Übersetzen von Latein und Altgriechisch mit ChatGPT – Reloaded

Zur Struktur interpretativer Entscheidungen

  • Sylvia Kurowsky (Zeitschriftenverwalter/in)

Abstract

Aufbauend auf einer früheren explorativen Studie zur KI-gestützten Übersetzung aus dem Lateinischen und Altgriechischen untersucht der vorliegende Beitrag, wie aktuelle Versionen von ChatGPT Übersetzung als angeleiteten, dialogischen Arbeitsprozess neu strukturieren. Im Fokus stehen dabei sowohl die Rolle der Instruktion als auch die jeweilige Interaktionskonfiguration. Anhand derselben Testpassagen wie in der Erststudie werden eine textnahe und eine flüssige, leserorientierte Übersetzung über verschiedene Modellmodi hinweg miteinander verglichen. Die Fallstudien – aus antiken Texten (Cicero, Plutarch) sowie aus modernen wissenschaftlichen Texten in lateinischer und altgriechischer Sprache – zeigen ein stabiles Strukturmuster: Während textnahe Übersetzungen semantische Offenheit sichtbar halten, erhöhen leserorientierte Fassungen Kohärenz und Lesbarkeit, lösen dabei jedoch häufig Mehrdeutigkeiten auf und führen implizite interpretative Festlegungen ein. Unterschiede zwischen den Modellmodi betreffen vor allem den Grad semantischer Spezifizierung, ohne diese funktionale Grunddifferenz aufzuheben. KI-gestützte Übersetzung erweist sich damit als heuristisches Instrument, das philologische Kontrolle nicht ersetzt, sondern interpretative Entscheidungen bereits im Übersetzungsschritt verschiebt und neu konfiguriert.

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Literaturhinweise

Veröffentlicht
2026-03-19
Sprache
Deutsch; Latein; Altgriechisch
Schlagworte
ChatGPT, Prompting, Digital Philology