Curriculumsreform des Bachelor-Studiengangs Information Science an der HTW Chur

DOI: http://dx.doi.org/10.11588/ip.2015.2.20175/

Rudolf MUMENTHALER, Bernard BEKAVAC

Curriculumsreform des Bachelor-Studiengangs Information Science an der HTW Chur

Zusammenfassung

Der Lehrplan für den Studiengang Bachelor Information Science an der HTW Chur wurde beginnend im Herbst 2013 grundlegend überarbeitet und auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und der Studierenden ausgerichtet. Im Beitrag wird aufgezeigt, wie bei der Curriculumsreform vorgegangen wurde, welche Überlegungen bei der Neuausrichtung angestellt wurden und wie der neue Lehrplan mit Start im Herbstsemester 2015 schliesslich ausgestaltet wurde.

Schlüsselwörter

Ausbildung, Studium, Studiengang, Informationswissenschaft

Curriculum Reform of the Bachelor Program in Information Science at HTW Chur

Abstract

The curriculum for the degree program Bachelor Information Science at the University of Applied Sciences HTW Chur was fundamentally revised starting in the fall of 2013 and aligned to the needs of the labor market and the students. In the article the procedure in curriculum reform, the considerations in the reorganization and the design of the new curriculum starting in autumn 2015 are discussed.

Keywords

Training, study, degree program, information science.




Erklärung

Die Überlegungen, die zur geplanten Ausgestaltung führten sowie die geplanten Veränderungen werden in diesem Beitrag von zwei Projektbeteiligten erläutert. Bernard Bekavac ist seit 2012 Studienleiter des Bachelor Information Science, Rudolf Mumenthaler seit 2012 Verantwortlicher für die Vertiefung Bibliothekswissenschaft.




Inhaltsverzeichnis


1 Einleitung

2 Vorgehen

3 Assessmentphase

4 Erforderliche Kompetenzen

5 Diskussion der künftigen Struktur

6 Überarbeitungsphase

6.1 Die Module des neuen Curriculums

6.2 Grundstudium

7 Spezifische Inhalte in den Major

7.1 Der Major Bibliotheksmanagement

7.2 Der Major Informations- und Medienmanagement

7.3 Der Major Archivierung

7.4 Der Major Web und Usability Engineering

7.5 Abhängigkeiten der Module

8 Kommunikation des neuen Curriculums und weitere Schritte

Literatur

Autoren

1 Einleitung

Ein Curriculum (Lehrplan) bildet die Basis eines jeden Studiengangs, und mit diesem wird eine zeitgemässe und praxisrelevante Ausbildung umgesetzt. Aufgrund sich ändernder Anforderungen der Praxis sollte das Curriculum also gerade bei einer Fachhochschule regelmässig überprüft werden, um zu klären, ob die Ausbildung noch den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts entspricht. Kleinere inhaltliche Veränderungen innerhalb einzelner Module können dabei laufend vorgenommen werden, grössere Umstellungen (Curriculumsreform) bedürfen jedoch einer umfangreichen Analyse sowie eines Genehmigungs- (Hochschulrat/-leitung) und Umsetzungsprozesses (Anpassung Prüfungsreglement, neue Informationsbroschüren etc.). Das aktuelle Curriculum im Bachelor Studiengang Information Science an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur wird seit dem Studienjahr 2008 durchgeführt. Seit dem wurden bei Bedarf Anpassungen vorgenommen und im Jahr 2010 eine zusätzliche Vertiefung „Information Engineering“ eingeführt, zusätzlich zu den bestehenden Vertiefungen Bibliothekswissenschaft, Records Management und Archivierung sowie Informationsmanagement. Im Herbst 2013 wurde dann eine umfangreiche Analyse des Curriculums begonnen, die eine Curriculumsreform nach sich zog und zu einem neuen Lehrplan ab dem Studienjahr 2015 führte.

Vorausschickend muss noch erklärt werden, dass der Bachelor in Information Science an der HTW Chur in drei Modellen studiert werden kann: als Vollzeit- oder Teilzeitstudium in Chur oder als Teilzeitstudium mit Unterricht in Zürich. Das Vollzeitstudium ist auf 6 Semester, das Teilzeitstudium auf 8 Semester ausgelegt, wobei bei letzterem der Anteil des Selbststudiums höher ist. Die Anzahl der Studienplätze liegt bei maximal 40.

