RIHA Journal 0327 | 30 September 2025
Leben und Werk, Gattung und Geschichte
Zur Rolle der Biographie in der Literaturwissenschaft
Abstract
How legitimate is it to use the works of a biographical subject as a source
for their life story when writing a biography, and should biographies themselves
be used to interpret the works? This paper examines the role of biography
in literary studies from three perspectives. First, the term 'biography' is
discussed as a designation for a literary genre, addressing questions of
biographical worthiness and the terminological and conceptual expansion towards
Life Writing in the late 20th century. A brief historical overview of
biographical approaches in literary studies follows, providing insight into when
and in which literary-theoretical frameworks information about the lives of
authors began to be used in the interpretation of their works, and when
biographical readings receded into the background. Finally, the paper explores
biographies and Life Writing as a subject of research in the 21st century.
Inhalt
Einleitung
Biographie als
Gattungsbezeichnung, Biographiewürdigkeit und Life
Writing
Biographische
Ansätze in der Literaturwissenschaft
Biographien als
literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand im 21. Jahrhundert
Einleitung
[1] "Biography makes no methodological distinction between a statesman, a general, an architect, a lawyer, and a man who plays no public role" behaupteten die Literaturwissenschaftler René Wellek und Austin Warren in ihrem 1949 erstmals erschienenen Standardwerk Theory of Literature.1 Diese Aussage liest sich mehr als siebzig Jahre später aus mehreren Gründen verkürzt und überholt: Trifft sie etwa auch auf Biographien von Frauen oder Künstler:innen zu? Gibt es tatsächlich keine methodologischen Unterschiede abhängig davon, wer biographiert werden soll? Und welche Rolle spielen die Biograph:innen, ihre soziokulturellen Hintergründe und ihre Agenden? Die zwei zentralen Fragen, die in Wellek und Warrens Kapitel zu "Literature and Biography" verhandelt werden, sind allerdings nach wie vor relevant: Inwiefern ist es legitim, beim Verfassen einer Biographie auf das Werk der biographierten Person als Quelle für deren Lebensgeschichte zurückzugreifen, und sollen Biographien ihrerseits zur Interpretation des Werks herangezogen werden?
[2] Dieser Aufsatz wirft Schlaglichter auf diese Fragen, indem er sich den Rollen der Biographie in der Literaturwissenschaft aus drei Blickwinkeln nähert. Zunächst wird der Begriff 'Biographie' als Bezeichnung für eine literarische Gattung diskutiert; hier wird auch der Frage der Biographiewürdigkeit und der terminologischen und konzeptuellen Erweiterung von 'Biographie' hin zum 'Life Writing' im späten 20. Jahrhundert nachgegangen. Danach gibt ein kurzer historischer Abriss über den biographischen Ansatz in der Literaturwissenschaft einen Einblick, (ab) wann Informationen über das Leben von Autor:innen zur Interpretation ihrer Werke herangezogen wurden und unter dem Einfluss welcher (literatur-)theoretischer Ansätze biographische Lesarten in den Hintergrund traten. Abschließend werden Biographien bzw. das Life Writing als Forschungsgegenstand im 21. Jahrhundert thematisiert. Ohne irgendeinen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, will dieser Aufsatz damit einige Einblicke in die Rollen der Biographie in der Literaturwissenschaft geben, in der Hoffnung, Ideen und interdisziplinäre Anknüpfungspunkte zur Diskussion des Formats der Architekt:innen-Monographie beizutragen.
Biographie als Gattungsbezeichnung, Biographiewürdigkeit und Life Writing
[3] In seiner Einleitung zum 2009 erschienenen Sammelband Die Biographie – Zur Grundlegung ihrer Theorie hält Bernhard Fetz fest, dass sich die Biographie als "Genre zwischen Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung […] eindeutiger Zuordnung zu akademischen Disziplinen" entzieht.2 Darüber hinaus wird der Begriff der Biographie in unterschiedlichen Disziplinen auch nicht unbedingt immer gleichbedeutend verwendet, was zu interdisziplinären Missverständnissen führen kann. Deshalb scheint zunächst eine Begriffsklärung hilfreich zu sein. Was meinen Literaturwissenschaftler:innen, wenn sie von Biographien reden? Und seit wann ist dieser Begriff in Verwendung?
[4] Im Handbuch Biographie: Methoden, Traditionen, Theorien (2009),3 das einen hilfreichen Ausgangspunkt für Begriffsbestimmungen und Fragestellungen rund um biographische Literatur und Theorie sowie biographisches Arbeiten darstellt, weist Falko Schnicke darauf hin, dass im Falle der Gattung der Biographie in den europäischen Sprachen "das Referendum […] wesentlich älter [ist] als die heute dafür gebräuchliche Bezeichnung",4 dass es also biographische Texte gab, lange bevor sie als solche bezeichnet wurden. Während die Verwendung des Begriffs 'Biographie' im Deutschen erstmals für 1709 belegt ist, war 'vita' als Gattungsbezeichnung von der Antike bis zum 17. Jahrhundert vorherrschend,5 oder 'life' als Teil des Titels einer Lebensbeschreibung im anglophonen Raum vom Spätmittelalter bis ins neunzehnte Jahrhundert üblich. Diese Erzählungen, die im England der Frühen Neuzeit und der Aufklärung besonders an Popularität gewannen, orientierten sich oft an den formelhaften Lebensbeschreibungen antiker Schriftsteller.6 Besonderen Einfluss übte im englischsprachigen Raum Thomas Wilsons auf Quintilian basierendes Standardwerk Arte of Rhetorique (1553) aus, in dem die Struktur und der Inhalt einer Lobrede auf große Persönlichkeiten genau vorgegeben wird: Einer chronologischen Auflistung von Familienhintergrund, Geburt, Jugend und Errungenschaften in allen Bereichen folgen Schilderungen von Reisen, dem Tod, dem Begräbnis und schließlich der Trauer über die biographierte Person.7 Das Oxford English Dictionary8 nennt als erste dokumentierte Verwendung von 'biography' John Fells The Life of that Reverend Divine, and Learned Historian, Dr. Thomas Fuller, erschienen 1661, in dem der Autor sein Werk zwar nicht auf dem Titelblatt, aber auf der vorletzten Seite abschließend als "Biography" bezeichnet.9 Interessant im Hinblick auf die Wechselbeziehungen, die zwischen Werk und Leben in Biographien hergestellt oder angenommen werden, ist hier einerseits Fells Feststellung, dass es nicht notwendig sei, ja geradezu "impertinent" wäre, weiter auf die Werke (in dem Falle Bücher) Thomas Fullers einzugehen, da diese für sich selbst sprächen. Andererseits bezeichnet er die Qualität von Fullers letztem Werk, der History of the Worthies of England,10 als besonders herausragend und überdauernd, handelt es sich dabei doch um eine der monumentalen frühneuzeitlichen englischen Sammelbiographien.
