Murder as »Good Lordship«
The Request for Pardon for the Murder of John van Dadizele by Frederick van Horn and the Discourse on Loyalty, Treason, and Vengeance at the Court of Mary of Burgundy and Maximilian of Austria (1481)
Identifier (Artikel)
Abstract
Anlass für diesen Artikel ist die kürzlich entdeckte Apologie, durch die der Adlige Frederick van Horn (1451–1487) der Strafverfolgung wegen Mordes an John van Dadizele (1432–1481) entgehen konnte. Dieses Begnadigungsgesuch, das im Anhang als Edition beigegeben ist, wurde an Erzherzog Maximilian von Österreich, den Ehemann der Herzogin Maria von Burgund, gesandt. Es verdient aus mehreren Gründen wissenschaftliche Beachtung. Erstens liefert das Dokument ein zufriedenstellendes Ende dieses akademischen »Krimis«. Die Ermordung von John van Dadizele fasziniert die historische Forschung seit dem 19. Jahrhundert, denn sie war der Ausgangspunkt für einen zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg, den so genannten Flämischen Aufstand (1482–1492). Zweitens – und das ist noch wichtiger – ist es Historikerinnen und Historikern durch Friedrichs Verteidigungsrede möglich, den Einsatz von Ideologie bei Adligen im Spätmittelalter zu untersuchen, wenn es darum geht, etwas Unverzeihliches zu erklären, nämlich den Mord an einem treuen Diener des regierenden Fürsten und wie dieser auf die verbrecherische Tat reagiert. Drittens deutet unsere Studie darauf hin, dass mittelalterliche Fürsten von Adligen in schwierige Situationen gebracht werden konnten und ihnen fast der Kontrollverlust drohte, wenn die Adligen keinen Konflikt zwischen zwei ihrer ideologischen Grundprinzipien sahen – einerseits dem herrscherlichen Recht, unabhängig zu handeln (Mord eingeschlossen), und andererseits dem Diskurs über den loyalen Dienst am Fürsten und am Gemeinwohl.
Statistiken







