Schlagzeile geht schneller als Recherche – über die journalistische Arbeit zum Antikenraub

Esther Saoub, Amir Musawy

Abstract


Wenn es um den Raub und Verkauf antiker Kulturgüter aus Syrien und dem Irak geht, wird in den Medien zuweilen mehr behauptet als tatsächlich nachgewiesen. Im Juli 2015 hat das ARD Mittagsmagazin erstmals einen physischen Beweis dafür gesendet, dass der sogenannte Islamische Staat (IS) Antiken besitzt. Die meisten Nachrichtenagenturen und Medien reagierten verhalten, für sie war die Behauptung der Terrorfinanzierung durch Antikenraub längst Tatsache geworden. Sie musste nur oft genug geschrieben werden. Die Autoren dieses Artikels – beide sind erfahrene Fernsehjournalisten und die Autoren des „Mittagsmagazin“-Beitrags – haben in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Hinweisen darauf gesammelt, dass der IS mit Antiken handelt. Mit dem erwähnten Film konnten sie nun auch einen im wahren Wortsinn greifbaren Beweis liefern. Die Tatsache, dass der IS Antiken besitzt, legt zudem sehr nahe, dass er auch damit handelt. Dies ist auch im Ansatz bewiesen, etwa durch Quittungen. Die mediale Entdeckung, die dieser Aufsatz beschreibt, ist nicht mit einem Theaterdonner aufgetreten. Für die Fachwelt aber ist sie ein wichtiger Stein in einer Beweiskette, deren größte Teile nach wie vor im Dunkeln liegen.

 

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Schlagworte


Antiken; Raubgrabung; Kulturgut; Kulturgutschutz; Islamischer Staat; IS; Syrien; Irak; Naher Osten; Fernsehen; Journalismus; Massenmedien

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DOI: http://dx.doi.org/10.11588/ai.2015.1.26206

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-ai-262061

ISSN-Print: 0341-2873
ISSN-Internet: 2197-7429