[5] Die Ausführungen des englischen Literaturkritikers und Lexikographen Samuel Johnson stellten einen Meilenstein für die Definition und Theoriebildung rund um die Gattung Biographie im 18. Jahrhundert dar. 1750 definierte er Biographien als "narratives of the lives of particular persons" und behauptete, dass "no species of writing seems more worthy of cultivation than biography, since none can be more delightful or more useful, none can more certainly enchain the heart by irresistible interest, or more widely diffuse instruction to every diversity of condition".11 In seinem berühmt gewordenen Beitrag zur "Dignity and Usefulness of Biography" im Rambler schrieb Johnson über die Biographie, dass es nicht leicht sei für Schriftsteller, die Leserschaft zu bewegen, und dass das am ehesten durch Biographien gelingen könne, da Leser darin potentiell Parallelen zu ihrem eigenen Leben erkennen.
[6] Johnson stellte bereits in dieser frühen Diskussion klar, dass es sich bei einer Biographie um eine "species of writing" – also eine Gattung – handelt und dass Beispiele dieser Gattung "narratives of lives", also Erzählungen über das Leben von Personen, sind. Auf diese Grundelemente lassen sich auch viele spätere literaturwissenschaftliche Definitionen von Biographien, so unterschiedlich sie im Detail auch sein mögen, reduzieren. Wenn in der Literaturwissenschaft von 'Biographie' gesprochen wird, ist damit nach wie vor einerseits eine Gattungsbezeichnung gemeint und andererseits ein dieser Gattung zugehöriger, üblicherweise verschriftlichter Text, der (eine Version) der Lebensgeschichte einer Person festhält. Im Unterschied zu einer Autobiographie ist bei einer Biographie dabei die Verfasser:in normalerweise nicht ident mit der Person, deren Lebensgeschichte erzählt wird.12 Daraus ergibt sich, dass der "Gegenstand biographischer Forschung […] nicht Lebensverläufe [sind], sondern biographische Kommunikation beziehungsweise deren Resultat: biographische Texte".13 In einem der grundlegenden Texte der literaturwissenschaftlichen Biographieforschung im 20. Jahrhundert hält Ira Bruce Nadel fest: "A biography is fundamentally a verbal artifact, a recreation in words of a life that existed in time and space."14 In der zeitgenössischen Biographieforschung wird üblicherweise angenommen, dass eine Biographie ein subjektives Werk ist, das mit einer bestimmten Agenda verfasst wird und immer nur eine Version des Lebens der biographierten Person sein kann. Die biographische Darstellung an sich wird von vorherrschenden intellektuellen Strömungen, der Bildung der Biograph:in, oder den ökonomischen und politischen Gegebenheiten beeinflusst,15 d. h., sie ist im historischen Kontext der Biograph:in verortet und kann sich an unterschiedlichen rhetorischen Modellen orientieren.16
[7] In seiner Diskussion von Biographien als Gattung im Rambler sprach Johnson auch die Biographiewürdigkeit an, die er interessanterweise nicht auf historisch bedeutsame Personen beschränkt. Vielmehr deklariert er, dass prinzipiell jedes Leben erzählenswert ist:
I have often thought that there has rarely passed a life of which a judicious and faithful narrative would not be useful. For, not only every man has, in the mighty mass of the world, great numbers in the same condition with himself, to whom his mistakes and miscarriages, escapes and expedients, would be of immediate and apparent use; but there is such an uniformity in the state of man, considered apart from adventitious and separable decorations and disguises, that there is scarce any possibility of good or ill, but is common to human kind. […] We are all prompted by the same motives, all deceived by the same fallacies, all animated by hope, obstructed by danger, entangled by desire, and seduced by pleasure.17
Und tatsächlich erfreuten sich im anglophonen Bereich im 17. Jahrhundert neben Biographien von Staatsmännern und Monarch:innen auch solche von Kriminellen und Dichter:innen großer Beliebtheit. Im 18. Jahrhundert wurden dann auch – oft den literarischen Texten vorangestellte, also paratextuelle – Kurzbiographien von Schriftsteller:innen aus der Arbeiterklasse populär, wie etwa die Kurzbiographie des Landarbeiters Stephen Duck, in der die Entstehung seines Werks vor seinem ungewöhnlichen Lebenshintergrund erläutert wird. Die Verknüpfung von Leben und Werk des Autors trug in diesem Fall entscheidend dazu bei, dass Ducks Gedichte zur literarischen Sensation wurden.18
[8] Johnsons Definition von Biographie und die Praxis des 17. und 18. Jahrhunderts erscheinen rückblickend fortschrittlicher als die vorherrschende biographische Praxis im 19. Jahrhundert, zu der Hannes Schweiger im Handbuch Biographie unter dem Stichwort "Biographiewürdigkeit" festhält, dass
[…] die Biographik in zunehmendem Maße ihren Blick auf sogenannte Ausnahmemenschen [lenkte], auf herausragende Individuen, die in den Prozess der Geschichte eingreifen, ihn mitgestalten und prägen. Sie erfüllte damit eine wichtige identitätsbildende Funktion im Entstehungsprozess von Nationalstaaten […]. Vor allem Thomas Carlyle und Jacob Burckhardt haben mit ihrem Verständnis von historischer Größe und Heldentum die biographische Praxis wie auch die theoretische Diskussion nachhaltig bestimmt. Carlyle zufolge sind es die historischen Helden, die den Lauf der Geschichte kreativ gestalten, Leitbilder für viele Generationen darstellen und deren Handeln für 'Normalmenschen' nicht unbedingt einsichtig und nachvollziehbar ist […].19
Im angloamerikanischen Bereich gab es im 19. Jahrhundert zwar durchaus biographische Texte über Frauen, aber diese beschränkten sich häufig auf "simple, pious sketches or collective (and often didactic) biography".20 Der Großteil der biographischen Texte widmete sich aber epochemachenden Persönlichkeiten.
