Der kastilische Niederadelige Pero Tafur bereiste, so erzählt er, zwischen 1436 und 1439 von der Iberischen Halbinsel aus (beginnend in Sanlúcar de Barrameda in der Mündung des Guadalquivir) weite Regionen Europas und seine Randbereiche: Italien mit Genua, Pisa, Bologna, Rom und Venedig, von dort aus über die Adria, Morea (Peloponnes), Candia (Kreta), Rhodos und Zypern das Heilige Land mit u. a. Jerusalem, Ägypten und den Sinai. Dann wird der Weg geschildert über das besonders ausführlich beschriebene Konstantinopel mit der Lateiner-Kolonie Pera und, nach einem Ausflug ins osmanische Adrianopel/Edirne, über Trapezunt und das Schwarze Meer nach Caffa und Tana, den lateinischen Kolonien auf der Krim und in der Don-Mündung (wo unermessliche Handelswaren zusammenkommen), all das relativ kurz vor der osmanischen Eroberung. Zurück in Italien sah er in Ferrara Papst Eugen IV. und den Kaiser von Konstantinopel (die dort wegen einer Griechenunion seien – das Konzil tagte ab 1438) und dann führte ihn der Weg über den Gotthard nach Basel, den Rhein und Köln nach Brüssel, Brügge, Gent und Antwerpen, zurück nach Köln und Konstanz über Prag und Breslau (wo er den westlichen Kaiser traf) nach Wien, schließlich zurück nach Spanien.

Die Daten und Ereignisse allerdings, die Pero hier und da anspricht, lassen vermuten, dass nicht alles, was er sah und erlebte, tatsächlich auf einer kontinuierlichen Reise stattfand. Pero, der schwer in einer Typologie von Reiseberichterstattern unterzubringen ist, stellte zudem seine kastilisch-sprachigen »Andanças e viajes«, die hier in kommentierter französischer Übersetzung mit einführenden Beiträgen vorgelegt sind, erst nach 1455 zusammen. Nicht alles im Bericht, der sehr zu Recht als »atypique et d’une grande richesse« (S. 27) charakterisiert werden kann, muss dementsprechend überhaupt eigenem Erlebten entsprechen, manches ist offenbar Fiktion oder wurde fiktionalisiert. »Qui était Pero Tafur?«, so beginnt J. Paviot seine allgemeine Kontextualisierung (»P. T. et ses voyages« sowie »Chronologie des voyages«) des Autors.

Pero stand wenigstens zeitweise im Dienst des Großmeisters des Ordens von Calatrava, Luis Gonzaléz de Guzmán, er reiste wie viele Ritter im 15. Jahrhundert weit herum (wenngleich nicht zum Kämpfen nach Preußen) und scheint Zugang zu höchsten Kreisen gehabt zu haben, findet an vielen Orten »gute Freunde«, die er aus seiner Heimat und aus dem mediterranen Handelsnetz kennt. Er erzählt persönlich und mit Humor und Ernsthaftigkeit zugleich Anekdotisches und Informatives (wenngleich relativ wenig Beschreibung von Orten), hat auch Einblick in universellere politische Zusammenhänge (J. Roumier, »Originalités d’un récit de voyage: valeur du témoignage et fonctions de l’héroïsme«). An einer Stelle fügt er explizit Informationen aus einem fremden Bericht ein, wenn er die Indien-Abenteuer des Nicolò dei Conti, den er auf dem Sinai auf dessen Rückreise nach Italien traf, nacherzählt (und die nach Nicolòs Rückkehr nach Italien einige Jahre später Poggio Bracciolini niederschrieb): Volle sieben Seiten nehmen die wunderbaren Dinge ein, von denen Pero hörte, die ganz den Erwartungen seiner Zeitgenossen entsprochen haben dürften und die Peros erzählte Welt bis zu den Thomaschristen, nach Ceylan und zum Priester Johannes erweitern.

Die einleitenden Aufsätze der Herausgeber greifen die gerade genannten und eine ganze Reihe weiterer Phänomene und Probleme auf, die Peros Bericht seinen Bearbeitern und Interpreten machte; Reflexionen zur Sprache des Berichts und zur Übersetzung folgen noch von Florence Serrano (»Étude de la langue et de la traduction«), bevor über 160 Seiten der eigentliche Reisebericht folgt. Bibliografie, Orts- und Namensregister schließen den Band ab.

Zitationsempfehlung/Pour citer cet article:

Felicitas Schmieder, Rezension von/compte rendu de: Pero Tafur, Aventures et voyages, Toulouse (Presses universitaires du Midi) 2022, 254 p. (Études médiévales ibériques, 18), ISBN 978-2-8107-0781-2, EUR 25,00., in: Francia-Recensio 2023/2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500), DOI: https://doi.org/10.11588/frrec.2023.2.96767