Gab es ein richtiges Leben im Schönen?
Hermann Heimpel erinnert sich an seine Straßburger Jahre 1941–1944
Identifier (Artikel)
Abstract
Die Studie zeigt, wie die Regeln akademischer Kommunikation an der sogenannten Reichsuniversität Straßburg (1941–1944) noch während der Nachkriegszeit die Urteilsbildung über diese nationalsozialistische Elitehochschule beeinflussten. Vormals Straßburger Professoren wie der prominente Historiker Hermann Heimpel (1901–1988) fällten ihre Urteile über ehemalige Kollegen mit dem Rückgriff auf drei konkurrierende Verhaltensnormen: Stellung zum NS-Staat, Einhaltung des Komments unter akademischen Kollegen und Zugehörigkeit zu einem Straßburger Zirkel, der »Kameradschaft der Künstler und Kunstfreunde am Oberrhein«. Deren Angehörige förderten und stützten einander nach 1945. Das Erbe der Reichsuniversität betraf nicht nur die bundesdeutschen Hochschulen der Nachkriegszeit, sondern auch die Elitenkultur des jungen Staates und seiner Organisationen. Im Fall Heimpels wurde das Beschweigen und Beschönigen der Straßburger Zeit am ehesten in der Kommunikation mit früheren Straßburger Studentinnen und Mitarbeiterinnen aufgebrochen. Frauen, die abseits des Normalwegs akademischer Karrieren in Heimpels Umkreis gearbeitet hatten, veranlassten in den Nachkriegsjahrzehnten ihren akademischen Lehrer, über den Zusammenhang von »Zauber und Alb« (Ernst Rudolf Huber) der Straßburger Jahre nachzudenken, das heißt über den Nexus zwischen hedonistischem Leben und Terror.
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