[9] Im 20. Jahrhundert wurde diese Praxis der exklusiven Biographiewürdigkeit außergewöhnlicher Persönlichkeiten dann wieder hinterfragt, und zwar nicht erst in der zweiten Hälfte unter dem Einfluss von "Sozialgeschichtsschreibung, Mikrogeschichte, Feminismus und postkoloniale[n] Theorien", die "die größten Herausforderungen des traditionellen Begriffs von Größe und damit der 'Biographiewürdigkeit'" darstellten.21 Bereits 1939 fragte Virginia Woolf in ihrem Aufsatz "The Art of Biography"
[…] since so much is known that used to be unknown, the question now inevitably asks itself, whether the lives of great men only should be recorded. Is not anyone who has lived a life, and left a record of that life, worthy of biography – the failures as well as the successes, the humble as well as the illustrious? And what is greatness? And what is smallness? He [the biographer] must revise our standards of merits and set up new heroes for our admiration.22
[10] Der Einfluss der zweiten Welle des Feminismus war entscheidend für die Rezeption und Produktion von Biographien von und über Frauen, vor allem seit den 1960er Jahren. Sehr generell hält Schweiger dazu fest, dass sich die "Kriterien für 'Biographiewürdigkeit' […] im Laufe der Zeit, in Abhängigkeit von dominierenden wissenschaftlichen Tendenzen, gesellschaftlichen Kontexten und den Anforderungen des Buchmarkts ändern", und er betont, dass die Frage, über wen und warum welche Biographien verfasst werden, immer historisch kontextualisiert werden muss.23
[11] Schweiger weist im Zuge seiner Diskussion der Biographiewürdigkeit auch auf das Feld des Life Writing hin, "das neben der Biographik unterschiedliche Formen autobiographischen Schreibens wie Memoiren, Tagebücher, Briefe etc. inkludiert" und in dem die "Aufmerksamkeit gerade auch jenen Lebensgeschichten, die nicht aufgrund der sozialen Stellung der jeweiligen Personen als herausragend gelten", zuteilwird.24 Der Begriff 'Life Writing' wurde bereits seit der Frühen Neuzeit als Gattungsbezeichnung verwendet: Der Schriftsteller Francis Coventry etwa bezeichnete seine eigene Zeit, das 18. Jahrhundert, als "life-writing age" schlechthin.25 Im theoretischen Diskurs ist der Begriff seit den 1980er Jahren wieder populär und wird unter anderem verwendet, um das Biographie-Konzept zu öffnen,26 das allein schon durch seine teils starren Vorstellungen, welche Texte zu vollständigen Biographien zählen, den Personenkreis, der zu einem bestimmten Zeitpunkt als biographiewürdig betrachtet wurde, einschränkt. Wenn jedoch Kurz- oder Sammelbiographien oder auch Einblicke in Lebensgeschichten, die in anderen Form(at)en als der rückblickenden Prosaerzählung von gewisser Länge und Detailliertheit vorliegen, in die Biographieforschung miteinbezogen werden, erweitert sich der Kreis der biographierten Personen schlagartig.27
Biographische Ansätze in der Literaturwissenschaft
[12] Als im Oktober 2019 bekannt wurde, dass dem Österreicher Peter Handke der Nobelpreis für Literatur verliehen werden sollte, war die Empörung in der Öffentlichkeit teils groß: Wie konnte einem Autor, der etwa an Trauerfeiern für den wegen Kriegsverbrechen und Völkermords angeklagten Slobodan Milošević teilgenommen hatte, diese Ehre zuteilwerden? Die schwedische Akademie begründete die Vergabe des Preises mit Handkes "einflussreiche[m] Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung erforscht".28 Diese Kontroverse lässt sich im Kern auf unterschiedliche Herangehensweisen an die Literatur bzw. die Werk-Leben-Problematik reduzieren: Spielt das Leben des Autors, der Autorin eine Rolle für die Rezeption des Werks oder kann das Werk losgelöst von seiner Urheberschaft gelesen werden? In seinen Ausführungen zum Werk-Leben-Problem kommt Sven Hanuschek im Zusammenhang mit Schriftsteller:innen-Biographien zu dem Schluss:
Strikt erkenntnistheoretisch betrachtet, sind Werk und Leben ganz unterschiedliche Kategorien, die in biographischen Kurzschlüssen immer wieder vermengt werden. Dennoch verändern biographische Details den Blick: Wider besseres Methodenwissen wird man Ernst Jünger eben doch anders lesen, wenn man seine frühen antisemitischen Aufsätze kennt – auch wenn sich dadurch kein Wort an seinen Arbeiten der 1950er Jahre ändert […]. Dass wir biographisches Wissen trotz des kategorialen Unterschieds im Umgang mit Texten nicht wegfiltern können, ist sicher ein Grund, warum um biographische Details so hartnäckig gestritten wird, vor allem wenn sie die Zeit des nationalsozialistischen Deutschland betreffen.29
[13] Aus solchen Betrachtungen ergibt sich meines Erachtens zwingend die Notwendigkeit, über die persönliche interpretatorische Herangehensweise an das Werk einer Person zu reflektieren bzw. zu hinterfragen, auf welchen Prämissen der gewählte Ansatz beruht, da diese Prämissen sich entscheidend auf Forschungsfragen und -resultate auswirken. Die überblicksmäßigen Ausführungen zu den literaturwissenschaftlichen Ansätzen zur Biographik in diesem Abschnitt möchten dazu anregen, solche Überlegungen, die zentral das Spannungsfeld Leben und Werk betreffen, für die Rezeption und das Verfassen von Architekt:innen-Monographien fruchtbar zu machen. Auch dass, so banal das klingen mag, das Vorherrschen eines gewissen Ansatzes abhängig ist von politischen, ideologischen oder soziokulturellen Strömungen und ständigen Veränderungen unterworfen ist, erscheint mir grundlegend für die Historisierung von Biographien und den biographischen Ansatz in der Werkinterpretation.
