RIHA Journal 0328 | 30 September 2025
Forschung als Fortschreibung von Selbstnarrativen?
Zur Nachwirkung von Margarete Schütte-Lihotzkys Lebenserzählungen
Abstract
The Austrian architect Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) remained
professionally and politically active well into old age. Nevertheless, scholarly
research on her life and work has largely focused on the period before 1945,
particularly on two relatively short phases: her early professional years in Red
Venna (1920–1925) and her work for the New Frankfurt public housing
programme (1926–1930). This article examines how this narrowed
representation of Schütte-Lihotzky’s life came into being and
argues that she herself played a significant role in shaping it. Beginning in the
1970s, through her publications and media presence, she actively contributed to
the construction of the image that still dominates scholarly discourse today.
The article traces the development and influence of this autobiographical
narrative and highlights the resulting blind spots in the existing body of
research on Schütte-Lihotzky.
Einleitung
[1] Alle Jahre wieder gedenkt man in Wien im Januar der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000). Anlässlich ihres Geburtstages (23. Januar) oder ihres Todestages (18. Januar) finden dann Lesungen, Diskussionsveranstaltungen und Empfänge statt. Gelegentlich tritt der Musiker Rotifer auf, der ihrem bekanntesten Werk einen Song gewidmet hat: The Frankfurt Kitchen.1 Selbstverständlich berichtet auch die Presse. Als es 2017 wieder einmal so weit war, schrieb Der Standard, Schütte-Lihotzky gelte
bis heute als unangefochtener Mythos der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die Nachschlagewerke rühmen sie als "erste Architektin Österreichs", als "Pionierin der sozialen Architektur", als "Erfinderin der Frankfurter Küche", als "Aktivistin der Frauenbewegungen", als "Heldin des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur".2
Mit derartigen Schlagworten benannte die Tageszeitung zwar wichtige Aktivitäten der Architektin. Doch diese Beschreibungen werden ihrem langen Leben natürlich nur bedingt gerecht.
[2] Im Jahr 1897, also noch zu Zeiten der Habsburgermonarchie, wurde Margarete Lihotzky in eine bürgerliche Familie hineingeboren. Während des Ersten Weltkriegs studierte sie als eine der ersten Frauen ihres Landes Architektur und begann ihre berufliche Laufbahn mit Beginn der Republik im Jahr 1919. In den folgenden zwei Jahrzehnten war sie im Roten Wien ebenso tätig wie im Neuen Frankfurt, in der Sowjetunion der Stalinzeit und im jungen türkischen Nationalstaat. In der Mainmetropole entwickelte sie in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre ihre berühmte Frankfurter Küche (Abb. 1).
[3] In der Zwischenkriegszeit gehörte sie zu den Teilnehmenden der Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) und arbeitete mit Größen ihrer Zunft wie Adolf Loos, Ernst May und Bruno Taut zusammen. Schon früh engagierte sie sich auch politisch, trat 1924 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei, stand in Kontakt mit Akteur:innen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und wurde schließlich – 1939, in der Türkei – Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). In Istanbul schloss sie sich auch dem Widerstand gegen die NS-Diktatur an, reiste als Kurierin nach Wien, wo sie verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Haft verbrachte sie überwiegend im bayerischen Aichach.
1 Margarete Schütte-Lihotzky, Ausstellungsmodell der Frankfurter Küche, 1927, Foto: Hermann Traugott Collischonn. Universität für angewandte Kunst Wien, Archiv, NL MSL, 50/29/FW
[4] Nach ihrer Befreiung im Jahr 1945 kehrte sie – nach einem kurzen Intermezzo in Sofia – in ihre Heimatstadt Wien zurück. Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt eine international anerkannte Architektin war, erhielt sie kaum noch öffentliche Aufträge. Im restaurativen Klima des Kalten Kriegs hatte die Stadt Wien für eine Frau und Kommunistin, der noch dazu die beruflichen Netzwerke abhandengekommen waren, offenbar keine Verwendung mehr. Schütte-Lihotzky arbeitete nun vermehrt im Ausland, etwa in der DDR, auf Kuba oder in China, und baute Verlagshäuser und Buchhandlungen für ihre Partei, die KPÖ. Zugleich intensivierte sie ihr politisches Engagement (Abb. 2). Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten war sie Vorsitzende des KPÖ-nahen Bunds Demokratischer Frauen Österreichs (BDFÖ).
2 Margarete Schütte-Lihotzky spricht auf einer Friedensdemonstration in Wien, Juni 1961, Foto: Oscar Horowitz. Universität für angewandte Kunst Wien, Archiv, NL MSL, F/187
[5] Nachdem sie lange Zeit gesellschaftlich ausgegrenzt worden war, begann in den späten 1970er Jahren ihre Wiederentdeckung. Nun, sie war bereits über Achtzig, erschienen Reportagen und Berichte über sie. Die Technischen Universitäten München, Graz und Wien verliehen ihr die Ehrendoktorwürde, die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg ernannte sie zum Ehrenmitglied. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit Stern für Verdienste um die Republik Österreich. Zudem trat sie vermehrt als 'mahnende Zeitzeugin' auf und veröffentlichte 1985 ihre Memoiren über die Widerstands- und Haftzeit (Abb. 3).
3 Margarete Schütte-Lihotzky, Erinnerungen aus dem Widerstand. 1938–1945, hg. von Chup Friemert, Hamburg 1985, Buchcover
Ihre politische Haltung bewahrte sie sich dabei bis zu ihrem Tod: Eine ihr 1988 zugesprochene Auszeichnung durch Bundespräsident Kurt Waldheim lehnte sie wegen dessen NS-Vergangenheit ab. Und noch im Jahr 1995 verklagte sie den rechtsextremen Politiker Jörg Haider wegen dessen verharmlosender Äußerungen über die nationalsozialistischen Konzentrationslager.
