In englischer Sprache hat Lutz Raphael einen eindrucksvollen Sammelband zu einer deutschen Geschichte der Armut im 19. und 20. Jahrhundert vorgelegt, ein linguistischer Brückenschlag also zwischen bundesdeutscher Expertise und internationaler Community, der diese spezifische Form der Sozialpolitikgeschichte eng verbunden ist. Mit Nachdruck betont er bereits in den einleitenden Überlegungen, dass die Übertragung in das fremde Idiom im vorliegenden Fall angesichts komplexer Begrifflichkeiten, nationaler Sonderpfade und der Vielfalt sozialer Sicherungssysteme als genuine Forschungsleistung zu bewerten sei.

Während der Trierer Sonderforschungsbereich 600 »Fremdheit und Armut«, dem Raphael als Sprecher lange Jahre vorgestanden hat, den Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart in den Blick genommen hatte, konzentrieren sich die Autoren der vorliegenden Beiträge auf die Vorgeschichte der Gegenwart im engeren Sinn, entwickeln komparative Perspektiven und vergleichende Überlegungen (nicht so sehr Verflechtungen und gegenseitige Einflussnahmen), nähern sich der spezifischen Problematik des aus der Almosenpraxis erwachsenen Systems der Fürsorge oder sozialen Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland, den Leistungen der Sozialhilfe. Vor allem der britischen Historiografie, die im Gefolge von Charles Dickens den Zusammenhang zwischen staatlicher Wohlfahrtspflege und persistenter Armut besonders dicht erforscht hat, gilt das Interesse des Herausgebers, der in seiner konzisen Einleitung vergleichende Perspektiven auf Armut in ihrer ganzen Bandbreite kontrastierend diskutiert.

Dabei steht am Beginn seiner Überlegungen zunächst einmal die Beobachtung spezifischer Defizite der deutschen Sozialpolitikgeschichte. Diese habe der sozialversicherungsrechtlichen Ausgestaltung des Sozialstaats durchwegs größte Aufmerksamkeit zukommen lassen, während das System der Sozialhilfeleistungen, auch in seinen Auswirkungen auf die persönliche Lebensführung der Betroffenen, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen weit weniger Interesse hervorgerufen habe (S. 2).

Während für die Frühe Neuzeit und unter dem Schlagwort der Sozialdisziplinierung – und noch einmal plädiert Raphael mit Nachdruck dafür, Inklusion/Exklusion als die erwiesenermaßen trennschärferen Untersuchungsbegriffe an dessen Stelle zu setzen – die Thematik breit diskutiert worden sei, habe die Zeitgeschichte am Untersuchungsgegenstand wenig Interesse gezeigt: Erstaunlich wenig Interesse, wie der Herausgeber nicht müde wird zu betonen, der auf der Suche nach den Gründen dafür klassische wohlfahrtsstaatliche Typologisierungen als Argument anführt. Die historische Forschung, zumal der Bundesrepublik, habe in hohem Maße die Logik der mit dem Namen Bismarck untrennbar verknüpften Sozialreformen fortgeschrieben, also den Sozialversicherungssystemen Priorität eingeräumt, darüber hinaus jedoch Aspekte von Fürsorge und Care-Arbeit nicht angemessen berücksichtigt1.

Dieser Befund habe selbst für die 1970er und 1980er Jahre, als die Historischen Sozialwissenschaften ihre größte Strahlkraft entfalten sollten, seine Gültigkeit nie verloren: An den »lower levels« des Sozialstaats habe auch die Bielefelder Schule kaum Interesse gezeigt (S. 2). Einmal mehr betont Raphael schließlich auch den seit nunmehr zwei Jahrzehnten in der Zeitgeschichte vielfältig durchdeklinierten Einfluss der Experten in modernen, arbeitsteiligen Staaten, die »Verwissenschaftlichung des Sozialen«, wobei er Psychologen und Psychiater noch einmal in besonderer Weise hervorhebt, die erst in jüngster Zeit als einschlägig ausgewiesen identifiziert worden sind.