[14] Eine übersichtliche Darstellung der unterschiedlichen Ansätze in der Literaturwissenschaft findet sich in Mario Klarers Einführung in die Anglistisch-Amerikanistische Literaturwissenschaft, in der der Autor zwischen text-, autor-, leser- oder kontextorientierten Ansätzen unterscheidet.30 Beispiele für textbezogene Ansätze wären Philologie, Rhetorik, Formalismus und Strukturalismus sowie New Criticism, Semiotik und Dekonstruktion. Rezeptionstheorie, Rezeptionsgeschichte und Reader-Response Criticism zählen zu den leserorientierten Ansätzen. Die Literaturgeschichte, die marxistische sowie feministische Literaturwissenschaft, New Historicism und Cultural Studies stuft Klarer als kontextorientiert ein.31 Unter den an Autor:innen orientierten Ansätzen findet sich schließlich neben Phänomenologie und psychoanalytischer Literaturwissenschaft auch die biographische, die folgendermaßen beschrieben wird:
Daten, Fakten und Ereignisse aus dem Leben von Schriftstellern werden mit Erscheinungen des Textes zur Deckung gebracht, um eine Wechselwirkung zwischen Begebenheiten im Leben des Autors und seinem Werk herzustellen. Oft werden Nachforschungen über Umgang, Milieu oder Bildung des Autors betrieben, die auf bestimmte Phänomene des Werkes bezogen werden. Dazu gehören auch Arbeiten, die die Bibliothek des Autors dahingehend untersuchen, mit welchen Werken er vertraut war, welche Schriften auf die Abfassung eines Werkes Einfluß genommen haben und mit welchen Personen der Autor in Kontakt stand (Briefe).32
Während Biographie sich im literaturwissenschaftlichen Kontext also üblicherweise auf eine Gattung bzw. Texte dieser Gattung bezieht und nicht generell auf Lebensläufe, bedienen sich biographische Ansätze in der Literaturwissenschaft nicht unbedingt nur bereits verfasster Lebensgeschichten, sondern durchaus auch anderer, wie auch immer dokumentierter Ereignisse aus dem Leben von Autor:innen.
[15] In einer chronologischen Übersicht verortet Klarer die Hochblüte der biographischen Literaturwissenschaft im 19. Jahrhundert.33 Biographische Ansätze in der Literaturanalyse finden sich allerdings schon viel früher als in dieser Darstellung festgehalten. Sie haben ihre Wurzeln in der Peripatetischen Schule der Antike34 und, wie ich in meiner Arbeit zu paratextuellem Life Writing zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert gezeigt habe,35 spielten biographische Informationen zu Autor:innen in der Interpretation ihrer Werke auch schon vor der Romantik eine entscheidende Rolle: Bereits vor dem Populärwerden des Geniegedankens wurden die Interpretation und die Vermarktung von Literatur stark an der Person der Dichter:in aufgehängt und zog man gleichzeitig das Leben heran, um die Entstehung und Beschaffenheit des literarischen Werks zu erklären. Frühe Biographien trugen dabei oft den deskriptiven Titel "The Life and Works of […]", der eine enge Verbindung zwischen dem Leben und Werk nahelegte; und selbst wenn das Leben nicht immer als Erklärungshilfe für das Werk diente und die Abschnitte "Leben" und "Werk" in unterschiedlichen Kapiteln abgehandelt wurden, so wurden Leben und Werk doch in der Form eines zusammenhängenden Textes in unmittelbarer Nähe zueinander präsentiert, was auf formaler Ebene eine gewisse Untrennbarkeit und gegenseitige Beeinflussung suggerierte. Diese Herangehensweise blieb auch im frühen 18. Jahrhundert populär, als sich die Literaturkritik langsam als eigenständige Disziplin herausbildete.