Da die Anmeldezahlen für den Vollzeitstudiengang in Chur für das Studienjahr 2014 drastisch zurückgingen (und letztlich der Studiengang Vollzeit 2014 nicht zustande kam), beschlossen die Dozierenden am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft (SII), an dem der Lehrgang angesiedelt ist, das Curriculum wesentlich stärker auf spezifische Berufsbilder auszurichten.

2 Vorgehen

Für das Vorgehen bei der Curriculumsentwicklung wurde gemäss Bologna-Modell ein an den Lernergebnissen (Learning Outcomes) orientiertes Verfahren verwendet Das bedeutet, dass zunächst definiert wird, welches die Anforderungen an die Absolventinnen und Absolventen seitens des Arbeitsmarktes sind, dann welche Handlungsfähigkeit hierzu benötigt wird und schliesslich ein Curriculum aufgestellt wird, das zu den geforderten Fähigkeiten führt.

Das umfassende Projekt, an dem alle regulären Dozentinnen und Dozenten des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft beteiligt waren, sah drei Phasen vor:

    1. Assessmentphase: Analyse des aktuellen Curriculums und des Arbeitsmarktes, Befragung der Stakeholder, Revisionsentscheid, Planung (z.B. Festlegung Startdatum)

    2. Überarbeitungsphase: Ausarbeitung des neuen Curriculums (Struktur, Modulbeschreibungen, Modulplan für Vollzeit/Teilzeit-Studium)

    3. Umsetzungsphase: Dozentenzuordnung und -akquise, Übergangsregelung, Marketing und Kommunikation

3 Assessmentphase

In der Assessmentphase wurden aktuelle Berufsfelder und –bilder bezüglich ihrer Anforderungen analysiert. Hierzu war eine breite Einschätzung wichtig, die zunächst von folgenden Stakeholdern bzw. externen Quellen eingeholt wurde:


  • Fachbeirat und Marktexperten1

  • Dozierende des Studiengangs

  • Analyse des Arbeitsmarktes (Arbeitgeber,2 Stellenausschreibungen, Alumni)

  • Analyse der Curricula anderer informationswissenschaftlicher Studiengänge

  • Aktuelle Studierende

Der Fachbeirat Informationswissenschaft3 ist eine wichtige Quelle für diesbezügliche Aussagen, da die Mitglieder sowohl den einschlägigen Arbeitsmarkt überblicken als auch den Studiengang kennen. Der Fachbeirat zeigte sich zum grössten Teil zufrieden mit den bis dahin gebotenen Inhalten. Es werde das unterrichtet, was heute in der Berufspraxis nötig sei. Es sollten aber zusätzlich Akzente auf neue Themen wie Mobile Devices, E-Books und Social Media gesetzt werden. Zudem regte der Fachbeirat an, der Frage nachzugehen, weshalb generell immer weniger junge Leute die Ausbildung zur Fachperson Information & Dokumentation wählten, der einschlägigen Berufslehre in der Schweiz. Der Fachbeirat schlug zudem vor, ein moderneres Berufsbild des Bibliothekars/der Bibliothekarin zu vermitteln, denn von den Absolventinnen und Absolventen werde vor allem erwartet, dass sie sich mit neuen Entwicklungen auskennen und dass sie innerhalb der Bibliotheken die Rolle von Innovationsträgern spielen könnten. Die Vertiefung Information Engineering wurde begrüsst, jedoch wurde auch davor gewarnt, dass das SII nicht versuchen solle zu sehr in die Informatik abzudriften, sondern Informationswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler mit Technikaffinität auf die IT-spezifischen Bedürfnisse der Informationsbranche auszubilden. Fächer wie Bibliotheksinformatik, Data Science, Usability Engineering oder Bibliometrie seien sinnvolle Ergänzungen und Erweiterungen des bisherigen Angebots. Der Fachbeirat war sich unsicher, ob die Themenfelder Informationsmanagement und Archivierung (bzw. Records Management) zusammengefasst oder stärker profiliert werden sollten. Allenfalls könnte man Archivierung in Verbindung mit Digitalisierung zu einer eigenständigen Vertiefung aufwerten.


