Die kaum bekannte, frühe Flintensteinmanufaktur bei Veaux-Malaucène (Dépt. Vaucluse, Provence, Frankreich) und ihre Einordnung in den internationalen Forschungsstand

Jürgen Weiner

Abstract


Im Herbst 2004 besuchte Verf. zum zweiten Mal seit 1999 die Region von Veaux-Malaucène im Dépt. Vaucluse, Frankreich. Diesmal begab er sich in den Vorbergen des Mont Ventoux, der Crête du Rissas, auf die Spuren einer einheimischen Flintensteinindustrie, welche die regionalen kreidezeitlichen Feuersteinvorkommen nutzte. Dazu lagen zum damaligen Zeitpunkt so gut wie keine Hinweise vor, sieht man vom knappen Schlusskapitel in einem Bericht aus der Mitte des 20. Jahrhunderts über eine dortige Höhlengrabung ab. Mit diesen spärlichen Informationen im Rücken begab sich Verf. für einige Stunden ins Gelände und stieß auf Dutzende von Werkplätzen der caillouteurs (Flintensteinhauer). Es handelt sich um eng begrenzte Konzentrationen von Feuersteinabfall in Form von Zerlegungs- und Präparationsabschlägen aller Größen. Interessanterweise fehlten die erwarteten klassischen Restkerne von einer Klingenproduktion. Das heißt, dass die Flintensteine dieser Region nicht klingenbasiert sind. Ins Auge sprang stattdessen eine große Zahl von Abschlägen unterschiedlicher Größe und Form, auf deren Ventralflächen ein oder mehrere gedrungene Negative von dort abgetrennten fingernagelförmigen Abschlägen erkennbar waren. Offensichtlich waren diese Kerne an Abschlägen die gesuchten Restkerne und die davon gewonnenen kleinen Zielabschläge mit keilförmigem Längsschnitt die Ausgangsform für Flintensteine (wedges). Konnte nur ein einziger und verworfener Zielabschlag geborgen werden, so sammelte Verf. 95 Kerne für eine geplante spätere Bearbeitung. Der folgende Aufsatz präsentiert die Ergebnisse der Bearbeitung. Zum Beginn der Flintensteinindustrie lässt sich momentan sagen, dass sie möglicherweise bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts einsetzte. Zum Ende liegen zwar Hinweise vor, wonach bis 1870 Flintensteine in der Region hergestellt worden sein sollen. Ob dies aber ebenfalls wedges oder dann klingenbasierte Steine waren, ist unbekannt. Wünschenswerte weitere Forschungen sollten sich auf Archive, Zeughäuser und Sammlungen zeitgenössischer Feuerwaffen konzentrieren. Hauptziel wäre die Zuordnung bekannter wedges, z. B. aus Zeughäusern, zu den Manufakturen im Vaucluse. Unerlässlich dabei dürften geochemische Analysen des regionalen Feuersteins sein.

Schlagworte


Archäologie; Feuerstein; Flint; Flintenstein; Vorderlader; Steinschloss; Frankreich; Vaucluse; Provence; 17. Jahrhundert

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DOI: https://doi.org/10.11588/ai.2017.1.42473

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-ai-424736

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