[16] Gattungsübergreifend sei hier angemerkt, dass die formale Unterteilung in 'Leben' und 'Werk' nicht nur in den Biographien von Schriftsteller:innen stattfand, sondern etwa auch in solchen von bildenden Künstler:innen, über die Karin Hellwig bemerkt:
Als Konstante lässt sich in den Künstlerbiographien des 18. Jahrhunderts die Trennung in die großen Bereiche Lebensgeschichte und Werkbeschreibung erkennen. Dem Anspruch auf 'Vollständigkeit' gerecht zu werden, bedeutete für die Autoren auch eine inhaltliche Erweiterung im Vergleich zu den Viten und Sammelbiographien, die sich bereits im Titelzusatz 'Leben und Werk' spiegelt. Das Oeuvre rückt immer mehr ins Zentrum, was vor dem Hintergrund zu verstehen ist, dass man im 18. Jahrhundert die künstlerische Individualität nicht mehr primär an der vorbildlichen Lebensweise und 'Tugend' des Künstlers festmachte, sondern seinem Schaffen eine zentralere Rolle zuwies.36
[17] Für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und den deutschsprachigen Raum hält Hanuschek bezugnehmend auf Klaus Weimar fest, dass die Biographie "die eigentliche Domäne der neudeutschen Philologie" gewesen sei,37 und er weist darauf hin, dass ab den 1880er Jahren "das Werk im Sinne einer Leben-Werk-Darstellung gewürdigt wird, aber im Vergleich mit der Lebensrekonstruktion und -darstellung tritt es in den Hintergrund".38 In Künstler:innen-Biographien wiederum maß man in dieser Epoche der "Werkbeschreibung und -analyse […] mehr Bedeutung zu" als zuvor.39
[18] In der Literaturwissenschaft fand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Abkehr von biographischen Ansätzen statt. Im New Criticism beispielsweise, der sich einer werkimmanenten Interpretation von Texten verschrieb, wurden alle extrinsischen Informationen als irrelevant ausgeklammert; dieser Ansatz verstand sich explizit als Gegenbewegung zu den damals vorherrschenden historischen, biographischen und psychologischen Ansätzen. W. K. Wimsatt und Monroe Beardsley argumentierten 1946, dass "neither our knowledge about an author nor the particular affect [sic] a piece has on its readers are valid grounds for judging the quality of the text".40 Auch mit dem Aufkommen von Poststrukturalismus und Dekonstruktion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückte das Leben von Autor:innen weiter in den Hintergrund. Es sei etwa daran erinnert, dass Roland Barthes 1968 in dem gleichnamigen Artikel den "Tod des Autors" proklamierte und behauptete, dass das Leben bzw. die Person des Autors nicht Teil des literarischen Werks bzw. des Textes sei,41 und dabei einen text- und leserorientierten Ansatz vertrat.
[19] Unter dem Eindruck poststrukturalistischer und postmoderner Ideen wurde auch die Möglichkeit einer Biographie an sich in Frage gestellt: "If language cannot transparently convey reality, if the self is a fictive construct or mere multiplicity of subject positions, if narrative itself imposes a false coherence on events, then no biographical account of someone’s life can be in any sense 'true'."42 Als einflussreich erwies sich hier auch die Kritik des Soziologen Pierre Bourdieu, der Mitte der 1980er Jahre die Biographie als rhetorische Illusion bezeichnete. Er zweifelte an jenen Strukturen klassischer Biographien, die oft an die traditionellen Strukturen des (Entwicklungs-)Romans angelehnt sind, als adäquate Darstellungsform.43
[20] In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts also stand laut Hanuschek die Literaturwissenschaft der Biographie mehr als nur skeptisch gegenüber und verbannte sie größtenteils aus der philologischen Praxis.44 Vor allem in der germanistischen Literaturwissenschaft wurden biographische Ansätze zu dieser Zeit oft auf die negativ besetzte Idee des Biographismus reduziert, in dem "biographischen Fakten eine überzogene Bedeutung hinsichtlich der übergreifenden kulturgeschichtlichen Zusammenhänge, in die ein Autor eingebunden ist, als auch hinsichtlich der Interpretation seiner Werke" zugeschrieben wird, "eine trivialisierende Verzettelung in biographische Einzelheiten ohne die Fähigkeit, große Synthesen herzustellen".45 Etwas differenzierter fasst Hanuschek die Skepsis, die der Verbindung von Leben und Werk in der Literaturwissenschaft oft entgegengebracht wurde, wie folgt zusammen:
Wie lassen sich beide darstellen in ihrem mutmaßlichen Zusammenhang, ohne in banale Psychologisierungen oder die berühmte 'biographical fallacy' zu geraten, also den Versuch, ein Werk durch biographische Erfahrungen eines Autors zu erklären? Immer wieder werden Schriftstellerbiographien mit der Hoffnung gerechtfertigt, man könne durch biographische Kontextualisierung mehr über die Werke erfahren, sie besser interpretieren. Ein Großteil traditioneller Biographik beschränkt sich hier auf den Nachweis autobiographischer Elemente, ohne dass immer klar würde, was wir denn mehr wissen, wenn wir wissen, aus welchen Bausteinen, Erlebnissen, auch Leseerlebnissen die jeweiligen Werke zusammenassoziiert worden sind.46
[21] Während das Leben von Autor:innen und die Verbindung zwischen Leben und Werk in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand also lange vernachlässigt wurden, war das Interesse aus der öffentlichen Wahrnehmung eigentlich nie verschwunden, wie etwa Paula Backscheiders Kommentar zur Popularität von Lebensgeschichten belegt: "[…] readers have come back and back to biography, ceaselessly seeking to understand the way human beings have lived, the shapes of life, how individuals fit into history, and the ways humankind has grappled with the advantages and obstacles that life inevitably entails".47 Auch der Beitrag "Die vielen Leben der Biographie" sei hier erwähnt, in dem Bernhard Fetz feststellt, dass "die verschiedenen Emanationsformen des Biographischen […] tatsächlich das Defizit, das einerseits die humanistische Bildungstradition, andererseits die postmodernen Subjekttheorien hinterließen, auszugleichen" scheinen.48
[22] Ende der 1990er Jahre waren die Ideale der werkimmanenten Interpretation in deutschsprachigen Universitäten noch immer einflussreich, sowohl in der germanistischen als auch der anglophonen Literaturwissenschaft, obwohl zu diesem Zeitpunkt Lesarten, in denen der Lebenskontext von Autor:innen wieder eine größere Rolle spielt, in der akademischen Landschaft bereits fest etabliert waren – hier sind nicht nur der von Klarer angeführte New Historicism zu nennen, sondern vor allem auch postkoloniale Ansätze sowie die Gender Studies. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden dann – auch unter dem Einfluss des sogenannten Memoir-Booms, der in den späten 1990er Jahren eingesetzt hatte,49 – die Life Writing Studies zu einem florierenden Forschungszweig der Literatur- und Kulturwissenschaften, besonders im anglophonen Raum.