Die Studienleitung analysierte in einem nächsten Schritt andere informationswissenschaftliche Studiengänge an deutschsprachigen Hochschulen und verglich auch Angebote ähnlicher Studiengänge wie z.B. Wirtschaftsinformatik oder Kommunikation aus der Schweiz. Dabei zeigte sich, dass die Verbindung von Informationswissenschaft mit einer starken technischen Komponente ein Alleinstellungsmerkmal in der Schweizer Landschaft darstellt. Im Vergleich zu Studiengängen der Informationswissenschaft an deutschen Fachhochschulen oder Universitäten ergaben sich viele Parallelen und einige neue Ideen: Es fanden sich verschiedene Module, die gut das bestehende Angebot ergänzen könnten.


Nicht nur die Expertinnen und Experten aus der Berufspraxis, auch die aktuellen Studierenden wurden um ihre Meinung befragt. Sie forderten, dass die Module besser aufeinander abgestimmt werden und gaben Anregungen zu Modulen, die gestrichen oder anders ausgerichtet werden sollten. Noch ergiebiger war die spätere Diskussion eines ersten Entwurfs für ein neues Curriculum mit den Studierenden.


In die Analysephase gehörte auch noch die Auswertung von Stelleninseraten. Diese ergab ein sehr heterogenes Bild der von Informationseinrichtungen ausgeschriebenen Stellen. Es scheint vielen unklar zu sein, welche Kompetenzen von welchen Ausbildungsgängen verlangt werden können und welches Profil für die Besetzung einer offenen Stelle gesucht werden kann. Hier zeigte sich also wiederum ein grundsätzliches Problem mit dem Berufsbild. In der Schweiz ist die Abgrenzung zwischen Absolventinnen und Absolventen der Berufslehre, des Bachelor-Studiums und einem Weiterbildungs-Master unscharf. Das Thema wird grundsätzlich in Zusammenarbeit mit der Ausbildungsdelegation4 Information und Dokumentation und mit den Kolleginnen und Kollegen der Haute Ecole de Gestion de Genève5 weiterverfolgt.

4 Erforderliche Kompetenzen

Auf der Grundlage der genannten Analysen widmeten sich die Dozierenden des Instituts in einem ganztägigen Workshop den erforderlichen Kompetenzen. Zunächst wurden diese Kompetenzen definiert und anschliessend geprüft, inwiefern sie in den bisherigen Modulen gefördert oder vermittelt werden. Spannend waren hier natürlich diejenigen Kompetenzen, die als wichtig bezeichnet wurden aber im aktuellen Curriculum nicht oder wenig berücksichtigt worden sind. Genannt wurden Kompetenzen wie wissenschaftlich argumentieren und kommunizieren können, Zusammenhänge erkennen und entwickeln, Kenntnis und Anwendung wissenschaftlicher Arbeitsmethoden und Beratungskompetenz. Zudem wurden Inhalte wie Wissensmanagement, Schnittstellen, Datenbanken, E-Books, mobile Endgeräte oder rechtliche Aspekte (z.B. Lizenzierungsmodelle) als wichtig erachtet.


Abb. 1: Die Dozierenden des SII in der Klausur (Foto: Rudolf Mumenthaler)

5 Diskussion der künftigen Struktur

Aufgrund des Genehmigungsprozesses für Curriculumsänderungen durch Hochschulleitung und Hochschulrat an der HTW Chur müssen die zugehörigen Anträge immer Mitte eines Jahres eingereicht werden, damit die Umsetzung für das Folgestudienjahr in Kraft treten kann. Da zu dem Antrag neben dem Revisionsentscheid aus der Assessmentphase auch ein zugehöriger Studienplan (Struktur) vorgelegt werden muss, galt es diesen relativ zeitnah auszuarbeiten. Im kleineren Kreis der Leiter der Vertiefungsrichtungen und der Studienleitung wurden die Eckpfeiler für das neue Curriculum diskutiert und skizziert.

Eine Rückmeldung vor allem der ehemaligen Studierenden war hier besonders fruchtbar: es wurde mehrfach die unscharfe Profilierung des Abschlusses bemängelt. Niemand wisse, was es heisse, man studiere Information Science (Informationswissenschaft ebenso wenig). Deshalb schlug die Studienleitung vor, künftig die vier bisherigen Vertiefungen klarer zu profilieren und im Studium zu betonen. Im alten Curriculum bestand die Vertiefungsrichtung darin, dass man vier Module (zu je 4 ECTS) in diesem Bereich plus noch drei Module aus den anderen Vertiefungsrichtungen auswählte, insgesamt 60 ECTS gegenüber 120 ECTS im Grundstudium.6 Schliesslich fand der Vorschlag, diese Vertiefungen auszubauen und in „Major“7 umzubenennen, allgemeine Zustimmung. Dabei wurden auch die vier Major definiert und benannt: Bibliotheksmanagement, Informations- und Medienmanagement, Archivierung sowie Web und Usability Engineering. Aus Studierendensicht bedeutet dies, dass die Hälfte der Module für alle Studierenden der Informationswissenschaft obligatorisch ist und dass sie anschliessend einen von vier möglichen Major auswählen können. Wobei im 2. Studienabschnitt noch sogenannte Wahlpflichtmodule aus einem anderen Major gewählt werden können.