[6] Als Margarete Schütte-Lihotzky am 18. Januar 2000 starb, kurz vor ihrem 103. Geburtstag, hatte sie wahrlich ein Jahrhundertleben gelebt.3 Sie hatte nicht nur das gesamte zwanzigste Jahrhundert miterlebt, sondern sich auch an zahlreichen seiner Hotspots bewegt. Als Architektin hatte sie über das Pensionsalter hinaus gearbeitet, als Publizistin und politische Akteurin blieb sie bis zu ihrem Tod aktiv. Gleichwohl gestaltet sich die öffentliche Rezeption ihres Lebens bislang überaus einseitig. Im Ausland ist die Architektin ohnehin nur in Fachkreisen bekannt. Doch selbst in ihrer Heimat Österreich, wo sie durchaus eine prominente Figur ist, beschränkt sich die Beschäftigung mit ihrem Werk auf die wenigen eingangs benannten Felder. Diese Schieflage spiegelt sich auch in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ihr wider: Obwohl die Wienerin bis kurz vor ihrem Tod aktiv war, liegt der Schwerpunkt der Forschung auf ihrer ersten Lebenshälfte, und hier wiederum vor allem auf zwei relativ kurzen Phasen: ihren ersten Berufsjahren im Roten Wien (1920–1925)4 und der Tätigkeit für das Neue Frankfurt (1926–1930)5. Innerhalb dieses engen Rahmens befassen sich die meisten Texte – wenig überraschend – mit der Frankfurter Küche, während andere ihrer architektonischen Werke bislang deutlich seltener wissenschaftlich untersucht worden sind.6 Daneben gibt es noch einige Veröffentlichungen zu Schütte-Lihotzkys Tätigkeit in der Türkei (1938–1940)7 und zu ihrer Widerstands- und Gefängniszeit (1940–1945).8
[7] Besonders deutlich wurde diese verengte Rezeption, als die Sachbuchautorin Mona Horncastle im Jahr 2019 die erste Schütte-Lihotzky-Biographie überhaupt veröffentlichte.9 Zwar lobte das Feuilleton, Horncastle habe die "längst fällige" Biographie vorgelegt, "die alle Lebensaspekte der in Österreich lang ignorierten Architektin erfasst, alle Wege und Irrwege".10 Doch genau das war nicht der Fall. Vielmehr weist der populär aufbereitete Band – jenseits aller inhaltlichen Mängel11 – ein seltsames Ungleichgewicht auf: Der weitgehend gut erforschten Zeit bis 1945 widmete Horncastle den allergrößten Teil ihrer Darstellung, nämlich fast 200 Seiten. Die restlichen 55 Lebensjahre handelte sie hingegen auf gerade mal 40 Seiten ab; davon entfiel wiederum mehr als ein Drittel auf eine China-Reise, zu der bereits eine umfängliche Dokumentation vorliegt.12
[8] Zu diesem einseitigen Bild tragen in gewisser Weise die Logiken medialer Berichterstattung bei, nach denen sich bestimmte Narrative besonders gut verkaufen lassen. – Zweifellos gilt das auch für Horncastles Buch, das für ein breiteres Publikum verfasst worden ist. – Doch sollten derartige Mechanismen eigentlich bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit einem Thema keine Rolle spielen. Trotzdem lässt sich auch hier eine ziemlich verengte Darstellung von Schütte-Lihotzkys Leben beobachten. Wie kommt diese zustande? Warum sind bestimmte Phasen ihres Lebens weitgehend ausgeforscht, während andere noch kaum untersucht wurden? Diesen Fragen werde ich im Folgenden nachgehen.
[9] Eine Hypothese lautet: Schütte-Lihotzky selbst ist für diese einseitige Schwerpunktsetzung mitverantwortlich. Seit den 1970er Jahren hat sie ganz wesentlich das Bild mitgeprägt, das die Wissenschaft heute von ihr hat. Vor allem in Interviews und ihrem eigenen life narrative gab sie eine Erzählung vor. Doch auch durch die Mitarbeit an einer großen Ausstellung zu ihrem Lebenswerk und dem dazugehörigen Begleitband, und nicht zuletzt durch die Zusammenstellung ihres Vorlasses hat sie mögliche Deutungen ihrer Biographie angeboten. Dieses autobiographische Narrativ und seine Wirkung auf die wissenschaftliche Kanonbildung sollen im Folgenden nachgezeichnet werden. Abschließend sollen 'blinde Flecken' in der bisherigen Forschung zu Schütte-Lihotzky aufgezeigt werden.
Schütte-Lihotzkys life narrative
[10] Die Frankfurter Küche ist zweifellos Schütte-Lihotzkys bekanntestes Werk: die erste massenhaft produzierte Einbauküche, platzsparend konzipiert für die beengten Verhältnisse der neuen Arbeiter- und Angestelltenwohnungen der 1920er Jahre, die Arbeitswege mit der Stoppuhr abgemessen. Sie verhalf der Architektin zu internationalem Ruhm. Die Küche selbst wurde zum Designklassiker und befindet sich heute in zahlreichen Museen.13 Trotzdem haderte Schütte-Lihotzky damit, dass sie in der Öffentlichkeit häufig auf diesen einen Entwurf reduziert wurde: "Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut!"14
[11] Auf Anhieb erfuhr die Küche große Aufmerksamkeit. Die internationale Presse berichtete ausführlich darüber,15 auch die Untersuchungen der Architektin zur "Rationalisierung im Haushalt" wurden im Ausland viel beachtet.16 Der damalige französische Arbeitsminister plante sogar, die Frankfurter Küche hunderttausendfach in seinem Land bauen zu lassen.17 Dieser Zuspruch kam nicht von ungefähr. Neben der innovativen Gestaltung der Küche spielte zweifellos auch eine Rolle, dass sie geschickt vermarktet wurde. In Artikeln und Ausstellungen wurden ihre Vorzüge ebenso präsentiert wie bei Führungen durch die fertigen Siedlungen und durch eine Musterküche im Frankfurter Rathaus. Auch ein kurzer Werbefilm entstand in dieser Zeit. Obwohl die Frankfurter Küche im Team entwickelt wurde,18 war Schütte-Lihotzky für ihren Vorgesetzten, den Stadtbaudirektor Ernst May, unter werbewirksamen Aspekten offenbar eine Idealbesetzung als "Erfinderin".19 So betonte er in einem Rechenschaftsbericht, dass die Frankfurter Küche "durch eine Frau in Verbindung mit den Frauen" entwickelt worden sei.20 "Es kam den damaligen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Vorstellungen entgegen, dass eine Frau im Wesentlichen am häuslichen Herd arbeitet. Deshalb wisse auch eine Frau als Architekt am besten, was für das Kochen wichtig ist", merkte Schütte-Lihotzky später hierzu an. "Das machte sich eben damals propagandistisch gut."21
[12] Aber auch sie selbst trug aktiv zur Popularisierung der Küche bei. Sie schrieb Artikel, tourte durchs Land und referierte bei Hausfrauenvereinen. Es habe "kaum eine deutsche Großstadt" gegeben, "wo ich dann nicht einen Vortrag gehalten habe".22 Auf diese Art eignete sich Schütte-Lihotzky Fähigkeiten an, die sie später nutzen konnte, als es darum ging, Narrative ihrer Vergangenheit an die Öffentlichkeit zu bringen.