Biographien als literaturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand im 21. Jahrhundert
[23] Während in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch oft beklagt wurde, dass Biographien in der akademischen Forschung unterrepräsentiert waren,50 und deren mangelnde Theoretisierung noch bis ins 21. Jahrhundert thematisiert wurde,51 erfreuen sich Biographien als Forschungsgegenstand inzwischen großer Beliebtheit. Die Biographieforschung und Life Writing Studies gehören derzeit zu den lebendigsten und thematisch und methodisch vielfältigsten Forschungsgebieten der Literatur- und Kulturwissenschaft. Das ist unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass unter dem Einfluss kulturwissenschaftlicher Ideen Biographien als Forschungsobjekte an sich legitimiert sind und nicht nur als 'Sekundärmaterial' in Literaturinterpretationen dienen: "In den letzten Jahren erfuhr die Biographie geradezu privilegierte Aufmerksamkeit, in der Theoriebildung gewinnt sie zusehends an Profil."52 Bei einigen der aktuellen interdisziplinären Forschungsinteressen wie dem Life Writing from Below,53 den Animal Biographies54 oder den Biographies of Objects55 tritt dabei die Werk-Leben-Thematik im traditionellen Sinn in den Hintergrund.
[24] Die Gründung von akademischen Zeitschriften und Gesellschaften trug entscheidend zur Etablierung der Biographieforschung und der Life Writing Studies in der akademischen Landschaft bei. Biography: An Interdisciplinary Quarterly erscheint seit 1978, 1985 folgte a/b: Auto/Biography Studies, 2004 die Zeitschrift Life Writing und 2012 das Journal of European Life Writing, das von Anfang an online und im Open Access verfügbar war. Der Austausch zwischen Wissenschaftler:innen, die zu Life Writing forschen, erfolgt darüber hinaus zum Beispiel über die Mailingliste der IABA, der International AutoBiography Association. Gegründet 1999, organisiert die IABA inzwischen nicht nur zweijährlich große Jahrestagungen, sondern auch Tagungen der Unterverbände IABA Europe, IABA of the Americas, IABA Asia-Pacific und IABA Africa und versteht sich als "an interdisciplinary international group founded […] to create a way for researchers and cultural producers in the field of biography, autobiography and life writing to share their work".56
[25] Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nahm auch die theoretische Diskussion im deutschsprachigen Raum Fahrt auf, belegt etwa durch die 2009 erschienenen Sammelbände Die Biographie – Zur Grundlegung ihrer Theorie57 (Hg. Bernhard Fetz) und Die Biographie – Beiträge zu ihrer Geschichte (Hg. Wilhelm Hemecker),58 das hier bereits mehrfach zitierte Handbuch Biographie (Hg. Christian Klein, ebenfalls 2009)59 oder die Gründung des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie im Jahr 2005, das seit 2019 als Forschungsverbund Geschichte und Theorie der Biographie an der Universität Wien weitergeführt wird60. Auch im anglophonen Bereich etablierten sich mehrere Forschungszentren zu Life Writing Studies, z. B. das Network for Life-Writing Research (früher Centre for Life Writing Research) am King’s College, London,61 das Centre for Life History and Life Writing Research an der University of Sussex62 oder das Center for Biographical Research an der University of Hawaii63.
[26] Die Biographieforschung bzw. die Life Writing Studies sind dabei interdisziplinär angelegt und gehen inzwischen weit über das Studium schriftlich verfasster Lebensgeschichten hinaus. In den vergangenen Jahren richtete sich das Augenmerk unter anderem verstärkt auf die Erforschung von digital produziertem Life Writing und es werden die Möglichkeiten der Digital Humanities zur Erforschung von biographischer Produktion und zur Darstellung von Ergebnissen der Biographieforschung ausgelotet.
[27] Die Relevanz der Biographieforschung im 21. Jahrhundert lässt sich abschließend mit den folgenden Einsichten von Bernhard Fetz zusammenfassen:
Einen Zentralbegriff aus John Austins Sprechakttheorie aufgreifend […] sind Biographien auch immer 'perlokutionäre Akte': Sie besitzen Einfluss auf das Nachleben einer Person, sie sind an Prozessen der Kanonisierung oder Wiederentdeckung beteiligt. Biographische Darstellungen können außerdem Akte der Entlarvung (im Englischen 'Debunking') oder der Wiederaneignung (eines 'Reclaiming' in postkolonialen Kontexten) sein. Die Frage nach dem kulturellen Kontext beziehungsweise nach den je spezifischen Symbolsystemen, die bei der Herausbildung biographischer Muster wirksam werden, muss bei jeder Analyse biographischer Erzählungen gestellt werden.64
Der Zugang zu digitalisierten Originaltexten in der Form von Volltextdatenbanken oder Onlinearchiven erleichtert solche Analysen, besonders wenn sie historische Quellen betreffen, und birgt das Potential, biographische Texte in ihrem ursprünglichen Publikationskontext neu einzuordnen, neue Erkenntnisse zur Biographiewürdigkeit zu gewinnen sowie den Einfluss von Informationen über das Leben von Autor:innen auf die Rezeption ihres Werkes zu reflektieren. So erscheint etwa der Mangel an zeitgenössischen biographischen Informationen zu William Shakespeare umso erstaunlicher, wenn man sich der Fülle des (paratextuellen) Life Writing bewusst ist, die im frühen 17. Jahrhundert nicht nur über kanonisierte Dichter:innen, sondern auch über heute weitgehend unbekannte Autor:innen verfasst wurde.