Abb.2: Das neue Studienmodell ab Herbst 2015

Dieses Konzept wurde im Sommer 2014 von der Hochschulleitung und vom Hochschulrat genehmigt. Damit war der Rahmen für das künftige Curriculum definiert.

6 Überarbeitungsphase

6.1 Die Module des neuen Curriculums

Die Module wurden in der Folge in gemeinsamen Sitzungen aller Dozierenden definiert und auf einander abgestimmt. Nach der Festlegung der Themen wurde überprüft, welche Kompetenzen in welchem Modul berücksichtigt werden. Spezieller Wert wurde darauf gelegt, dass für jedes Modul die erwarteten Eingangskompetenzen und die Ausgangskompetenzen definiert wurden. So konnten nachträglich noch einige Lücken geschlossen werden, das heisst, es konnten noch Ausgangskompetenzen in Module integriert werden, die von einem späteren Modul als Eingangskompetenzen verlangt wurden, aber noch nicht abgedeckt waren.

6.2 Grundstudium

Das Grundstudium besteht aus denjenigen Modulen, die für alle Vertiefungen relevant sind und wird gegenüber dem bisherigen Curriculum verkleinert, so dass die Major gegenüber den Vertiefungen aufgewertet werden können. Es enthält Module aus den Themenbereichen Grundlagen der Informationswissenschaft, Informatik, Informationsmethodik, Betriebsökonomie, Arbeits- und Forschungsmethodik sowie Gesellschaft und Recht.


Es schälten sich bestimmte Themen heraus, die nicht in einem einzelnen Modul behandelt werden können, sondern die im Verlauf des Studiums immer wieder aufgegriffen und vertieft werden sollen. Ein solches Längsschnittthema sind Metadaten. Hier werden im Grundstudium die Grundlagen vermittelt (wozu Metadaten, wie wird Information organisiert und beschrieben), technische Umsetzungen behandelt (XML, Schnittstellen) und anschliessend in den Major spezifische Anwendungen in den einzelnen Sparten beleuchtet (z.B. Standards und Regelwerke im Bibliotheksbereich) und auch die Umsetzung in technischen Systemen vermittelt. Dabei folgt das Curriculum schrittweise den verschiedenen Taxonomiestufen,8 so dass das Thema im Verlauf des Studiums vertieft werden kann.


Die Module des Grundstudiums werden in 6 Themenkreise (Modulbereiche) aufgeteilt:

    1. Informationswissenschaft
    Grundlagen zu Informations-, Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Informations- und Wissensmanagement.


    2. Informatik
    Neben allgemeinen Grundlagen und Systemarchitekturen auch eine Einführung in Datenbanksysteme, Programmierlogiken sowie Digitales Publizieren & Multimediasysteme.


    3. Informationsmethodik
    Wissensorganisation und -repräsentation, Information Research und zugehörige Systeme, semantische Technologien.


    4. Betriebsökonomie
    Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Projektmanagement, (Online-) Marketing.


    5. Arbeits- & Forschungs-Methodik
    Arbeits- und Präsentationstechnik, Statistik und empirische Sozialforschung.


    6. Gesellschaft und Recht
    Medien und Gesellschaft, Informations- und Medienrecht.

Die Herausforderung wird hier darin bestehen, dass die einzelnen Module gut aufeinander aufbauen und dass keine unnötigen Wiederholungen entstehen.

