Der »Gérant« zwischen Herrn und Sklaven

Die Sozial- und Machtverhältnisse auf den Plantagen am Ende des 18. Jahrhunderts in Saint-Domingue – eine Fallstudie

Identifier (Artikel)

Abstract

Der Gérant, der den Herrn auf der Plantage vertritt und die Finanzen sowie das Leben aller Arbeiter auf der Sklavenplantage verwaltet, ist eine Figur, die in der Sklavereiforschung nur am Rande vorkommt. Dennoch stellt William Scarborough bereits 1966 the overseer, den amerikanischen Gérant, in den Mittelpunkt der Arbeitsorganisation auf der Plantage. Der Widerspruch zwischen der tatsächlichen Position des Gérant der Plantage und dem Raum, der ihm in der Forschung zugewiesen wird, ist Ausgangspunkt der Überlegungen dieses Artikels. Das Fehlen von Studien über die Rolle des Gérant lässt sich durch die klassische Handhabung der Herr-Knecht-Beziehung erklären, bei der der Herr als Eigentümer und der Knecht oder Sklave, als Objekt des Besitzes verstanden wird. Indem der Verwalter im Mittelpunkt dieser Forschung gestellt wird, möchte dieser Artikel diese Dualität auflösen, um die Beziehung zwischen Herrn und Sklave nicht mehr als dyadische, sondern als triadische Beziehung zu begreifen wie etwa Georg Simmel sie entwarf. Deswegen ist der Gérant nach Simmel eine Zwischeninstanz zwischen Herrn und Sklaven. So war es möglich, den Gérant als »Figur des Dritten« zu identifizieren, da er in der Praxis weder Herr noch Sklave ist. Die Beziehungen werden nun aus der Perspektive des Geschäftsführers betrachtet, der nicht mehr nur Zuschauer der Beziehung ist, sondern zu einem der Hauptakteure wird.

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Veröffentlicht
2024-01-31
Rubrik
Sprache
de