15+01:00 Andrea Hofmann hofmann-a@gmx.de Anthony Andurand anthonyandurand@yahoo.fr <p>Anhand von protestantischen Predigten aus dem Ersten Weltkrieg fragt der Beitrag danach, welches Bild der deutschen Nation Pfarrer aus der sogenannten Oberrheinregion – dem heutigen Baden-Württemberg und dem Elsass – in ihren Predigten zeichneten und wie dieses Nationsbild mit anderen Kategorien wie Region und Konfession verflochten war, die im Ersten Weltkrieg ebenfalls Zugehörigkeit generierten. Im Zentrum des Aufsatzes stehen also ausdrücklich Predigten aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet. Sie stehen beispielhaft für Aushandlungsprozesse rund um die Nation in der besonderen historischen Situation des Grenzgebiets und des Elsass, das im Laufe seiner Geschichte mehrfach die staatliche Zugehörigkeit wechseln musste. Kriegspredigten aus der Oberrheinregion zeigen, wie eng nationale und regionale Kontexte verflochten waren und welche Rolle die Region neben der Nation im Bewusstsein gerade der Elsässer, aber auch der Badener spielte. Der Beitrag korrigiert damit das Bild vom stereotypen Nationalismus deutscher Predigten des Ersten Weltkriegs, wie es bisher in der Literatur vertreten wurde.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113912 Performing International Jewish Community in the Interwar Years 2025-11-06T23:00:59+01:00 Jasper Riemann jasper.riemann@googlemail.com <p>Im August 1931 trafen sich etwa 200 junge Juden und Jüdinnen, die hauptsächlich aus Europa und Nordafrika anreisten, zu einem Pfadfinderlager in der französischen Normandie. Die Éclaireurs israélites de France (EIF) organisierten das Treffen, das zur Gründung der Union mondiale des éclaireurs juifs führte. Die bisherige Literatur über jüdische Jugendbewegungen der Zwischenkriegszeit konzentrierte sich häufig auf den nationalen Kontext. Mit dem Lager in Colleville-sur-Orne stellt diese mikrohistorische Studie ein Projekt vor, das man als jüdischen Jugendinternationalismus bezeichnen könnte. Anhand von Zeitungsartikeln, Fotografien, Protokollen und anderen Quellen wird gezeigt, dass und wie die mediale Repräsentation des Lagers, die Symbolik seiner Architektur und die kollektiven performativen Aktivitäten der Teilnehmer ein einzigartiges Ereignis schufen, das die jüdische internationale Gemeinschaft zeigen, inszenieren und erfahrbar machen sollte. Gleichzeitig handelten die Teilnehmer des Camps die Grenzen ihrer Gemeinschaft aus, wobei es vor allem mit zionistischen Gruppen zu Spannungen kam. Indem die Ziele, Mechanismen und Grenzen dieses Projekts nachgezeichnet werden, trägt der Beitrag zum Verständnis des jüdischen und, noch allgemeiner, des kulturellen Internationalismus in der Zwischenkriegszeit bei.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113913 Gab es ein richtiges Leben im Schönen? 2025-11-06T23:27:40+01:00 Frank Rexroth frank.rexroth@uni-goettingen.de <p>Die Studie zeigt, wie die Regeln akademischer Kommunikation an der sogenannten Reichsuniversität Straßburg (1941–1944) noch während der Nachkriegszeit die Urteilsbildung über diese nationalsozialistische Elitehochschule beeinflussten. Vormals Straßburger Professoren wie der prominente Historiker Hermann Heimpel (1901–1988) fällten ihre Urteile über ehemalige Kollegen mit dem Rückgriff auf drei konkurrierende Verhaltensnormen: Stellung zum NS-Staat, Einhaltung des Komments unter akademischen Kollegen und Zugehörigkeit zu einem Straßburger Zirkel, der »Kameradschaft der Künstler und Kunstfreunde am Oberrhein«. Deren Angehörige förderten und stützten einander nach 1945. Das Erbe der Reichsuniversität betraf nicht nur die bundesdeutschen Hochschulen der Nachkriegszeit, sondern auch die Elitenkultur des jungen Staates und seiner Organisationen. Im Fall Heimpels wurde das Beschweigen und Beschönigen der Straßburger Zeit am ehesten in der Kommunikation mit früheren Straßburger Studentinnen und Mitarbeiterinnen aufgebrochen. Frauen, die abseits des Normalwegs akademischer Karrieren in Heimpels Umkreis gearbeitet hatten, veranlassten in den Nachkriegsjahrzehnten ihren akademischen Lehrer, über den Zusammenhang von »Zauber und Alb« (Ernst Rudolf Huber) der Straßburger Jahre nachzudenken, das heißt über den Nexus zwischen hedonistischem Leben und Terror.