[13] Mit der Vermittlung ihrer eigenen Lebensgeschichte, und zwar der Widerstands- und Haftzeit, begann sie unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Architektin engagierte sich im Vorstand des KZ-Verbandes, um das Gedenken an die ermordeten Genoss:innen aufrechtzuerhalten. In der 1945 erschienenen KPÖ-Broschüre Unsterbliche Opfer erinnerte sie an Herbert Eichholzer, mit dem sie in der Türkei politisch zusammengearbeitet hatte und der vom NS-Regime wegen seiner antifaschistischen Aktivitäten zum Tode verurteilt worden war.23 Dieser Aufsatz nehme, so Antje Senarclens de Grancy, eine "Ausnahmestellung im schriftlichen Werk der Architektin" ein, handle es sich doch um den ersten Text, den Schütte-Lihotzky über einen Zeitgenossen verfasst habe.24 Auch in der Folgezeit engagierte sie sich erinnerungspolitisch. So gehörte sie in den sechziger Jahren zu den Gründerinnen eines überparteilichen Frauenkomitees, das drei Jahrzehnte lang in der Wiener Urania politische Filme zeigte. Anlass für die erste Vorführung waren antisemitische Proteste, die 1959 zur Absetzung von Das Tagebuch der Anne Frank in mehreren österreichischen Kinos geführt hatten.25
[14] Ihre fortgesetzte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit erklärte Schütte-Lihotzky 1963 folgendermaßen: "Mehr als die Hälfte unserer heutigen Bevölkerung ist so jung, daß sie den Faschismus selbst nicht mehr bewusst erlebt hat. Wir müssen also ein breites und tiefes Wissen, ein Wissen um Ursache und Wirkung vor und in der Nazizeit unseren Nachkommen vermitteln."26 Allerdings war ihre Reichweite damals sehr stark eingeschränkt. Vom offiziellen Österreich ignoriert, trat sie hauptsächlich im Umfeld der KPÖ auf und publizierte in deren Periodika. Eines der frühen Zeitzeug:innen-Interviews, das Mitarbeitende des Dokumentationszentrums des Österreichischen Widerstands (DÖW) im Jahr 1965 mit ihr führten, muss ebenfalls in diesem Kontext verortet werden.27 Schütte-Lihotzky war mit DÖW-Mitbegründer Herbert Steiner bekannt, der ebenfalls der KPÖ angehörte.
[15] Erst in den 1970er Jahren wurden auch andere Akteur:innen auf die Architektin aufmerksam. Neben jungen Frauen aus dem Umfeld des BDFÖ gehörte hierzu auch jene Generation von Studentinnen und jungen Architektinnen, die sich auf die Suche nach historischen Vorgängerinnen machte und dabei Schütte-Lihotzky 'entdeckte'. Für einige der Frauen wurde die Wienerin zum role model.28 Ihnen war der frauenpolitische Impetus in der Architektur Schütte-Lihotzkys wichtig. Eine andere Gruppe waren diejenigen, die zu dieser Zeit begannen, sich mit dem Neuen Frankfurt und dem Roten Wien zu beschäftigen. Als eine der wenigen noch lebenden Zeitzeuginnen konnte Schütte-Lihotzky sowohl über Projekte als auch über ihre ehemaligen Kolleg:innen berichten.29 Zudem wurde sie immer wieder in Rundfunk und Fernsehen über die Frankfurter Küche interviewt. Schütte-Lihotzky veröffentlichte nun auch selbst regelmäßig Texte über die Architektur der 1920er Jahre30 und über Weggefährten wie Josef Frank, Walter Gropius, Adolf Loos, Ernst May, Otto Neurath und Oskar Strnad.31 Durch Vermittlung aus Frankfurt trat 1978 auch das Institut für Zeitgeschichte, München, an sie heran. Zwei Mitarbeitende besuchten sie in ihrem Ferienhaus in Radstadt bei Salzburg und befragten sie zu ihrer Tätigkeit im antifaschistischen Widerstand.32
[16] Schütte-Lihotzky sei eine "Zeitzeugin par excellence" gewesen, schreibt Bernadette Reinhold. Sie habe ein umfangreiches Archiv gehabt und "ein ausgezeichnetes Gedächtnis sowie die Gabe, auch komplexe Sachverhalte klar strukturiert und präzise formuliert darzulegen".33 Auch deshalb wurde sie bald von verschiedenen Seiten gedrängt, ihre Erinnerungen zu Papier zu bringen. Herbert Steiner schlug ihr vor, über Verhaftung und Gefängniszeit zu berichten.34 Friedrich Achleitner hingegen meinte, sie solle "alle Ihre Erinnerungen" niederschreiben.35 Derweil bot ihr Ulrich Conrads 1979 an, ihre Memoiren in der von ihm herausgegebenen Buchreihe Bauwelt Fundamente zu veröffentlichen.36 Und auch Schütte-Lihotzkys Lebensgefährte Hans Wetzler unterstützte noch in seinem Abschiedsbrief – er beging 1983 Suizid – das Vorhaben, die Lebenserinnerungen zu schreiben. Hierbei gab er ihr eine politische Mission mit auf den Weg:
Du mußt Dich mit aller Kraft für Deine Arbeit erhalten, das heißt die Arbeit für die Nachkommenden. Deine Vergangenheit, Deine Parteierfahrung, Deine Lebensweisheit sollst Du bis aufs Letzte einsetzen. Niemand kann noch aus persönlichem Erleben über das Moskau der Dreißigerjahre aussagen und so berichtigend einwirken.37
Die Wiener Architektin "machte sich also weder aus Eitelkeit noch als Zeitvertreib an das Verfassen ihrer Memoiren, sondern sah in ihrem autobiographischen Projekt eine gewisse Verpflichtung", bilanziert die spätere Herausgeberin Karin Zogmayer.38
[17] Obwohl für Schütte-Lihotzky "Beruf u[nd] Politik immer Hand in Hand" gingen,39 entschied sie sich recht früh, zwei getrennte Manuskripte zu verfassen. Das eine sollte die Widerstands- und Haftzeit umfassen, das andere ihren beruflichen Werdegang zwischen 1915 und 1965. Das Widerstandsbuch war Schütte-Lihotzky dabei wichtiger. Sie empfand die Verpflichtung, zuerst über diese Erfahrungen zu berichten, "da alle anderen, mit denen ich zu tun hatte, in der NS-Zeit umgekommen sind".40 Dementsprechend übergab sie bereits im Herbst 1981 dem westdeutschen Konkret-Verlag das fertige Manuskript, das noch um ein Interview mit dem Hamburger Designhistoriker Chup Friemert erweitert und schließlich 1985 veröffentlicht wurde (Abb. 3).41 Das Buch kam zeitgleich in der DDR im Verlag Volk und Welt heraus. Trotz zweier deutscher Verlagsorte verkaufte sich der Band vor allem in Österreich gut, auch weil er in einer Zeit erschien, in der dort ein Paradigmenwechsel in der Vergangenheitspolitik erfolgte. Galt das Land lange Zeit als "erstes Opfer" des NS-Regimes, rückte nun die Mittäter:innenschaft vieler Österreicher:innen ins Zentrum der Betrachtung. Im Dezember 1983 erwarb zudem der ORF die Filmrechte und beauftragte die Regisseurin Susanne Zanke mit der Erarbeitung eines Drehbuchs. Ihr Spielfilm Eine Minute Dunkel macht uns nicht blind wurde im Januar 1987 – zum 90. Geburtstag der Architektin – erstmals ausgestrahlt, was die Popularität des Buches nochmals steigerte. Im Jahr 1994 erschien dann eine Neuauflage im österreichischen Promedia-Verlag.42 Drei Jahre später folgte eine italienische Ausgabe.43
[18] Mit dem Schreiben der beruflichen, auf Architektur bezogenen Memoiren begann Schütte-Lihotzky in den 1980er Jahren. Vermutlich hielten sie ihr hohes Alter und die abnehmende Sehkraft davon ab, dieses Projekt wie ursprünglich geplant zu vollenden, also einen Text vorzulegen, der das halbe Jahrhundert zwischen 1915 und 1965 umfasste. In ihrem Nachlass finden sich lediglich publikationsreife "Erinnerungen und Betrachtungen", die jene anderthalb Jahrzehnte vom Beginn ihrer Ausbildung über die Zeit im Roten Wien bis zur Tätigkeit in Frankfurt schildern und mit der Abreise nach Moskau enden. Karin Zogmayer hat diese Aufzeichnungen vier Jahre nach Schütte-Lihotzkys Tod unter dem Titel Warum ich Architektin wurde veröffentlicht, 2019 erschien eine Neuauflage.44 Handschriftliche Vorarbeiten über die Zeit in der Sowjetunion und die Nachkriegszeit sind bis heute unveröffentlicht.