Die Autoren des aus einer Oxforder Vortragsreihe hervorgegangenen Sammelbandes spannen einen weiten Bogen, der mit den frühneuzeitlichen Vorgeschichten moderner Sozialpolitik einsetzt, die katholische Armenfürsorge im Heiligen Römischen Reich als ebenso heterogen wie stilbildend identifiziert und schließlich die große Bedeutung konfessioneller Milieus als spezifisches Signum einer deutschen Geschichte der Armut analysiert (Sebastian Schmidt).

Andreas Gestrich, mit den britischen Verhältnissen wie der Erforschung von Fremdheit und Armut gleichermaßen vertraut, erschließt in diesem Zusammenhang Bittschriften (»German Pauper Letters«) als Ego-Dokumente einer Geschichte von Armut und Armenfürsorge im 19. Jahrhundert. Dabei versteht sich sein Beitrag zugleich als Bericht aus einem größer angelegten Editions- und Forschungsprojekt zu Unterstützungsgesuchen als Quellengattung in Deutschland und Großbritannien zwischen Französischer Revolution und Erstem Weltkrieg in vergleichender Perspektive2.

Als Nagelprobe staatlicher Inklusionsstrategien identifiziert Beate Althammer in diesem Zusammenhang Diskurse und Praktiken zu »fremden Armen« im Kaiserreich in vergleichender Perspektive. Sie betont die vielfältigen Verbindungslinien zu einer Geschichte der Arbeitslosigkeit im 19. Jahrhundert und analysiert die partielle Entkriminalisierung von Armut als zentralen Aspekt einer Geschlechtergeschichte des Kaiserreichs: »By the late 1870s, both begging and vagabondage had developed into heavily gendered adult male offences – a historical novelty« (S. 83).

Eindrucksvoll und auf der Grundlage einschlägiger Gerichtsakten, methodisch damit dicht an der von Raphael eingangs geforderten mikrohistorischen Betrachtungsweise, schildert sie schließlich den Aufstieg medizinischer Experten, darunter der führende Berliner Ordinarius für Psychiatrie Karl Bonhoeffer. Diese haben seit der Jahrhundertwende erstmals, dann aber sehr erfolgreich in diesen Debatten agiert und sich damit vielfach als Wegbereiter erwiesen für das sozial- und gesundheitspolitische Agieren in den Jahren des Nationalsozialismus: »they suggested that the behaviour of vagrants was rooted above all in mental defects« (S. 93).

Wilfried Rudloff dagegen schlägt in seinem Beitrag den Bogen zwischen dem in der langen Jahrhundertwende angelegten Wandel und den progressiven Sozialreformen der Weimarer Jahre. Damit erschließt er noch einmal die von Thomas Nipperdey so vielfältig beschworene grundsätzliche Offenheit der historischen Situation, und insofern kommt seinem Beitrag, der auch optisch die Mitte des anzuzeigenden Sammelbands markiert, eine besondere Bedeutung zu: Nicht zwangsläufig mussten die von Althammer angezeigten medizinischen Diskurse in die nationalsozialistischen Vernichtungslager und Anstalten münden. Vielmehr sind es die utopischen Entwürfe dieser Jahre (»Wohlfahrtsstadt«), auch die viel beschworenen Gartenstädte, welche uns als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen bis heute als Modell vor Augen stehen: Mehrgenerationenhäuser, energieeffizientes Wohnen und genossenschaftliche Projekte, die gerade in den auf dem Immobilienmarkt besonders umkämpften urbanen Zentren der Berliner Republik vielfältig diskutiert werden, lassen sich in ihren Anfängen bis in die Weimarer Zeit zurückverfolgen.

Während jedoch Bilder von Armut und Hunger ikonisch verdichtet in der kollektiven Erinnerung an diese Jahre dominant sind (und der Rückgriff auf die Sozialstatistik untermauert diesen Eindruck nur partiell), Kriegsfolgen und Hyperinflation die Agenda der Kommunen diktierten, beschreibt Rudloff für Großbritannien eine gegenläufige Selbstwahrnehmung: »A clear aim pursued by British surveys of poverty during the interwar period was to find out whether the level of poverty had either risen or fallen in comparison to the prewar years. The assumption that it had generally been reduced, largely found confirmation in city surveys of London, York and Bristol. By contrast, contemporary observers in Germany were in no doubt whatsoever that poverty levels had increased enormously in comparison to the years prior to 1914« (S. 107). Beiden Ländern gemeinsam ist dagegen die Übernahme vielfältiger Aufgaben der Gesundheitsfürsorge durch die öffentliche Hand sowie ein rasanter Professionalisierungsschub der Sozialen Arbeit.