Special Issue
Ruth Hanisch, Richard Kurdiovsky, Bernadette Reinhold and Antje Senarclens
de Grancy, guest eds., Architekt:innen-Monographien.
Kanonisierung, Kontextualisierung, Kritik, in: RIHA
Journal 0326-0334 (30 September 2025), DOI: https://doi.org/10.11588/riha.2025.2.
License
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Commons License CC-BY-NC-ND 4.0.
1 René Wellek und Austin Warren, Theory of Literature, Harmondsworth 1993 [Erstveröffentlichung 1949], 75.
2 Bernhard Fetz, "Die vielen Leben der Biographie: Interdisziplinäre Aspekte einer Theorie der Biographie", in: Die Biographie – Zur Grundlegung ihrer Theorie, hg. v. Bernhard Fetz, Berlin/New York 2009, 3-66, hier 7.
3 Christian Klein (Hg.), Handbuch Biographie: Methoden, Traditionen, Theorien, Stuttgart 2009.
4 Falko Schnicke, "1. Begriffsgeschichte: Biographie und verwandte Termini", in: Handbuch Biographie (2009), 1-6, hier 1.
5 Schnicke (2009), 4.
6 Vgl. auch Ruth Hoberman, "Biography: General Survey", in: Encyclopedia of Life Writing: Autobiographical and Biographical Forms, Bd. 1: A–K, hg. v. Margaretta Jolly, London/Chicago 2001, 109-112.
7 Thomas Wilson und Desiderius Erasmus, The Art of Rhetorique: For the Vse of All Such as Are Studious of Eloquence, Set Forth in English, by Thomas Wilson, London 1585, 11-18. Die Originalpassagen, auf die Wilson hier Bezug nimmt, finden sich in Quintilians Institutio Oratoria im Abschnitt 3.4.
8 Siehe Lemma "biography, n.", in: OED [Oxford English Dictionary] Online, https://doi.org/10.1093/OED/7046020236 (abgerufen am 1. September 2025).
9 John Fell, The Life of that Reverend Divine, and Learned Historian, Dr. Thomas Fuller, London 1661, 105.
10 Thomas Fuller, John Fuller, und David Loggan, The History of the Worthies of England: Who for Parts and Learning Have Been Eminent in the Several Counties, London 1662.
11 Samuel Johnson, The Dignity and Usefulness of Biography (= The Rambler, Nr. 60, 13. Oktober 1750), 31.
12 Vgl. hierzu etwa Rüdiger Zymner, "Biographie als Gattung?", in: Handbuch Biographie (2009), 7-11.
13 Armin Nassehi, "Die Form der Biographie. Theoretische Überlegungen zur Biographieforschung in methodologischer Absicht", in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 7 (1994), 46-63, hier 57.
14 Ira Bruce Nadel, "Biography & Four Master Tropes", in: Biography 6 (1983), Heft 4, 307-315, hier 308.
15 Vgl. hierzu etwa das von Robert Darnton für die Abbildung der Dynamiken des Buchmarkts entwickelte Modell des Communication Circuit, Darnton, "What is the History of Books?“, in: Daedalus 111 (1982), Heft 3, 65-83, hier 68.
16 Vgl. dazu etwa Wilson Snipes, "Authorial Typology in Literary Biography”, in: Biography 13 (1990), Heft 3, 235-250 oder Jeanne W. Halpern, "Biographical Images: Effects of Formal Features on the Way We See a Life", in: Biography 1 (1978), Heft 4, 1-14.
17 Johnson (1750), 32.
18 Stephen Duck, Poems on Several Subjects: Written by Stephen Duck, Lately a Poor Thresher in a Barn in the County of Wilts, at the Wages of Four Shillings and Six Pence Per Week: Which Were Publickly Read in the Drawing-Room at Windsor Castle, on Friday the 11th of September, 1730, to Her Majesty. Who Was Thereupon Most Graciously Pleased to Take the Author into Her Royal Protection, by Allowing Him a Salary of Thirty Pounds Per Annum, and a Small House at Richmond in Surrey, to Live in, for the Better Support of Himself and Family. [the Seventh Edition, Corrected. To Which Is Added, Some Account of the Life of the Author.], London 1730.
19 Hannes Schweiger, "'Biographiewürdigkeit'", in: Handbuch Biographie (2009), 32-36, hier 33, unter Bezug auf Christian von Zimmermann, Biographische Anthropologie. Menschenbilder in lebensgeschichtlicher Darstellung (1830–1940), Berlin 2006.
20 Juliette Atkinson, Victorian Biography Reconsidered: A Study of Nineteenth-Century 'Hidden' Lives, Oxford 2010, 146.
21 Schweiger (2009), 34.
22 Virginia Woolf, "The Art of Biography", in: The Death of the Moth and Other Essays, London 1947, 119-126, hier 125.
23 Schweiger (2009), 32.
24 Schweiger (2009), 35.
25 Francis Coventry und Mary Cooper, The History of Pompey the Little, or, the Life and Adventures of a Lap-Dog, London 1751, 8.
26 Vgl. Margaretta Jolly, "Editor’s Note", in: Encyclopedia of Life Writing (2001), ix-xii, hier ix: "The term 'life writing' itself […] has been chosen for the title because of its openness and inclusiveness across genre, and because it encompasses the writing of one’s own or another’s life. […] it is also appropriate to shelter under life writing’s umbrella several entries on life story originating outside of the written form, including testimony, artifacts, reminiscence, personal narrative, visual arts, photography, film, oral history, and so forth."