[19] Bei der Lektüre des Buches fällt auf, dass die Architektin an zahlreichen Stellen ältere, bereits von ihr publizierte Beiträge in leicht überarbeiteter Form hatte einfließen lassen. Umgekehrt übernahm sie auch immer wieder Passagen aus dem Erinnerungsmanuskript für kürzere Texte in der Fachpresse. So weisen beispielsweise die Kapitel über den städtischen Wohnbau der frühen 1920er Jahre oder auch die Abhandlungen über Oskar Strnad, Adolf Loos und Ernst May deutliche Ähnlichkeiten mit andernorts veröffentlichten Beiträgen zu diesen Themen und Personen auf.45 Die ständige Präzisierung und permanente Optimierung von Textstrukturen, Inhalten und Formulierungen, die schon Bernadette Reinhold bei Schütte-Lihotzky beobachtet hat, zeigen sich also auch hier. Sie seien Ausdruck ihres Bemühens "um eine unmissverständliche Vermittlung ihrer Sichtweise" gewesen. "Auch für Interviews war sie immer gut vorbereitet und hatte oft einzelne Aussagen durch- und vorformuliert. Ihren Gesprächspartner/innen stets offen und neugierig gegenüber, überließ sie dennoch nichts dem Zufall."46 So lässt sich in audiovisuellen Aufzeichnungen von Gesprächen tatsächlich erkennen, dass Schütte-Lihotzky häufig die Mappen mit ihren Erinnerungsmanuskripten, die sich heute im Nachlass befinden, vor sich liegen hatte.
[20] Im Sommer 1993 eröffnete im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) eine Ausstellung zum Lebenswerk von Schütte-Lihotzky (Abb. 4). Auch hier konnte die damals 96-Jährige mit beeinflussen, welche Aspekte ihres Lebens besondere Aufmerksamkeit erhielten. So war sie an der Konzeption der Schau beteiligt und wirkte – in den Worten von Peter Noever, dem Direktor des MAK – "entscheidend an der authentischen, einer in ihrem Sinne gelegenen Präsentation ihrer Arbeiten" mit.47
4 Ausstellungsplakat Margarete Schütte-Lihotzky. Soziale Architektur. Zeitzeugin eines Jahrhunderts, MAK –Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien, 1993. Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, SchüLih 93/1/Pl
Tatsächlich ging der Präsentation die jahrelange Arbeit der vier Architektinnen Renate Allmayer-Beck, Susanne Baumgartner-Haindl, Marion Lindner-Gross und Christine Zwingl voraus, der "Forschungsgruppe Schütte-Lihotzky". Zwischen 1985 und 1993 trafen sie die Architektin wöchentlich, führten lange Gespräche und unternahmen Reisen an verschiedene ehemalige Wirkungsstätten. Zudem ordneten und katalogisierten sie das umfangreiche Archiv Schütte-Lihotzkys, wählten Pläne, Zeichnungen, Fotos und Texte für die Ausstellung aus. "Die Planung der Ausstellung entstand im engen Kontakt mit Margarete Schütte-Lihotzky", erinnert sich Allmayer-Beck. "Alle Ausstellungsstücke wurden mit ihr persönlich erarbeitet. Das Konzept, welches von der Forschungsgruppe vorgeschlagen und ausgearbeitet wurde, hat Schütte-Lihotzky genauestens studiert und mit Akribie handschriftlich ergänzt."48
[21] Wirft man einen Blick in den Ausstellungskatalog, so fällt auf, dass hier tatsächlich auch Werke aus bis dahin weniger beachteten Lebensphasen präsentiert werden, etwa aus der Sowjetunion, Bulgarien oder auch aus dem Wien der Nachkriegszeit. Dem Konzept 'Werkausstellung' entsprechend nimmt Schütte-Lihotzkys politisches Engagement zwar wenig Raum ein, wird aber keinesfalls ausgeblendet. Gleichwohl legt auch der Katalog einen deutlichen Schwerpunkt auf die 1920er Jahre. Ob dies dem Wunsch Schütte-Lihotzkys oder den Vorgaben des Museums entsprach oder schlicht dem vorhandenen Archivmaterial geschuldet war, muss an dieser Stelle offenbleiben.
[22] Insgesamt lässt sich aber festhalten, dass Margarete Schütte-Lihotzky durch ihre Veröffentlichungen und durch ihre mediale Präsenz in den letzten beiden Lebensjahrzehnten das Bild, das Öffentlichkeit und Wissenschaft bis heute von ihr haben, wesentlich mitbestimmt hat. Auch prägte sie die Auswahl von Themen, die zur Deutung ihres Lebens als wichtig erachtet wurden. Selbstverständlich kam es dabei zu Wechselwirkungen, denn auch sie wählte nicht alle Gegenstände frei aus, sondern reagierte auf erinnerungspolitische Konjunkturen und auf Anforderungen, die verschiedene Akteur:innen an sie stellten. Die Wiederentdeckung des Neuen Frankfurt oder die zunehmende Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit sind sicherlich die prägnantesten Beispiele hierfür.
