Thinking outside the Box: Life beyond ‘House – Farmstead – Village’ in Neolithic Wetland Sites

Eda Gross, Renata Huber

Abstract


Aufgrund unserer Erfahrungen mit zirkumalpinen Ufersiedlungen stellen wir den Ansatz, Siedlungsstrukturen des Neolithikums auf der Skala ‘Haus – Hof – Dorf‘ untersuchen zu wollen, grundsätzlich in Frage. Nur schon die Ansprache und infolgedessen die Rekonstruktion einzelner Gebäude ist im Ufersiedlungsneolithikum problematischer als es ein erster Blick auf die Forschungslage suggerieren mag: Die Abgrenzung der architektonischen Einheiten zueinander, der Anteil datierter bzw. undatierter Pfähle, mangelhafte Informationen zur Gestaltung des Oberbaus bzw. dessen Bezug zum Grundriss – all diese Umstände erschweren die Lesbarkeit der Pfahlpläne. Viele der aktuellen Rekonstruktionen von Einzelhäusern sowie von gesamten Siedlungsplänen beruhen auf unbewiesenen Vorannahmen. Die taphonomischen Probleme in den Ufersiedlungen erweisen sich als derart komplex, dass ein Zusammenhang zwischen Schichteinheiten und architektonischen Strukturen nicht einfach und eindeutig hergestellt werden kann. Diese Skizze muss sich bezüglich der Grundthese und den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen auf die Diskussion der Fundverteilung im Kanton Zug (Schweiz) und hier auf zwei aktuelle Beispiele, nämlich die Ufersiedlungen Cham-Eslen und Zug-Riedmatt, beschränken. Die zum Teil hohe Dichte von (potentiell oder tatsächlich) gleichzeitigen und die Nachweise von spezialisierten (möglicherweise ausschliesslich oder schwergewichtig saisonal genutzten) Siedlungsplätzen an den Seeufern sprechen für komplex und grossräumig strukturierte Siedlungs-, Nutzungs- und Kommunikationsmuster und nicht für kleinräumig territorial organisierte, ökonomisch autarke, in sich abgeschlossene Dorfeinheiten. Deshalb möchten wir dem traditionell hierarchischen Modell (‘Haus – Hof – Dorf‘), das sich an uns naheliegenden historischen Analogien orientiert, ein relationales Netzwerk-Modell gegenüberstellen, das sich im Bereich der Gewässer als Lebensadern, als Verkehrs- und Kommunikationswege und als Quelle wichtiger Nahrungsressourcen besonders dicht knüpft. Dieser Ansatz öffnet den Interpretationsrahmen in Bezug auf die Untersuchungsergebnisse zahlreicher Disziplinen wie Wirtschaftsarchäologie, Demografie oder Siedlungsgeographie.

Schlagworte


Archäologie; Seeufersiedlung; Pfahlbau; Feuchtbodenfundstelle; Low-Level Food Production; Autarkie; Netzwerkmodell; Gewässer als Lebensadern; Saisonalität

Volltext:

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DOI: https://doi.org/10.11588/ai.2018.0.56946

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