27 Vgl. dazu etwa auch Thomas F. Mayer und Daniel R. Woolf, "Introduction", in: The Rhetorics of Life-Writing in Early Modern Europe, hg. v. Thomas F. Mayer und Daniel R. Woolf, Ann Arbor 1995, 1-37; Kevin Sharpe und Steven N. Zwicker, "Introducing Lives", in: Writing Lives, hg. v. Kevin Sharpe und Steven N. Zwicker, Oxford 2008, 1-26; oder Sarah Herbe, "Love the Authour": Paratextual Life-writing in English Poetry Books, 1563–1777, Heidelberg (im Druck).
28 "Nobelpreis an Peter Handke: Die Begründung im Wortlaut", in: Der Kurier (10. Oktober 2019), https://kurier.at/kultur/nobelpreis–an–peter–handke–die–begruendung–im–wortlaut/400643381 (abgerufen am 6. September 2022).
29 Sven Hanuschek, "Literaturwissenschaften", in: Handbuch Biographie (2009), 339-348, hier 347.
30 Mario Klarer, Einführung in die Anglistisch-Amerikanistische Literaturwissenschaft, Darmstadt 1998, 10.
31 In dieser Auflistung sind wichtige neuere Ansätze wie Ecocriticism oder Distant Reading sowie die Digital Humanities noch nicht berücksichtigt.
32 Klarer (1998), 22-23.
33 Klarer (1998), 31.
34 George A. Kennedy und Doreen C. Innes, "Hellenistic Literary and Philosophical Scholarship", in: The Cambridge History of Literary Criticism, Bd. 1: Classical Criticism, hg. v. George A. Kennedy, Cambridge (UK) 1989, 200-219, hier 205.
35 Herbe (im Druck).
36 Karin Hellwig, "Kunstgeschichte", in: Handbuch Biographie (2009), 349-357, hier 350-351.
37 Klaus Weimar, Geschichte der deutschen Literaturwissenschaft bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, München 1989, 454; zitiert nach Hanuschek (2009), 342.
38 Hanuschek (2009), 342.
39 Hellwig (2009), 351.
40 Ian Buchanan, Oxford Dictionary of Critical Theory, Oxford 2010, 111.
41 Roland Barthes, "Der Tod des Autors", übers. Matias Martinez, in: Texte zur Theorie der Autorschaft, hg. v. Fotis Jannidis et al., Stuttgart 2000, 185-193, hier 188-189.
42 Hoberman (2001), 111.
43 Pierre Bourdieu, "Die biographische Illusion", übers. Eckart Liebau, in: BIOS: Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 3 (1990), Heft 1, 75-81.
44 Hanuschek (2009), 340.
45 Hans-Martin Kruckis, "Positivismus/Biographismus", in: Methodengeschichte der Germanistik, hg. v. Jost Schneider, Berlin/New York 2009, 573-596, hier 574.
46 Hanuschek (2009), 346.
47 Paula R. Backscheider, Reflections on Biography, Oxford 1999, 21.
48 Fetz (2009), 23.
49 Siehe z.B. Julie Rak, Boom! Manufacturing Memoir for the Popular Market, Waterloo, Ontario 2013; vor allem Kapitel 1: "'More Books': Publishing, Non-fiction, and the Memoir Boom", 43-72.
50 Siehe etwa James Cliffords Klage aus dem Jahr 1960: "Even today, when the climate of opinion is favourable, the number of books and articles devoted to the problems involved in writing a life is slight when compared to the thousands which concentrate on the other genres. A customary explanation is that literary criticism has to do largely with the process of creation, and that biography is essentially not creative. Yet today any such claim is sure to be followed by an immediate denial." James L. Clifford (Hg.), Biography as an Art: Selected Criticism 1560–1960, London/New York/Toronto 1962, 9.
51 Siehe etwa Daniel R. Meister, "The Biographical Turn and the Case for Historical Biography", in: History Compass 16 (2018), Heft 1, 1-10.
52 Fetz (2009), 7.
53 Timothy G. Ashplant, "Life Writing 'from Below' in Europe: Introduction", in: European Journal of Life Writing 7 (2018), 1-9, DOI: https://doi.org/10.5463/ejlw.7.237.
54 André Krebber und Mieke Roscher (Hg.), Animal Biography: Re-framing Animal Lives, Cham (CH) 2018 oder Alison E. Wright, "Listening to Landseer’s Polar Bears. Man Proposes, God Disposes (1864) as a Case Study in Animal Biography and Art History", in: Interventions. International Journal of Postcolonial Studies 25 (2023), Heft 8, 1-19.
55 Zum Beispiel Dietrich Boschung, Biography of Objects. Aspekte eines kulturhistorischen Konzepts, Paderborn 2015.
56 Siehe https://sites.google.com/ualberta.ca/iaba/home (abgerufen am 6. September 2022).
57 Bernhard Fetz (Hg.), Die Biographie – Zur Grundlegung ihrer Theorie, Berlin/New York 2009.
58 Wilhelm Hemecker (Hg.), Die Biographie – Beiträge zu ihrer Geschichte, Berlin 2009.
59 Christian Klein (Hg.), Handbuch Biographie: Methoden, Traditionen, Theorien, Stuttgart 2009.
60 Siehe https://gtb.univie.ac.at (abgerufen am 25. Juni 2025).
61 Siehe https://www.kcl.ac.uk/research/centre–for–life–writing–research (abgerufen am 1. September 2025).
62 Siehe https://www.sussex.ac.uk/clhlwr/ (abgerufen am 1. September 2025).
63 Siehehttps://manoa.hawaii.edu/cbr/ (abgerufen am 25. Juni 2025).
64 Fetz (2009), 33.