Blick auf 'blinde Flecken'
[23] Auf Grundlage von Schütte-Lihotzkys Interviews und Erinnerungsschriften sowie ihrem umfangreichen Nachlass, der zu den am häufigsten nachgefragten Beständen im Archiv der Universität für angewandte Kunst in Wien zählt, hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine ausdifferenzierte Forschungslandschaft zu Leben und Werk der Architektin entwickelt. In der Regel behandeln die Studien allerdings die eingangs geschilderten thematischen und zeitlichen Schwerpunkte; die Zeit nach 1945 spielt weiterhin nur eine geringe Rolle.49 Das heißt: Die wissenschaftliche Forschung hangelt sich vor allem an Schütte-Lihotzkys eigenen Erzählungen entlang. Manchmal übernimmt sie dabei deren subjektive Deutungen, in der Regel setzt sie sich aber zumindest kritisch mit den von der Architektin angebotenen Narrativen auseinander. Viel zu selten werden jedoch Themen aufgegriffen, die die Wienerin nicht angesprochen hat. Zu nennen sind hier beispielsweise ihre Tätigkeiten in der DDR oder auf Kuba.
[24] Ähnliches gilt für die verwendeten Quellen. So stützt sich die Forschung bei ihrer Beschäftigung mit Schütte-Lihotzky bislang hauptsächlich auf den Nachlass in Wien. Zu Recht hat jedoch der Historiker Wilhelm Füßl darauf hingewiesen, dass ein Nachlass eine "hochproblematische Quelle" sei, sein Zustandekommen sorgfältig untersucht und Lücken interpretiert werden müssten.50 Vor allem sollten die dort vorhandenen Dokumente mit "Gegenquellen" abgeglichen werden.51
[25] Dass die Suche nach anderen, bestenfalls 'neuen' Quellen erfolgreich sein kann und gewinnbringende Erkenntnisse liefert, hat exemplarisch Thomas Flierl gezeigt. Im Jahr 2021 veröffentlichte er den Briefwechsel zwischen Margarete und ihrem Ehemann Wilhelm Schütte aus den Haftjahren 1941–1945. Hierfür konnte er zu einem nicht unerheblichen Teil auf Briefe zurückgreifen, die sich im Besitz der Familie befanden.52 Ob die Architektin die Briefe zu Lebzeiten absichtlich nicht der Forschungsgruppe übergab oder ob sie lediglich vergessen hatte, dass sich diese auf dem Dachboden ihres Ferienhauses in Radstadt befanden, wissen wir nicht.53 In jedem Fall ermöglichen die Dokumente nun einen genaueren und nuancierten Blick auf diese Jahre, vor allem auf die Beziehung des Architektenpaares während der langen Haftzeit.
[26] Ohnehin fällt auf, dass Schütte-Lihotzkys Partner in der Lebens- und Werkrezeption lange Zeit kaum eine Rolle spielten. Ein Grund dafür ist zweifellos, dass sie selbst kaum über sie sprach. Dies gilt sowohl für Wilhelm Schütte als auch für Hans Wetzler. Obwohl sie mit Schütte auch nach der privaten Trennung Anfang der 1950er Jahre noch zusammenarbeitete, stand er stets in ihrem Schatten.54 Wetzler, wie sie KPÖ-Genosse und seit den 1960er Jahren ihr Lebensgefährte, erwähnte sie in der Öffentlichkeit überhaupt nicht – im Gegenteil: Sie wehrte sich vehement dagegen, dass er im Zusammenhang mit ihrer Biographie genannt wurde. Als die Schriftstellerin Ilse Schöbl 1981 im Auftrag der Stadt Wien einen kurzen biographischen Text verfasste und ihr diesen zur Ansicht schickte, reagierte die Architektin äußerst schroff. Ihr missfiel die Nennung der "seit 30 Jahren bestehenden sehr innigen Freundschaft" mit einem "Ostberliner Dramaturgen und Übersetzer". Die "leidige Angelegenheit" müsse schleunigst bereinigt werden, andernfalls würde sie sich ans Rathaus wenden müssen, drohte Schütte-Lihotzky.55 Tatsächlich gelang es ihr, Wetzler von der öffentlichen Aufmerksamkeit fernzuhalten. Sie selbst erwähnte ihn weder in eigenen Texten noch in Interviews. Auch in der wissenschaftlichen Literatur tauchte er bis vor kurzem nicht auf – obwohl sich in ihrem Nachlass ein umfangreicher Briefwechsel zwischen den beiden befindet.56
[27] Diese Nichtbeachtung gilt auch für andere Personen, mit denen Schütte-Lihotzky sehr eng befreundet war und mit denen sie das politische Engagement verband, etwa die beiden Ehepaare Ingeborg und Samuel Mitja Rapoport sowie Violetta und Walter Hollitscher (Abb. 5).57
5 "Hans Wetzler, Violetta und Walter Hollitscher im Berliner Tiergarten" (sic! Gemeint ist wahrscheinlich der Tierpark in Ostberlin), 1971, Fotografie. Universität für angewandte Kunst Wien, Archiv, NL MSL, Hans I, Mappe "Letzter Wille", Q/164/1/2/F
Es deutet vieles darauf hin, dass auch dies dem Narrativ der Architektin geschuldet ist. Dadurch, dass sie regelmäßig über bestimmte Zeitgenoss:innen (überwiegend männliche Architektenkollegen) schrieb, gab sie einen gewissen Personenkanon vor. Andere für ihr Leben wichtige Akteur:innen blieben dagegen lange von der Forschung unentdeckt. Gerade um ihr politisches Engagement zu erklären, sind diese Kontakte aber relevant. So geht die historische Kommunismusforschung davon aus, "dass soziale Beziehungen eine erhebliche Rolle […] für die lebenslange Zugehörigkeit [zur kommunistischen Partei] spielten".58 Entsprechend gehört zur Erforschung von Schütte-Lihotzkys Leben auch eine Beschäftigung mit ihren politischen Netzwerken.
[28] Dies verweist auf einen weiteren Punkt: Da sich Wissenschaftler:innen Schütte-Lihotzky oftmals aus architekturhistorischer Perspektive näherten, spielt Politik in ihren Arbeiten häufig nur eine untergeordnete Rolle. Die Kontakte, denen die Wienerin durch die politische Gesinnung verbunden war, sowie ihr Engagement als Kommunistin sind in vielen Punkten noch nicht oder nur unzureichend erforscht worden. Dies gilt vor allem für die Nachkriegsjahrzehnte: Wir wissen bislang wenig über Schütte-Lihotzkys Engagement in der Friedensbewegung der 1950er/1960er Jahre, ihre Auseinandersetzung mit Reformkräften in der KPÖ oder auch über ihre sich wandelnde Haltung zum Stalinismus. Ein wichtiger Teil ihres Lebens bleibt also in vielen Studien ausgeblendet.
