Mittelsteinzeitliche Fundkomplexe des 9. Jahrtausends im Bezirk Trier (Rheinland-Pfalz): Chronologischer Kontext, Rohstoffversorgung und Aktivitätsräume

Ingrid Koch, Hartwig Löhr, Birgit Gehlen, Janet Rethemeyer, Ursula Tegtmeier, Tanja Zerl

Abstract


Beruhend auf den Arbeiten von I. Koch und H. Löhr wurde im Rahmen des Projektes D4 des Sonderforschungsbereiches 806 „Our Way to Europe“ an der Universität zu Köln die Erfassung und Auswertung der mesolithischen Fundstellen im Bezirk Trier fortgesetzt. Wichtige Ergebnisse dieser Arbeiten werden hier am Beispiel der Siedlungsplätze aus dem frühen Boreal zusammenfassend dargestellt. Ausgangspunkt dieser Abhandlung ist der Fundplatz „Hüttingen an der Kyll“, der kürzlich auf etwa 8400 Jahren calBC datiert wurde und der damit der erste radiometrisch datierte mittelsteinzeitliche Fundplatz der Region ist. Weitere neun Fundkomplexe des älteren Mittelmesolithikums konnten durch die typochronologische Analyse der Mikrolithen in ihrer zeitlichen Position bestimmt werden. Dazu wurde eine Kontingenztabelle mit einer vereinfachten Variante der Kanonischen Korrespondenzanalyse geordnet, die sich an der 14C-Datierung früh- und mittelmesolithischer Mikrolithinventare aus Deutschland und den BeNeLux-Ländern orientiert. Im Ergebnis können diese Komplexe in zwei chronologische Gruppen eingeteilt werden. Sowohl die typologisch ansprechbaren Mikrolithen als auch die Rohstoffversorgung im Bezirk Trier weisen deutliche Bezüge zum frühborealen Mesolithikum der westlich und nördlich angrenzenden Gebiete auf, während die Verknüpfung mit dem südwestdeutschen Beuronien B verhältnismäßig schwach zu erkennen ist. Anhand der Silexrohmaterialien der Mikrolithen können in gewissem Umfang Richtung und Reihenfolge räumlicher Aktivitätsverlagerungen der mesolithischen Menschen rekonstruiert werden. Die auf dieser Basis beschriebenen Aktivitätsräume umfassen sowohl den Bereich der vermutlichen Schweifgebiete als auch darüber hinausgehende Kommunikationsnetzwerke. Die vorliegende Untersuchung zeigt während des frühen 9. Jahrtausends für den Bezirk Trier einen weitaus größeren Akttivitätsraum als für die benachbarten Regionen der Nordeifel, des südlichen Niederrheins und des Bergischen Landes.

Schlagworte


Archäologie; Frühes Boreal; älteres Mittelmesolithikum; Deutschland; Trierer Land; Eifel; AMS-Datierung; botanische Untersuchungen; Typochronologie; Silexrohmaterial; Mobilität; Aktivitätsräume

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DOI: https://doi.org/10.11588/ai.2017.1.42481

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-ai-424810

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