In vorliegender Rezension werden der zweite und dritte Band des von Yvan Loskoutoff herausgegebenen Sammelwerkes zu den Medaillen Ludwigs XIV. und ihrer zeitgenössischen Verbreitung besprochen. Die Bände versammeln zahlreiche Fachleute zum Thema, die sich in den letzten Jahren den Medaillen als (gelehrte) Prestigeprojekte der Regierungszeit Ludwigs XIV. und ihrer Verbreitung in der Histoire métallique und ihrer beiden Ausgaben (1702 und 1723) gewidmet haben, wie etwa Robert Wellington (Antiquarianism and the Visual Histories of Louis XIV, Farnham 2015) oder Torsten Fried und Mark Hengerer (Geprägter Ruhm. Die Medaillen Ludwigs XIV. der séries uniformes, München 2025).
Die Themenblöcke und Beiträge der beiden Bände überschneiden sich. Einzelne Autorinnen und Autoren steuern mehrere Beiträge bei, darunter der Herausgeber selbst. Die Studien des dritten Bandes fußen auf Tagungen in Paris 2019 und 2021. Betrachtet man die Struktur der Bände, so stellen diese die Publikation der Histoire métallique und die darin involvierten Akteure und ihre Debatten in den Fokus (Bd. 2: unter anderem Jean-Pascal Lassier und Yvan Loskoutoff zu Abbé Bignon mit einer Auswertung der Sitzungen der Akademie um 1700, erneut Loskoutoff zu André Dacier und zu Boileau, Léo Stambul zu den gelehrten Debatten über die Ausrichtung der Texte), behandeln einzelne Themen und Darstellungen auf Medaillen (Bd. 2: Loskoutoff zur Medaille zur Feier der Geburt des Königs und ihren antiken und christlichen Vorbildern, Marie-Claude Canova-Green zur Rückkehr nach Paris 1652, Isabella Schübel zur Darstellung Spaniens, Daniela del Pesco zur Figur des Herkules, Inès Villela-Petit zur Architektur; Bd. 3: Loskoutoff zur Regentschaft der Königinmutter; Mark Jones zur Ankunft des englischen Königs Jakob II. in Frankreich 1689; Canova-Green zur Darstellung der Frömmigkeit des Sonnenkönigs anhand der Medaille für Saint-Louis/Saint-Cyr; William Eisler zum Canal du Midi; Canova-Green zu den Einzügen Christines von Schweden und Maria Theresias von Österreich in Paris; del Pesco zu den derzeit vielseitig beforschten Botschaften), befassen sich mit Versailles (Bd. 2: Robert Wellington zum Medaillenkabinett, Gérard Sabatier zum Spiegelsaal) sowie Vorbildern der Histoire métallique (Bd. 2: Jordan Blondel zu römischen Vorbildern; Eisler zur Medaillenproduktion der Päpste; Léa Gagnon zu Triomphes de Louis le Juste 1649; Bd. 3: Loskoutoff wiederum zu abgelehnten Projekten mit römischen Münzen als Vorbild; Pierre Couhault zu mittelalterlichen Einflüssen; Antoine Gallay zu einer Histoire métallique der französischen Könige; Gagnon zu den königlichen Tapisserien) und der Nachwirkung des Werkes (Marco Callegari zu Giovanni Antonio Mezzabarba; Charlotte Rousset und Laurent Stéfanini jeweils zu Werken der Regierungszeit Ludwigs XV.; Katia Schaal zur Histoire numismatique du comte de Chambord, also von Henri de Bourbon-Artois, Graf von Chambord im 19. Jahrhundert; Thomas Cocano zur Wirkung der Medaillen Ludwigs XIV. in England; Marie-Christine Skuncke mit einem Vergleich zu den Medaillen und Medaillenbüchern Gustav III. von Schweden; Fried und Hengerer zu Verbreitung und Einfluss der Histoire métallique im Heiligen Römischen Reich; Bd. 3: erneut Cocano mit einem Vergleich der Medaillen Königin Annas und Ludwigs XIV. zum Spanischen Erbfolgekrieg; Hengerer zu den Medaillendarstellungen in den Annales de la monarchie française des Henri-Philippe de Limiers; Rousset zum Porträt Ludwigs XV. auf Medaillen; Eisler zum Einfluss auf die Prägungen Napoleons I.; Dominique Hollard mit einem Vergleich der napoleonischen Medaillen mit antiken sowie mit Prägungen Ludwigs XIV. und des Heiligen Römischen Reiches) und zum Abschluss Varia-Beiträge (Bd. 3: Inès Villela-Petit zu Naturelementen auf den Medaillen; Bernard Teyssandier zu den Elementen Galerie, Tempel und Kabinett in den Druckwerken; Eisler zu Jean Donneau de Vizé und dem Mercure galant).