Die besondere Herausforderung für die deutsche Sozialpolitikgeschichte, die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft in ihre Meistererzählungen zu integrieren, betont schließlich Nicole Kramer in ihrem Beitrag über Fürsorge im Nationalsozialismus. Sie verweist auf Martin Broszat, der unter dem Schlagwort »Historisierung des Nationalsozialismus« bereits in den 1980er Jahren auf die vielfältigen Vorgeschichten und Verbindungslinien verwiesen habe, welche diesen mit den beiden Demokratiegründungen auf deutschem Boden verbinde. Überzeugen kann auch ihr Plädoyer für praxeologische und mikrohistorische Perspektiven, welche verstärkt die kommunale Ebene in den Blick nehmen, um seit den einschlägigen Studien von Wolf Gruner die Handlungsspielräume lokaler Akteure zu vermessen und der Sozialpolitikgeschichte vielfach erst erfahrungsgeschichtliche Tiefenschärfe verleihen.

Dass Frauen dabei als Täterinnen in den Blick geraten, ist lange bekannt und dem schlichten Umstand geschuldet, dass Soziale Arbeit zeitgenössisch über weite Strecke ein weibliches Arbeitsfeld geblieben ist. Kramer betont jedoch vor allem, dass die Mehrzahl der in den Kriegsjahren aufgelegten wohlfahrtsstaatlichen Programme in erster Linie Frauen als Leistungsempfängerinnen in den Blick genommen hatten: Kriegs- und Wehrdienst, der massenhafte Tod im Schützengraben und die dramatischen Folgen des Luftkriegs, auch für die Zivilbevölkerung, hatten vielfach die herkömmlichen Muster der Arbeitsteilung in Familien durchbrochen und damit den NS-Staat, der zunächst auf die Hausfrauenehe gesetzt hatte, vor neue sozialpolitische Herausforderungen gestellt.

Dass pronatalistische Überzeugungen und konservative Familienleitbilder mit dem durch Krieg und Wehrdienst erzeugten Arbeitskräftemangel in ein unauflösliches Spannungsverhältnis getreten sind, ist ein seit den 1980er Jahren im Fahrwasser der Frauengeschichte vielfältig diskutierter Umstand. Überzeugend kann Kramer nachweisen, dass das Regime in diesem Zusammenhang die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sehr viel weniger gründlich umgestaltet hat als das weite, von Staat wie Partei gleichermaßen bearbeitete Feld der Fürsorge. Letzteres verband großzügige Inklusionsangebote mit der schrittweise geplanten und umgesetzten Exklusion »Gemeinschaftsfremder« und erzeugte dabei vielfältige Grauzonen, die von der Forschung noch immer nicht angemessen ausgeleuchtet worden sind: »Compared to social security, the world of social care and social assistance was much more shaped according to ideas of Nazi welfare. The face-to-face contact with clients enabled local welfare officers and social workers to intervene in their lives« (S. 143)3.

Politische Linientreue, rassische und eugenische Kriterien waren ausschlaggebend für die Möglichkeit, staatliche Fürsorgemaßnahmen (»Volkspflege«) in Anspruch zu nehmen. Die Gesundheit des »Volkskörpers« sowie individuelle Bedürfnisse, der Anspruch auf Schutz, Pflege und Unterstützung waren damit als ein Spannungsverhältnis definiert mit oftmals dramatischen Folgen für die Betroffenen: »It should be stressed that exlusion in welfare terms during Nazism went beyond neglect and discrimination. In fact, welfare authorities and organizations actively took part in the persecution of clients« (S. 145).