[29] Erst langsam weitet sich der verengte Blick auf Schütte-Lihotzkys Leben. So sind in den letzten Jahren erste Aufsätze zu ihren Tätigkeiten in der Sowjetunion und der DDR, über ihre Aktivitäten als Vorsitzende des BDFÖ oder auch zu ihren politischen Netzwerken erschienen.59 Daran gilt es anzuknüpfen. Möglicherweise kann ein geschichtswissenschaftlicher Zugriff auf das Genre Biographie hilfreich sein, um andere Sichtweisen auf das Leben Schütte-Lihotzkys zu erlangen. Verglichen mit Arbeiten der Architekturgeschichte, etwa den Architekt:innen-Monographien, sind historische Biographien weniger werk- und personenorientiert. Stattdessen legen sie großen Wert auf die Einbettung der darzustellenden Person in die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen – kurz: die strukturellen – Bedingungen ihrer Zeit.60 Eine monographisch angelegte Biographie, die – wie von der Presse (s.o.) gefordert – alle Lebensaspekte umfasst, wird es aber auch mit dieser Herangehensweise kaum geben (können). Doch wenn zukünftig Schütte-Lihotzkys Profession und politisches Engagement noch stärker gemeinsam verhandelt und in gesellschaftliche Kontexte eingebettet würden, dann wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer Forschung getan, die sich einerseits von ihren Selbstzuschreibungen löst und andererseits genau jene Themen zusammenbringt, die ihr zeitlebens wichtig waren.
Special Issue
Ruth Hanisch, Richard Kurdiovsky, Bernadette Reinhold and Antje Senarclens
de Grancy, guest eds., Architekt:innen-Monographien.
Kanonisierung, Kontextualisierung, Kritik, in: RIHA
Journal 0326-0334 (30 September 2025), DOI: https://doi.org/10.11588/riha.2025.2.
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1 Robert Rotifer, The Frankfurt Kitchen, Musikvideo, 2008, https://www.youtube.com/watch?v=cbV5tUWhpGg (abgerufen am 28. November 2022).
2 Wojciech Czaja, "Margarete Schütte-Lihotzky: 'Diese verdammte Küche!'", in: Der Standard (20. Jänner 2017), https://www.derstandard.at/story/2000051238694/margarete-schuette-lihotzky-diese-verdammte-kueche (abgerufen am 20. Juli 2023).
3 Zu Biographie und Werk siehe: Peter Noever (Hg.), Margarete Schütte-Lihotzky. Soziale Architektur. Zeitzeugin eines Jahrhunderts, Ausst.kat., 2., verb. Aufl., Wien/Köln/Weimar 1996; Marcel Bois und Bernadette Reinhold (Hg.), Margarete Schütte-Lihotzky. Architektur. Politik. Geschlecht. Neue Perspektiven auf Leben und Werk, Basel 2019 (engl. AusgabeMargarete Schütte-Lihotzky. Architecture. Politics. Gender. New Perspectives on Her Life and Work, Basel 2023); Mona Horncastle, Margarete Schütte-Lihotzky. Architektin, Widerstandskämpferin, Aktivistin. Die Biografie, Wien 2019. Kurzbiographische Texte finden sich unter anderem hier: Tanja Scheffler, "Margarete Schütte-Lihotzky. Küche, Kinder, Kommunismus", in: Mary Pepchinski et al. (Hg.), Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf, Tübingen 2017, 122-129; Thomas Flierl und Claudia Quiring, "Schütte-Lihotzky, Margarete (auch Grete)", in: Evelyn Brockhoff et al. (Hg.), Akteure des Neuen Frankfurt. Biografien aus Architektur, Politik und Kultur, Frankfurt am Main 2016, 177-179.
4 Maria Magdalena Mayer, Architektur und soziales Gewissen. Das Frühwerk von Margarete Schütte-Lihotzky, Diplomarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz 2002; Christine Zwingl, "Grete Lihotzky, Architektin in Wien, 1921–1926", in: Doris Ingrisch, Ilse Korotin und Charlotte Zwiauer (Hg.), Die Revolutionierung des Alltags. Zur intellektuellen Kultur von Frauen im Wien der Zwischenkriegszeit, Frankfurt am Main 2004, 243-251; Mira Tesselaar, Margarete Schütte-Lihotzky – Bauen und Design in Zeiten der Siedlerbewegung, Diplomarbeit, Universität für angewandte Kunst, Wien 2014; Leonor Sáez Méndez, "Margarete Schütte-Lihotzky. Una arquitecta en la Viena de entre guerras", in: Revista Internacional de Culturas y Literaturas 20 (2017), 120-129; Christine Zwingl, "Die Spülküche von Margarete Lihotzky", in: Werner Michael Schwarz, Georg Spitaler und Elke Wikidal (Hg.), Das Rote Wien. Ideen, Debatten, Praxis, Basel 2019, 184-187; Sophie Hochhäusl, "Von Siedlerhütten und Kernhäusern. Margarete Schütte-Lihotzkys Beitrag zur Wiener Siedlerbewegung", in: Bois und Reinhold (2019), 70-85.
5 Renate Allmayer-Beck, "Margarete Schütte-Lihotzkys Tätigkeit am Frankfurter Hochbauamt", in: Noever (1996), 71-82; Claudia Quiring, "Durch eine Frau mit den Frauen. Margarete Schütte-Lihotzky und das Neue Frankfurt", in: Bois und Reinhold (2019), 86-98; Marcel Bois, "Soziale Architektur und sozialistische Politik. Margarete Schütte-Lihotzky als Akteurin des Neuen Frankfurt", in: Andreas Braune und Tim Niendorf (Hg.), Die Politik in der Kultur und den Medien der Weimarer Republik, Stuttgart 2022, 247-262.
6 Peter Noever (Hg.), Die Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky, Berlin 1992; Franz J. Much, "Frankfurter und Stuttgarter Küchen auf der Werkbundausstellung 'Die Wohnung 1927' in Stuttgart", in: Michael Andritzky (Hg.), Oikos, von der Feuerstelle zur Mikrowelle. Haushalt und Wohnen im Wandel, Ausst.kat., Gießen 1992, 114-119; Susan R. Henderson, "Revolution in the Women’s Sphere: Grete Lihotzky and the Frankfurt Kitchen", in: Debra Coleman, Elizabeth Danze und Carol Henderson (Hg.), Architecture and Feminism, New York 1996, 221-253; Patrick Werkner (Hg.), Ich bin keine Küche. Gegenwartsgeschichten aus dem Nachlass von Margarete Schütte-Lihotzky, Wien 2008; Martina Heßler, "The Frankfurt Kitchen: The Model of Modernity and the 'Madness' of Traditional Users, 1926 to 1933", in: Ruth Oldenziel und Karin Zachmann (Hg.), Cold War Kitchen: Americanization, Technology, and European Users, Cambridge, MA 2009, 163-184; Laura Moisi, "Zurück in die Zukunft: Theorie und Geschichte der Frankfurter Küche", in: Christoph Neubert und Martin Müller (Hg.), Standardisierung und Naturalisierung, Paderborn 2019, 181-197.