Es wird deutlich, dass die genannten Themenblöcke im Umfang in den einzelnen Bänden variieren. Insbesondere werden Themen der Medaillen behandelt sowie die Wirkung der Produktion Ludwigs XIV. auf seine Nachfolger und im Vergleich zu Publikationen anderer Mächte. Mehrfach stehen dabei zu Beginn die die Prägungen begleitenden Texte und damit die Querelles des Anciens et des Modernes oder die Gegner Ludwigs XIV. und ihre Darstellung im Fokus, etwa die ambivalente Rolle Spaniens: als Gegner unter dem Haus Habsburg sowie als Verbündeter nach der Regierungsübernahme durch das Haus Bourbon nach 1700. Gleichzeitig wird anhand der dargestellten Debatten deutlich gemacht, dass eben nicht nur Schlachtenerfolge, sondern bewusst auch eine friedensstiftende Rolle des Sonnenkönigs propagiert wurde. Frömmigkeit, Schifffahrt und Handel sind weitere Themen. Die Beiträge beziehen dabei neben (antiken) Vorbildern der Münzprägung auch andere Materialien ein, wie etwa die mittelalterliche Buchmalerei, die Umsetzung in Druckwerken oder eben auch die bekannten Tapisserien des Sonnenkönigs. Immer wieder stehen Details auf den Medaillen im Blickpunkt, etwa architektonische und florale Elemente oder Tierdarstellungen. Die zahlreichen Beiträge verdeutlichen die Vielfalt des vorhandenen Repertoires an Texten und Motiven, auf das zurückgegriffen wurde und das wiederum die Grundlage für nachfolgende Werke darstellte. Die Texte werden dabei von zahlreichen Abbildungen begleitet und gestützt (in Band 2 knapp 300, in Band 3 knapp 340 Abbildungen). Aufschlussreich sind dabei Übersichten und Grafiken wie im Beitrag von Fried und Hengerer. Leider haben sich bei dieser Materialsammlung auch kleine Unachtsamkeiten eingeschlichen (493 Grafik doppelt), die dem Gesamtbild keinen Abbruch tun. Ergänzt werden beide Bände durch umfangreiche Literaturlisten. Für die rasche Benutzung der Texte wären noch Register nützlich gewesen, die bedauerlicherweise fehlen.
Allein die Aufzählung der Beiträge und ihrer Themen hat den Facettenreichtum der Bände aufgezeigt, die den Entstehungsprozess der Histoire métallique Ludwigs XIV. und die an diesem Projekt beteiligten Akteure (Stambul, 94: »Charpentier privilégie l’esprit et fait parler les citations, Boileau la langue et fait parler le public, Dacier la rationalité et fait parler les faits«) und Institutionen (Petite académie) sowie deren gelehrte Erwägungen nachzeichnen. Immer wieder werden die zentralen Quellen wörtlich zitiert und somit die Diskussion zu den einzelnen umgesetzten sowie auch verworfenen Entwürfen und Stücken unmittelbar nachvollziehbar gemacht.
Dabei wird das Werk nicht isoliert betrachtet, sondern ins Verhältnis zur Vergangenheit (Antike), zur Gegenwart anderer europäischer Mächte (Spanien, Heiliges Römisches Reich, Großbritannien, Papsttum) und zur Nachwirkung in Frankreich und darüber hinaus gesetzt. Damit bilden die Bände Einblicke in die Repräsentationsstrategien Ludwigs XIV. und der europäischen Souveräne des 18. Jahrhunderts insgesamt. Gerade die Medailleure des Heiligen Römischen Reiches (etwa anhand Prägungen aus Anlass von Krönungen) wurden in den letzten Jahren in mehreren biografischen Studien, Sammlungskatalogen oder auch Ausstellungen (Zuhanden Ihrer Majestät, Wien 2017, für Maria Theresia) aufgearbeitet. Dies gilt insbesondere für die Habsburgermonarchie und ihre Prägungen sowie die diese konzipierenden Gelehrten und Kunstschaffenden (Fischer von Erlach, Carl Gustav Heraeus für den Hof Karls VI.) und die habsburgische Repräsentation insgesamt. Dabei rückt auch immer mehr die Entwicklung der Disziplin Numismatik in den Fokus (Bernhard Woytek, Daniela Williams [Hg.], Ars critica numaria. Joseph Eckhel (1737–1789) and the Transformation of Ancient Numismatics, Wien 2022).
Kurzum böten sich hier noch weitgehendere Vergleiche an, insbesondere mit dem – aus Sicht Frankreichs – habsburgischen Gegner. Trotz dieser gewichtigen Bände sind die Themen noch lange nicht erschöpft, da die Medaillen mit Darstellungen wichtiger Ereignisse über die Prägungen selbst sowie durch deren Multiplizierung in Druckmedien kaum zu unterschätzende Elemente der Propaganda der europäischen Mächte des 18. Jahrhunderts als Schnittstelle gelehrter Erwägungen sowie Austausches, Medium für den beständigen Ruhm der Taten der Souveräne und gleichzeitig Kampfmittel zur Abwertung des Gegners darstellen. Die hier vorgelegten Studien bilden wichtige Bausteine zum Verständnis dieser Auseinandersetzungen.
Zitationsempfehlung/Pour citer cet article:
Stefan Seitschek, Rezension von/compte rendu de: Yvan Loskoutoff (dir.), Les médailles de Louis XIV et leur livre, vol. 2, Mont-Saint-Aignan (Presses universitaires de Rouen et du Havre) 2023, 620 p., 290 ill., ISBN 979-10-240-1723-5, EUR 35,00 Yvan Loskoutoff (dir.), Les médailles de Louis XIV et leur livre, vol. 3, Mont-Saint-Aignan (Presses universitaires de Rouen et du Havre) 2025, 444 p., 338 ill., ISBN 979-10-240-1821-8, EUR 27,00. , in: Francia-Recensio 2026/2, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815), DOI: https://doi.org/10.11588/frrec.2026.2.116143