Die von Christiane Kuller vorgelegten Überlegungen zur sozialen Sicherung von Frauen im westdeutschen Wohlfahrtsstaat resümieren den aktuellen Stand der Dinge auf hohem Niveau und werden wohl für lange Zeit als vorläufig abschließende Bilanz im Korpus kanonischer Texte zur Einführung in den Untersuchungsgegenstand ohne Konkurrenz bleiben. Sie zeigt auf, wie eng die Verzahnung zwischen persönlicher Lebensführung auf der einen und dem Zugang zu sozialversicherungsrechtlichen Errungenschaften auf der anderen Seite in Deutschland für lange Jahre gewesen ist: »A man away from poverty«, zitiert sie den zugkräftigen Slogan der Soziologin Monika Simmel-Joachim und schließt dabei an eigene Überlegungen zum »ungelösten Strukturproblem« der sozialen Sicherung von Frauen im männlichen Wohlfahrtsstaat an. Dabei benennt Kuller die nach dem Krieg steil ansteigenden Scheidungsziffern als zentral für die seit den 1960er Jahren verstärkt geführten Debatten über mütterliche Erwerbstätigkeit, Altersarmut und Geschlechterrollen.

Stabile Gendernormen und die daraus abgeleiteten Sozialversicherungssysteme der Bismarckzeit hatten Kuller zufolge mindestens bis in die 1960er Jahre Bestand: »In this debate, as in others during the 1950s and 1960s, the specific poverty risk run by individuals engaged in care work received no consideration« (S. 180). Gleiches gilt allerdings im Gefolge des Beverdige-Plans auch für Großbritannien: »whereas the man contracted directly with the state, the woman contracted with her husband and had recourse to the public purse only when this first contract broke down«4. Ergänzend ließe sich an dieser Stelle anführen, dass der »Psychoboom« (Maik Tändler) der 1970er Jahre, bei aller Nähe zu feministischen Diskursen, diesen Zustand zu perpetuieren verstand, indem traditionelle Rollenbilder unter Rückgriff auf neue, psychologisierende Argumente (»Kindeswohl«) noch einmal für die Dauer einer Generation fortgeschrieben wurden (S. 174).

Den wachsenden Einfluss der von Raphael vielfältig beschworenen Sozialingenieure schließlich stellt Winfried Süß in den Mittelpunkt seiner Überlegungen zur Krise der Arbeitsgesellschaft seit den 1970er Jahren und zum ersten »Armutsbericht« aus dem Jahr 2000 (»Lebenslagen in Deutschland - Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung«). Die zentrale Rolle der Experten kann er dabei quer durch alle Parteien und Gewerkschaften nachweisen, wie auch den damit eng verknüpften Aufstieg der sozialwissenschaftlichen Armutsforschung (S. 212) und ihren Auftrag, sozialpolitische Maßnahmen in ihrer gesellschaftlichen Wirkung methodisch angemessen zu evaluieren. Süß verweist dabei auch auf die Rolle der europäischen Institutionen, welche sukzessive an Bedeutung gewinnen sollten (S. 212). Erneut habe sich damit am Ende des 20. Jahrhunderts die Sozialstatistik als bedeutendes Instrument der politischen Debatte erwiesen.

»Since the late 1970s, Germany has experienced a dramatic increase in poverty« (S. 245): In diesem Sinne erweisen sich die Überlegungen der Autoren – methodisch versiert und überzeugend hier auch die Ausführungen von Olaf Groh-Samberg – im Ergebnis als ein weiterer Beitrag zu den seit einigen Jahren im Fach verstärkt geführten Debatten über den Strukturwandel (alternativ: Strukturbruch) der postindustriellen Ära. Dass deren zentrales Signum »die neue Armut« werden sollte, war in den Anfängen der Bonner Republik und vor dem Hintergrund der im Mid-Century vorherrschenden Planungseuphorie zunächst nicht absehbar gewesen. Dass Lutz Raphael gemeinsam mit seinen Autorinnen und Autoren die »Vorgeschichte der Gegenwart« bis in die Anfänge moderner Staatlichkeit zurückverfolgt und den engen zeithistorischen Rahmen des 20. Jahrhunderts damit klar überschreitet, verleiht seinen Überlegungen ihre besondere Tiefenschärfe (S. 5).