7 Esra Akcan, "Civilizing Housewives versus Participatory Users: Margarete Schütte-Lihotzky in the Employ of the Turkish Nation State", in: Oldenziel und Zachmann (2009), 185-208; Kivanç Kihnç, "Homemaker or Professional? Girls’ schools designed by Ernst Egli and Margarete Schütte-Lihotzky in Ankara, 1930–1938", in: New Perspectives on Turkey 48 (2013), 101-128; Burcu Dogramaci, "Intermezzo in Istanbul. Margarete Schütte-Lihotzkys Projekte im türkischen Exil", in: Bois und Reinhold (2019), 126-139.
8 Elisabeth Boeckl-Klamper, "Margarete Schütte-Lihotzkys Kampf gegen das NS-Regime", in: Bois und Reinhold (2019), 238-250; Sophie Hochhäusl, "Spatial Histories of Dissidence: Imagination, Memory, and Resistance in Istanbul, Vienna, and Santiago de Chile, 1938–1945", in: ARQ (Santiago), Heft 105 (2020), 40-61, DOI: http://dx.doi.org/10.4067/S0717-69962020000200040.
9 Horncastle (2019).
10 Günter Haller, "Schütte-Lihotzky: 'Ich bin keine Küche!'", in: Die Presse (23. November 2019), https://www.diepresse.com/5727119/schuette-lihotzky-ich-bin-keine-kueche (abgerufen am 20. Juli 2023).
11 Marcel Bois, "'Ein Buch in frischem Pink' – oder: Wie man eine Biografie nicht schreiben sollte. Anmerkungen zur Studie von Mona Horncastle über Margarete Schütte-Lihotzky", in: Mitteilungen der Alfred-Klahr-Gesellschaft 27 (2020), H. 1, 27-29.
12 Margarete Schütte-Lihotzky, Millionenstädte Chinas. Bilder- und Reisetagebuch einer Architektin, hg. v. Karin Zogmayer, Wien 2007.
13 Änne Söll, "Die Frankfurter Küche als Museumsobjekt", in: Bois und Reinhold (2019), 312-324: 312-313.
14 Wojciech Czaja, "Zu Besuch bei keiner Köchin", in: Werkner (2008), 21-24, hier 23.
15 Siehe die verschiedenen zeitgenössischen Zeitungsbeiträge zur Frankfurter Küche im Archiv der Universität für angewandte Kunst Wien (im Folgenden: UaK), Nachlass Margarete Schütte-Lihotzky (im Folgenden: NL MSL), TXT 49-54.
16 Scheffler (2017), 127.
17 Renate Allmayer-Beck, "Realisierung der Frankfurter Küche", in: Noever (1992), 20-23, hier 23.
18 Zur Frage der Urheberschaft siehe Christina Treutlein, Der Architekt Carl-Hermann Rudloff (1890–1949). Protagonist des Siedlungsbaus im Neuen Frankfurt, Frankfurt am Main 2024, S. 146–159.
19 Quiring (2019), 92.
20 Ernst May, "Fünf Jahre Wohnungsbautätigkeit in Frankfurt am Main", in: Das Neue Frankfurt 4 (1930), H. 2/3, 21-70, hier 38.
21 Margarete Schütte-Lihotzky, Warum ich Architektin wurde, hg. v. Karin Zogmayer, 2., aktualisierte Aufl., Salzburg 2019, 140.
22 Interview mit Margarete Schütte-Lihotzky vom 8. September 1978, in: UaK, NL MSL, Interviews Artikel, Bl. 12; siehe auch Allmayer-Beck (1992), 22.
23 Margarete Schütte-Lihotzky, "Ein Architekt des Volkes", in: Kommunistische Partei Österreichs (Hg.), Unsterbliche Opfer. Gefallen im Kampf der Kommunistischen Partei für Österreichs Freiheit, Wien 1945, 69-70. Im Jahr 1946 erschien eine zweite Auflage, dort befindet sich der identische Text auf den S. 59-60. Ich danke Manfred Mugrauer herzlich für seinen Hinweis auf die unterschiedlichen Auflagen. Der Beitrag ist in beiden Fällen nicht namentlich gekennzeichnet; Antje Senarclens de Grancy ("Margarete Schütte-Lihotzky und Herbert Eichholzer. Ein Beziehungsnetz und seine Bedeutungen", in: Bois und Reinhold [2019], 196-207, hier 196) geht gleichwohl davon aus, dass er von Schütte-Lihotzky stammt.
24 Senarclens de Grancy (2019), 205.
25 Elisabeth Holzinger, "Widerstand in Zeiten des Terrors", in: Margarete Schütte-Lihotzky, Erinnerungen aus dem Widerstand. Das kämpferische Leben einer Architektin von 1938–1945, Wien 2014, 7-20, hier 18.
26 Österreichische Delegation, Ansprache am Frauenweltkongreß, Moskau 1963, gehalten von Frau Schütte-Lihotzky, Vorsitzende des Bundes Demokratischer Frauen Österreichs, Manuskript, Bl. 2, in: Zentrales Parteiarchiv der KPÖ, Wien, Nachlass Schütte-Lihotzky.
27 Interview mit Frau Architekt Margarete Schütte am 1. und 3. Dezember 1965, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien (im Folgenden: DÖW), Nr. 6188.
28 Irene Nierhaus, "Nicht zuschütten. A Personal Remembrance of Margarete Schütte-Lihotzky", in: Mary Pepchinski und Christina Budde (Hg.), Women Architects and Politics. Intersections between Gender, Power Structures and Architecture in the Long 20th Century, Bielefeld 2022, 21-26, hier 22; Bärbel Danneberg, "Nicht nur Küche. Frauenpolitische Orte erinnern an Margarete Schütte-Lihotzky", in: Christine Zwingl (Hg.), Margarete Schütte-Lihotzky. Spuren in Wien, Wien 2021, 149-161.
29 Als sie 1980 in die Mainmetropole reiste, berichtete die Lokalpresse ausführlich: Jürgen Schreiber, "Küche, Kinder und Gesellschaft. Schütte-Lihotzky zu Gast", in: Frankfurter Rundschau, 17. Juli 1980.
30 Margarete Schütte-Lihotzky, "Wohnungsbau der zwanziger Jahre in Wien und Frankfurt/Main", in: Michael Andritzky und Gert Selle (Hg.), Lernbereich Wohnen, Bd. 2, Reinbek 1979, 314-324; Margarete Schütte-Lihotzky, "Volkswohnbau", in: Form + Zweck 13 (1981),Heft 2, 38-41 (im Folgenden: Schütte-Lihotzky 1981a); Margarete Schütte-Lihotzky, "Vienne-Francfort: Construction de logements et rationalisation des travaux domestiques. Coup d’œil rétrospectif sur les années vingt", in: Austriaca. Cahiers universitaires d’information sur l’Autriche 7 (1981), Heft 12, 129-138.
