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Neue Studien zum spätkaiserzeitlichen Prachtschildbuckel von Herpály (Ungarn)

  • Zsófia Masek (Autor/in)
    Research Centre for the Humanities, Budapest
    https://orcid.org/0000-0002-9006-5806
  • Matthias Becker (Autor/in)
    Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte
  • Orsolya Heinrich-Tamáska (Autor/in)
    Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa
    https://orcid.org/0000-0001-8922-2790
  • Hans-Ulrich Voß (Autor/in)

Identifier (Artikel)

Abstract

Im vorliegenden Beitrag wird eine Neubewertung des spätkaiserzeitlichen Stangenschildbuckels von Herpály vorgenommen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Fund als Teil eines Hügelgrabes im sarmatischen Milieu der Großen Ungarischen Tiefebene entdeckt. Aufgrund der reichen Verzierung, die sowohl geometrische als auch figurale Elemente vereint, und der goldenen Erscheinung wurden in den letzten eineinhalb Jahrhunderten zahlreiche, meist ethnisch konnotierte Erklärungen zu der Herkunft und dem Nutzer(kreis) formuliert. Es wurde auf die heterogenen kulturellen Verbindungen verwiesen, die sich im Stil und in der Form des Schildbuckels ablesen lassen und ihn mit den nord- und mitteleuropäischen germanischen Funden ebenso verbinden wie mit provinzialrömischen und östlich-pontischen Einflüssen.
Die aktuelle Bearbeitung verfolgte drei Ziele: es wurden die Fundumstände revidiert, der Materialeinsatz und die Herstellungstechnik erstmalig untersucht und das Stück im Kontext der spätkaiserzeitlichen Prachtschilde analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass das Grab mit dem Schildbuckel von Herpály mit einigen weiteren Bestattungen des 2.–3. Jahrhunderts n. Chr. im nordöstlichen Karpatenbecken in Bezug gesetzt werden kann, deren Ausstattung mit Waffen (Schildbuckel, Schwerter, Sporen) starke nordische Kontakte suggeriert. Der bronzene Korpus des Herpályer Schildbuckels wurde mit vergoldeten Silberblechen belegt. Die XRF-Analysen lassen auf Diffussionsvergoldung schließen, eine Technik, die im spätkaiserzeitlichen Kontext bei germanischen Feinschmiedearbeiten durchaus verbreitet war. Der Schildbuckel von Herpály wurde komplett vergoldet, dezente polychrome Effekte (Kombination mit Silber bzw. Steineinlagen), wie sie bei mehreren Vergleichsstücken (z. B. Thorsberg, Lilla Harg) belegt sind, fehlen hier gänzlich. Von den diskutierten technisch-stilistischen Aspekten ausgehend kann der Schildbuckel von Herpály chronologisch zwischen älteren, aus vielen Einzelteilen komponierten Exemplaren des 3. Jahrhunderts (z. B. Illerup, Thorsberg, Gommern) und jüngeren Beispielen des 5. Jahrhunderts n. Chr. (z. B. Lilla Harg, Vermand, Kerč und Berlin) eingeordnet werden. Darüber hinaus ist der Herpályer Schildbuckel als ein anschaulicher Beleg für die weitreichenden Kontakte zu werten, die spätkaiserzeitliche Eliten des nordöstlichen Karpatenbeckens unterhielten.

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Veröffentlicht (Versionen)

Sprache
de
Schlagworte
späte Römische Kaiserzeit, sarmatenzeitliches Hügelgrab, Oberes Theißgebiet, Forschungsgeschichte, Schildbuckel, Militaria, Elitennetzwerke im Barbaricum, Pressen, Nieten, (Diffusions-)Vergoldung, XRF-Oberflächenanalyse