7 Spezifische Inhalte in den Major

Die neue Struktur erlaubte es, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl neuer Module mit berufsbildspezifischen Inhalten eingeführt wurde. Dabei gibt es auch major-übergreifende Module, die den interdisziplinären Ansatz betonen sollen. Studierende im Major Bibliotheksmanagement werden sich entsprechend mit Digitalisierung und Langzeitarchivierung aus dem Kernbereich des Major Archivierung auseinandersetzen oder die Einführung in Usability Engineering aus dem Major Web- und Usability-Engineering besuchen. Studierende des Major Web- und Usability-Engineering werden hingegen das Modul Bibliotheks- und Archivinformatik aus dem Major Bibliotheksmanagement belegen. Hinzu kommen schliesslich noch drei Wahlpflichtmodule, die aus dem Angebot der anderen Major frei gewählt werden können. Wenn alle diese drei Module aus demselben, nicht gewählten Major stammen, dann wird dieser als Minor (eine Art zweite Vertiefung) ausgewiesen, was auch im Bachelor-Diplom vermerkt wird.


In jedem Major werden zudem ein spezifisches Seminar und ein spezifischer Projektkurs angeboten. Hinzu kommen je ein Major-übergreifendes Seminar und ein Major-übergreifender Projektkurs.

7.1 Der Major Bibliotheksmanagement

Der Major Bibliotheksmanagement befasst sich mit der Erwerbung und Erschliessung, mit Nutzerforschung, Planung, Management und Bau von Bibliotheken, mit modernen Dienstleistungen, Technologien und aktuellen Trends mit Fokus auf Stellen in Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken. Folgende einschlägige Module sind vorgesehen:


  • Bibliotheksdienstleistungen

  • Standards und Regelwerke

  • Bestand, Medien und Wissenschaftskommunikation

  • Bibliotheksmanagement und Bibliotheksbau

  • Aktuelle Trends in Bibliothekswissenschaft und -praxis

  • Informationsvermittlung

  • Bibliotheks- und Archivinformatik


7.2 Der Major Informations- und Medienmanagement

Der Major Informations- und Medienmanagement befasst sich mit der bedarfsorientierten Beschaffung, Aufbereitung und Auswertung geschäftsrelevanter Informationen, der Wahl geeigneter Formen und Medien der Kommunikation in Organisationen sowie der Konzeption und dem Einsatz organisationaler Informationssysteme, um die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen, aber auch Non-Profit-Organisationen zu steigern. Berufsbildspezifische Module sind:


  • Strategisches Informations- und Medienmarketing

  • Informationsmärkte, Medienwirkung und Medienwahl

  • Recherche und Informationsaufbereitung für Fortgeschrittene

  • Informationsprozessmanagement

  • Informationsberatung

  • Semantische Systeme für Informationsverarbeitung

  • Records-, Informations- und Wissensmanagement


7.3 Der Major Archivierung

Die Archivierung beschäftigt sich mit Informationsflüssen in Organisationen, der Organisation von digitalen Dokumenten und der Verwaltung von speziellen Medien wie z.B. Fotografien, Videos oder Datenbanken, um so den Archivierungsprozess zu unterstützen. Dieser Major hat eine grosse inhaltliche Überschneidung zu Informations- und Medienmanagement. Spezifische Module sind:


  • Digitale Langzeitarchivierung

  • Digitalisierung

  • Quellenkunde

  • Preservation

  • Bibliotheks- und Archivinformatik


7.4 Der Major Web und Usability Engineering

Web und Usability Engineering beschäftigt sich mit der Konzeption, der Gestaltung, der Entwicklung und Evaluation von grafischen Benutzeroberflächen für unterschiedliche Endgeräte (Notebook, Tablet, Smartphone). Im Vordergrund stehen das Testen von Benutzerschnittstellen sowie das Responsive Design. Spezifische Module sind

  • Web Programmierung

  • Mobile Websites / CMS

  • Dynamic User Interfaces

  • Konzeption & Prototyping

  • Usability Engineering

  • Requirements Engineering


7.5 Abhängigkeiten der Module

Bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Module wurde v. a. der Definition von Eingangs- und Ausgangskompetenzen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So werden die inhaltlichen Abhängigkeiten innerhalb des Curriculums ersichtlich. Die so erleichterte Abstimmung zwischen den Modulen wird als einer der Erfolgsfaktoren des neuen Curriculums angesehen.


Die nun geschaffene detaillierte Dokumentation der Module, ihrer Ziele und Inhalte, bietet besonders für neue Dozierende und Gastdozierende eine ideale Grundlage, um die eigene Lehre auf diejenige der Kolleginnen und Kollegen abzustimmen. So wird sichergestellt, dass auch bei der Anpassung eines Moduls wichtige Kompetenzen und Lehrinhalte nicht unbeabsichtigt verloren gehen.