31 Grete Schütte-Lihotzky, [ohne Titel], in: Der Architekt Oskar Strnad. Zum hundertsten Geburtstage am 26. Oktober 1979, hg. von der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien 1979,32-34; Margarete Schütte-Lihotzky, "Gedanken über Adolf Loos", in: Bauwelt 72 (1981),Heft 42, 1872-1876 (im Folgenden: Schütte-Lihotzky 1981b); Margarete Schütte-Lihotzky, "Mein Freund Otto Neurath", in: Friedrich Stadler (Hg.), Arbeiterbildung in der Zwischenkriegszeit. Otto Neurath – Gerd Arntz, Wien/München 1982, 40-43; Margarete Schütte-Lihotzky, "Erinnerungen an Gropius", in: Form + Zweck 15 (1983), Heft 2, 9; Grete Schütte-Lihotzky, "Erinnerungen an Josef Frank", in: Bauwelt 76 (1985), Heft 26, 1052-1053; Margarete Schütte-Lihotzky, "Meine Arbeit mit Ernst May in Frankfurt a. M. und Moskau", in: Bauwelt 77 (1986), Heft 28, 1051-1054.
32 Margarete Schütte-Lihotzky an Herbert Steiner, 11. August 1978, in: DÖW, Nr. 50120 NSCHu2. Siehe auch die Materialien aus dem Bestand MA 1500, Rolle 53 im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München.
33 Bernadette Reinhold, "Das dritte Leben. Überlegungen zu Margarete Schütte-Lihotzkys autobiografischen Arbeiten", in: Bois und Reinhold (2019), 52-68, hier 57.
34 Margarete Schütte-Lihotzky an Herbert Steiner, 12. August 1977, in: DÖW, Nr. 50120 NSCHu2.
35 Friedrich Achleitner an Margarete Schütte-Lihotzky, 26. Juli 1977 [Hervorhebung im Original], in: UaK, NL MSL, Korrespondenz Inland.
36 Thomas Flierl, "Mit einem Karton voller Briefe auf Zeitreise", in: Margarete Schütte-Lihotzky und Wilhelm Schütte, "Mach den Weg um Prinkipo, meine Gedanken werden Dich dabei begleiten!" Der Gefängnis-Briefwechsel 1941–1945, hg. v. Thomas Flierl, Berlin 2021, 409-576, hier 560.
37 Hans Wetzler an Margarete Schütte-Lihotzky, 6. Mai 1983, in: UaK, NL MSL, Q/164.
38 Karin Zogmayer, "Vorwort der Herausgeberin", in: Schütte-Lihotzky (2019), 9-11, hier 10.
39 Margarete Schütte-Lihotzky, Jugend (undat. Manuskript), in: UaK, NL MSL, Notizen Erinnerungen Wien nach 1945.
40 Margarete Schütte-Lihotzky an Ulrich Conrads, 20. August 1979, in: UaK, NL MSL, TXT 588.
41 Margarete Schütte-Lihotzky, Erinnerungen aus dem Widerstand. 1938–1945, hg. von Chup Friemert, Hamburg 1985.
42 Schütte-Lihotzky (2014). Zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Buches siehe ausführlich Flierl (2021), 556-570.
43 Margarete Schütte-Lihotzky, Ricordi della Resistenza. La vita combattiva di una donna architetto dal 1938 al 1945, Florenz 1997.
44 Margarete Schütte-Lihotzky, Warum ich Architektin wurde, hg. v. Karin Zogmayer, Salzburg 2004; Schütte-Lihotzky (2019).
45 Es handelt sich um die Textstellen Schütte-Lihotzky (2019), 18-30, 46-50, 53-71 und 109-113. Sie sind zu großen Teilen identisch mit Schütte-Lihotzky (1979), Schütte-Lihotzky (1981a), Schütte-Lihotzky (1981b) und Schütte-Lihotzky (1986). Für welche Publikation die Textpassagen jeweils zuerst geschrieben wurden, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.
46 Reinhold (2019), 57-58.
47 Peter Noever, "Zum Thema", in: Noever (1996), 7.
48 Renate Allmayer-Beck und Chiara Desbordes, "Reise in die Vergangenheit", in: Zwingl (2021), 163-174, hier 166.
49 Ausnahmen stellen beispielsweise Zwingl (2021) sowie einige Beiträge in Bois und Reinhold (2019) dar.
50 Wilhelm Füßl, "Übrig bleibt, was übrig bleiben soll. Zur Konstruktion von Biografien durch Nachlässe", in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 37 (2014), 240-262, hier 242.
51 Schwierig ist dies beispielsweise im Hinblick auf ihr politisches Engagement in den 1920er Jahren, da hierfür kaum andere Quellen als ihre eigenen Erzählungen existieren. Siehe hierzu Bois (2022).
52 Schütte-Lihotzy und Schütte (2021). Mittlerweile wurden die Briefe an das Archiv der Universität für angewandte Kunst Wien übergeben, s. UaK, NL MSL.
53 Siehe auch Flierl (2021), 416-417.
54 David Baum, "Wilhelm Schütte – im Schatten Lihotzkys?", in: Bois und Reinhold (2019), 208-223.
55 Margarete Schütte-Lihotzky an Ilse Schöbl, 10. April 1982, in: Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Wien, N 1.65/2.1.3.
56 Zu Wetzler und dem Briefwechsel siehe: Marcel Bois, "Soziale Beziehungen und kommunistische Netzwerke. Annäherungen an Hans Wetzler (1905–1983)", in: Bois und Reinhold (2019), 224-236.
57 Die Forschung hat wiederum erst in jüngster Zeit auf diese Verbindungen hingewiesen und sie genauer untersucht: Marcel Bois, "'Bis zum Tod einer falschen Ideologie gefolgt'. Margarete Schütte-Lihotzky als kommunistische Intellektuelle", in: Zeitgeschichte in Hamburg, Jahrbuch 2017, hg. von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Hamburg 2018, 66-88, und Bois (2019).
58 Doris Danzer, Zwischen Vertrauen und Verrat. Deutschsprachige kommunistische Intellektuelle und ihre sozialen Beziehungen (1918–1960), Göttingen 2012, 19.
59 Thomas Flierl, "Margarete Schütte-Lihotzkys sowjetische Jahre (1930–1937)", in: Bois und Reinhold (2019), 100-124; Carla Aßmann, "Konsequent modern? Margarete Schütte-Lihotzky als Beraterin der Deutschen Bauakademie in der DDR", in: Bois und Reinhold (2019), 168-181; Karin Schneider, "Über die Ordnung der Kochlöffel. Margarete Schütte-Lihotzky im Kontext frauenpolitischer Anordnungen der KPÖ zu Beginn der Zweiten Republik – eine Probebohrung", in: Bois und Reinhold (2019), 268-283; Bois (2017); Bois (2019).
60 Wolfram Pyta, "Geschichtswissenschaft", in: Christian Klein (Hg.), Handbuch Biographie. Methoden, Traditionen, Theorien, Stuttgart 2009, 331-338.