Das alles ist zutreffend, ergänzend ließe sich anmerken: Deutsch-britische Sozialpolitikgeschichte in einer transnational vergleichenden Perspektive bedarf immer auch der fallweisen Bezugnahme auf spezifische Aspekte der Emigrationsgeschichte. Während britische Sozialingenieure in den 1920er und 1930er Jahren neue Ideen entwarfen, die sie in den Kriegsjahren teilweise erproben und seit 1945 unter Labour in die Politik einspeisen konnten, würden viele der Experten, welche in den Jahren der Weimarer Republik ähnliche Modelle propagierten, zwanzig Jahre später in Bonn nicht vor Ort sein und keinen Einfluss auf die bundesdeutsche Entwicklung nehmen.

Erst in einer nachholenden Bewegung und häufig auf dem Umweg über die transatlantische Achse – Amerikareisen, Stipendienprogramme – fanden psychologische Experten, Psychiatriereformer und analytisch informierte Sozialpsychologen seit den 1960er Jahren den Anschluss an die internationale wissenschaftliche Community und setzen mindestens auf der diskursiven Ebene starke Akzente: So erfuhr der bereits 1953 in San Francisco verstorbene Reformpädagoge und Analytiker Siegfried Bernfeld Ende der 1960er Jahre bei Suhrkamp seine Renaissance, und auch die Architekten der »Wohlfahrtsstadt«, wie der von Rudloff benannte Ludwig Hilberseimer, ließen sich in diesem Zusammenhang anführen6.

Überzeugend können die Autoren darlegen, dass künftig das von Raphael angezeigte bedeutsame Forschungsfeld als transnationale, zäsuren- und epochenübergreifende Verflechtungsgeschichte zu erzählen sein wird: »Der Einfluss internationaler Organisationen und transatlantischer Diskurse auf die Entwicklung der Sozialpolitik ist so alt wie der Sozialstaat selbst«, hat Martin Lengwiler in diesem Zusammenhang bemerkt 6. Dass eine Biografie von Heiner Geißler, der übereinstimmend als bedeutender Akteur der neuen Armutsdebatten seit den 1970er Jahren identifiziert wird, längst überfällig ist, das wissen wir nach der Lektüre und dass wir ihn noch lange vermissen werden, denn niemand will gegenwärtig mit vergleichbarer Ernsthaftigkeit das Thema auf die tagespolitische Agenda setzen. In diesem Sinne liest sich der Sammelband nicht zuletzt auch als nostalgischer Abgesang auf eine Ära, die sich der bedeutenden Rolle der öffentlichen Hand in den Debatten über soziale Ungleichheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt immer gewiss gewesen ist.

1 Gleiches ließe sich im Übrigen für die im angloamerikanischen Raum in den vergangenen Jahren besonders dicht beforschten Grenzräume zwischen Psychiatrie und Armenfürsorge anführen.
2 Andreas Gestrich, Steven A. King (Hg.), Pauper Letters and Petitions for Poor Relief in Germany and Great Britain, 1770–1914: https://www.ghil.ac.uk/research/solidarity_and_care/pauper_letters_and_petitions.html.
3 In diesem Sinne exemplarisch die große Studie von Florian Wimmer, Die völkische Ordnung von Armut. Kommunale Sozialpolitik im nationalsozialistischen München, Göttingen 2014.
4 Susan Pedersen, Family, Dependence, and the Origins of the Welfare State. Britain and France, 1914–1945, Cambridge 1993, S. 340.
6 Siegfried Bernfeld, Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, Wien 1925, Neudruck: Frankfurt a. M. 1967.
6 Martin Lengwiler, Internationale Expertennetzwerke und nationale Sozialstaatsgeschichte: Versicherung der Silikose in Deutschland und der Schweiz (1900-1945), in: Journal of Modern European History 7 (2009), S. 197-218, hier S. 197.

Zitationsempfehlung/Pour citer cet article:

Claudia Moisel, Rezension von/compte rendu de: Lutz Raphael (ed.), Poverty and Welfare in Modern German History, New York, Oxford (Berghahn) 2017, 256 p. (New German Historical Perspectives, 7), ISBN 978-1-78533-356-9, USD 130,00. , in: Francia-Recensio 2018/2, 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine, DOI: https://doi.org/10.11588/frrec.2018.2.48522