8 Kommunikation des neuen Curriculums und weitere Schritte

Das neue Curriculum Information Science wurde bei diversen Informationsveranstaltungen in verschiedenen Städten der deutschen Schweiz vorgestellt. Zum ersten Mal wurden für Studieninteressierte mehrere „Student for a Day“-Anlässe organisiert, an denen Studieninteressierte den Unterricht besuchen und sich mit aktuellen Studierenden austauschen konnten. Die vier Major wurden dabei stärker in den Vordergrund gerückt und mögliche Berufsbilder aufgezeigt. Die Kommunikation erfolgte über die Website des Instituts,9 über eine neue Informationsbroschüre,10 den bestehenden Image Film und über das Blog11 und soziale Medien12.


Bis zum Beginn des Studiums nach dem neuen Curriculum und bis zum Start der neuen Major ab dem 3. Semester im Herbst 2016 werden nun noch die Module im Detail geplant und insbesondere das Lehrpersonal bestimmt.

Die Evaluierung der Lehrveranstaltungen erfolgt routinemässig durch die Studierenden. Fundierte Aussagen zur Wirkung der getroffenen Massnahmen werden zum Abschluss des ersten Studiengangs nach neuem Modell, also im Sommer 2018 möglich sein. Die Entwicklung der Anmeldezahlen für die neuen Studiengänge (60 Studierende im Herbst 2015 im Vergleich zu 37 in 2014) sind aber bereits jetzt ein Indiz für die gestiegene Attraktivität durch die Neuausrichtung und Positionierung des Bachelorstudiengangs Information Science an der HTW Chur.



Literatur

Anderson, Lorin W. : A Taxonomy for Learning, Teaching and Assessing. New York: Longman, 2001.

Bloom, Benjamin.Samuel: Taxonomy of Educational Objectives, Handbook I: The Cognitive Domain. New York: David McKay, 1956.



Autoren

Rudolf MUMENTHALER, HTW Chur, Pulvermühlestrasse 57, CH-7004 Chur
http://ruedimumenthaler.ch
rudolf.mumenthaler@htwchur.ch



Bernard BEKAVAC, HTW Chur, Pulvermühlestrasse 57, CH-7004 Chur
http://www.htwchur.ch/informationswissenschaft/forschung-und-dienstleistung/team/dozierende/bernard-bekavac.html
bernard.bekavac@htwchur.ch






1 Die Zusammensetzung und Funktion des Fachbeirats wird im folgenden Abschnitt erläutert. Zu den Marktexperten gehören unter anderem die Vertreter des Berufsverbands BIS, der Ausbildungsdelegation I&D oder Kontakte aus dem Netzwerk.

2 Bei den Arbeitgebern handelt es um Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen, Organisationen und Firmen, die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs beschäftigen oder beschäftigen könnten. Dazu gehören u.a. Direktorinnen und Direktoren von Bibliotheken, Archiven, Leiterinnen und Leiter von Dokumentationsstellen oder von Firmen aus der Informationsbranche.

4 Die Ausbildungsdelegation Information + Dokumentation ist für die berufliche Grundbildung (Berufslehre Fachfrau/Fachmann Information und Dokumentation) zuständig und wird von den Verbänden Bibliothek Information Schweiz (BIS) und dem Verein der Archivarinnen und Archivare der Schweiz (VSA) gemeinsam getragen. http://www.ausbildung-id.ch/)

5 In der Schweiz gibt es den Studiengang Informationswissenschaft in Chur und in Genf http://www.hesge.ch/heg).

6 Im Review wurde berichtigt, dass der Begriff „Grundstudium“ bei BA/MA nach Bologna nicht mehr üblich sei und durch „1. und 2. Studienabschnitt“ ersetzt wurde. Im BSc Information Science an der HTW Chur wird aber noch immer der Begriff Grundstudium verwendet.

7 Die Verwendung von englischen Begriffen ist in der Deutschschweiz verbreitet. Der Begriff Major hat sich hier als verstärkte Spezialisierung im Vergleich zur Vertiefungsrichtung etabliert. In der Curriculumreform wurde er in Analogie zu anderen Studiengängen an der HTW Chur verwendet.

8 Mit Taxonomiestufen sind nach Bloom zusehend komplexere kognitive Lernziele gemeint, die von einfachem Kennen bis zum anspruchsvollen Evaluieren reichen. Vgl. Bloom (1956). Der Ansatz wurde später erweitert, z.B. von Anderson & Krathwohl (2001).

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