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113580 Pour une histoire des vérités 2025-10-13T11:36:08+02:00 Klaus Oschema koschema@dhi-paris.fr <p>Dieser Beitrag bietet den um (selektive) Nachweise angereicherten und leicht modifizierten Text der »Conférence annuelle« des Deutschen Historischen Instituts Paris (DHIP) vom 13. Oktober 2024. Strategien und Techniken der Wahrheitsproduktion in transepochaler und transkultureller Perspektive zu untersuchen, bietet die Chance, der Arbeit am DHIP in den kommenden Jahren einen roten Faden zu geben. Ausgehend von verunsichernden Phänomenen der Gegenwart, wie etwa »fake news«, verdeutlicht der Text, dass »Wahrheiten« stets unter spezifischen kulturellen und historischen Bedingungen produziert werden und etabliert werden müssen, um gesellschaftlich wirksam zu werden. Im historischen Rückblick auf drei ausgewählte Beispiele des europäischen Mittelalters (Wahrheit im Templerprozess; literarische Form und Augenzeugenschaft; Evidenzbehauptungen in einem Konflikt zwischen den Kanonikern von Notre Dame de Paris und den Mönchen von Saint Denis), wird ein breites, aber zugleich limitiertes Feld von Strategien deutlich, die zur Behauptung von Wahrheit eingesetzt wurden. Diese Befunde laden zur transepochal vergleichenden Diskussion ein, um sowohl unsere Kenntnisse zu historischen Kulturen in einem vernachlässigten Bereich zu bereichern als auch den Standort und die Probleme der Gegenwart angemessener zu fassen. Die vorgeschlagene Perspektivierung stellt zugleich weiterführende Erkenntnisse für die deutsch-französische Geschichte in Aussicht sowie grundsätzliche methodische Reflexionen zur Konstruktion historischer Narrative.</p> 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/114560 Resümees/Résumés/Abstracts 2025-12-08T17:55:12+01:00 Die Redaktion francia@dhi-paris.fr Anthony Andurand anthonyandurand@yahoo.fr Martina Dervis martina@imriedervis.co.uk Jutta Liesen ju.lie@berlin.de Jean-Léon Müller jeanleon.muller@gmail.com 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/114561 Im Jahr 2023 eingegangene Rezensionsexemplare/Livres reçus pour recension en 2023 2025-12-08T17:58:33+01:00 Die Redaktion francia@dhi-paris.fr 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/114559 Inhaltsverzeichnis 2025-12-08T17:52:39+01:00 Die Redaktion francia@dhi-paris.fr 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/114367 Vorwort des Herausgebers 2025-11-27T16:44:59+01:00 Klaus Oschema koschema@dhi-paris.fr Carine Renard renardcarine@yahoo.com 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113927 L’histoire de l’Allemagne et des Allemands revisitée par l’histoire globale 2025-11-08T15:54:17+01:00 Marie-Bénédicte Vincent marie_benedicte.vincent_daviet@univ-fcomte.fr 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113918 Jenseits der Schlacht 2025-11-08T13:32:52+01:00 Jean-Luc Leleu jeanluc.leleu@free.fr Jutta Liesen ju.lie@berlin.de 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113922 Jörg Jarnut (1942–2023) 2025-11-08T15:10:35+01:00 Matthias Becher matthias.becher@uni-bonn.de 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113923 Rudolf Hiestand (1933–2023) 2025-11-08T15:12:16+01:00 Jochen Burgtorf jburgtorf@fullerton.edu 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113924 Olivier Guillot (1932–2023) 2025-11-08T15:14:28+01:00 Guy Jarousseau gjarouss@uco.fr 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113925 Alfred Grosser (1925–2024) 2025-11-08T15:17:03+01:00 Horst Möller horsthmoeller@t-online.de 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113926 Marie-Louise Pelus-Kaplan (1945–2024) 2025-11-08T15:30:33+01:00 Vincent Demont vincent.demont@parisnanterre.fr Indravati Félicité indravati.felicite@fau.de 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113921 Zum 100. Geburtstag von Karl Ferdinand Werner (1924–2008) 2025-11-08T15:08:39+01:00 Werner Paravicini paravicini@email.uni-kiel.de 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113919 »Íñigos« et »Jimenos« 2025-11-08T13:36:55+01:00 Philippe Baccou ph.baccou@wanadoo.fr 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025 https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/fr/article/view/113928 Zum 1000. Todestag Notkers des Deutschen von St. Gallen 2025-11-08T16:25:44+01:00 Ernst Hellgardt ernst.hellgardt@googlemail.com 2026-01-08T00:00:00+01:00 Copyright (c) 2025